Mehr Zahnschmerzen und weniger Wohlstand durch DSGVO

Der Kollaps durch zunehmende Komplexitätskosten schreitet weiter voran. Die zunehmende Komplexität wird nun auch für mehr Zahnschmerzen, Zahnverluste und eine Verschlechterung der zahnärztlichen Versorgung sorgen. Das ist eine absehbaren Nebenwirkung der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).  Das ist nur ein Beispiel von mehreren, mit denen ich hier zeigen möchte, dass der Kollaps, wie ihn Prof. Joseph Tainters Theorie vom Kollaps komplexer Gesellschaften voraussagt, in der BRD zunehmend fortschreitet.

Der Wurzelspitze-Blog schließt

Auf dem bisher vielleicht besten, auch öffentlich und damit auch für Patienten und Politiker einsehbaren deutschsprachigen  Internetblog zum Thema Wurzelkanalbehandlungen, wurzelspitze.wordpress.com, wurde am 22. Mai 2018 folgender Artikel veröffentlicht:

Nach 9,5 Jahren und exakt 2298 zahnmedizinischen Fachbeiträgen, fast 7000 Kommentaren der Leser, mit teilweise über 80.000 Klicks pro Monat und bis zu einer dreiviertelmillion Aufrufe unserer Seite pro Jahr geht WURZELSPITZE zum 25. Mai 2018 vom Netz.

Grund dafür ist die neue europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), ein Bürokratieungetüm von über 260 Seiten Gesetzestext. An dem vermutlich über viele Jahre mit großer Manpower und riesigem finanziellem Aufwand - bezahlt durch uns, die Bürger der EU - gearbeitet wurde, dass aber so viele Fragen ungeklärt und offen lässt, dass es uns hier bei WURZELSPITZE im Moment ratsam erscheint, diese Seite vorübergehend oder auch dauerhaft - das wird die Entwicklung der nächsten Zeit zeigen - vom Netz zu nehmen.

WURZELSPITZE hat niemals intentionell irgendwelche Daten von Irgendjemandem erhoben. Wofür auch. Um also mit Herbert Grönemeyer zu sprechen: "Was soll das ???"

Schon jetzt ist abzusehen, daß die Intention des Gesetzes, nämlich den Bürger vor kommerziellen Datenerhebungen und vor Missbrauch von Firmen und Konzernen zu schützen, ins Leere laufen wird. Dafür wird eine neue Welle von Abmahnungen auf Privatleute, Geschäftsleute, Gesellschaften und Vereine zurollen und die Kolateralschäden, wie zum Beispiel das Ende der von zahnmedizinischen Kollegen wie Patienten gleichermaßen hoch geschätzten Wissensvermittlung via Internet werden schon jetzt sichtbar.

Die neue europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kostet anderseits auf jeden Fall sehr viel für Geld und Zeit für Fortbildungen und Verwaltungsaufwendungen. Das alles fördert das Wirtschaftswachstum und viele finden das grundsätzlich gut. Aber es reduziert gleichzeitig auch den Wohlstand der Gesellschaft als ganzes. Wie das obige Beispiel vom Wurzelspitze-Blog zeigt, wird der Datenschutz nämlich indirekt jede Menge Zahnschmerzen verursachen, die Qualität der zahnmedizinischen Versorgung reduzieren und Zähne kosten, weil eine wichtige Plattform für Informationen und Erfahrungsaustausch wegfällt.

Die Abschaltung des Wurzelpitze-Blogs ist offenbar kein Einzelfall Zum Thema Abschaltung von Internetblogs wegen des Datenschutzes wurde jedenfalls am 24. Mai 2018 auf Luisman’s Blog mit dem Titel Das Große Blogsterben ein Artikel veröffentlicht, wonach wohl noch viel mehr Internetblogs abgeschaltet werden.

Einführung der Telematikinfrastruktur

Seit einigen Monaten wird in der Zahnmedizin der Onlineabgleich der elektronischen Versichertenkarten eingeführt. Damit wird es dann möglich, dass bei jedem Arzt- oder Zahnarztbesuch die Versichertendaten beim Einlesen der Karte über das Internet mit einem zentralen Computer abgeglichen werden.   Sinn der Übung ist wohl, dass die Kassen damit Karten über das Internet sperren können und das so hier und da ein Missbrauch verhindert werden kann. Der Preis dieser zusätzlichen Komplexität dürfte allerdings weit höher als der Nutzen sein.

Dazu einige Links:

Auch der Aufbau und die Einführung dieser  Telematikinfrastruktur  hat schon sehr viel Geld und Zeit gekostet und wird noch sehr, sehr viel mehr kosten, ohne dass es einen nennenswerten Vorteil für die Patienten und die Praxen gibt. Auf einer Fortbildung die ich zu diesem Thema besucht habe, hieß es, man könne das nicht mehr stoppen, weil schon zu viel Geld dafür ausgegeben worden sei. Meines Erachtens ein Fall von Concord-Effekt oder Eskalierendem Commitment.

Obwohl, es geht auch um das Wirtschaftswachstum und jeden Preis. bzw. auf Kosten des Wohlstandes der Allgemeinheit. Aber auch  Verkehrsunfällen, Ladendiebstähle und die meisten Verbrechen sind gut für das Wirtschaftswachstum, auch wenn sie letztlich den Wohlstand der Bevölkerung reduzieren.

Zahnärzte, die den Blödsinn mit der Telematikinfrastruktur nicht mitmachen wollen bekommen ab Anfang 2019  ein oder zwei Prozent Honorar abgezogen oder sie müssen ihre Praxis für Kassenpatienten schließen.

Die Patienten, bzw. die Bevölkerung wird den Blödsinn der  Telematikinfrastruktur und seine Folgen bezahlen müssen und sie wird auch damit ebenfalls ein Stück Wohlstand verlieren.

Die Kassenmeldungen zum Monatsende

Um ein einziges Mal eine Monatsrate für die Renten- und Krankenversicherung mehr auf dem Konto zu haben, hat der Gesetzgeber von 2005 auf 2006 die Melde und Zahlungstermine für Sozialversicherungsbeiträge umgestellt. Das war und ist mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden, für den es keine direkte Vergütung gibt, und die letztlich auch den Wohlstand reduziert.

Für Mitarbeiter die nach Stunden bezahlt werden und auch für Mitarbeiter die Fahrtkostenzuschüsse bekommen ergibt sich damit jeden Monat ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand, der extrem ärgerlich ist.

Mit “Beitragsfälligkeit 2005 2006” findet man zu diesem Thema verschiedene Artikel. Meine Erachtens war diese Umstellung  bereits ein Anzeichen für einen allmählich beginnenden Kollaps des deutschen Sozialstaates ist.

Missbrauch des Asylrechtes und Grenzöffnung 2015

Der Missbrauch des Asylrechtes durch verschiedene, sich damit auf Kosten der Allgemeinheit bereichernde Interessengruppen und die Öffnung der deutschen Grenzen, die faktisch eine wichtiger Schritt zur antisozialen Maximierung der Plünderung des deutschen Sozialstaates und zur antigrünen  Vergrößerung des ökologischen Fußabdruckes Deutschlands war, sind auch ein Schritte in Richtung Kollaps. Siehe dazu u.a. meine Artikel

Der Kollaps kommt jedenfalls Schritt für Schritt näher oder besser ausgedrückt, er kommt zunächst schrittweise. Noch sorgt er nur für mehr Zahnschmerzen und Zahnverluste, für mehr Verwaltungsaufwand und auch dafür das insbesondere die Frauen dank oder auch Trotz der zunehmenden Feminisierung der Politik und Gesellschaft immer mehr Angst haben sich im öffentlichen Raum zu bewegen.  Der Kollaps wird aber weiter fortschreiten und seine Schritte werden größere werden, wie ich in Artikeln wie

zu zeigen versucht habe.

Zu den absehbaren Folgen, siehe insbesondere auch Karl Marx und die Energiesklaven und US-Militärwerbung: BRD verliert fast 50 Millionen Einwohner bis 2025. Die Grundannahme hinter dieser Prognose über die Reduzierung der Bevölkerung der BRD ist NICHT einmal ein Krieg, sondern einfach nur ein wirtschaftlicher  Kollaps, ähnlich dem in ehemaligen Sowjetunion oder eben auch dem in Deutschland nach den 1. und 2. Weltkrieg. Das Problem ist, dass die Fallhöhe in Deutschland heute extrem hoch und die Vorbereitung der Gesellschaft extrem schlecht ist. Die aus der neuen Datenschutzgrundverordnung der EU resultierende Abschaltung von Internetblogs könnte den Kollaps und die daraus resultierenden Schäden erheblich beschleunigen und verschlimmern.

Zum Abschluss, als Versuch einer alternativen Antwort auf die Frage nach dem Grund für diese neue EU-Vorschrift: Was ist ein Intellectual Yet Idiot (IYI) nach Taleb? und als Erheiterung:  Passierschein A38 – Das Haus das Verrückte macht – Asterix erobert Rom.

Kelberg, den 24. Mai 2018

Christoph Becker

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4 Gedanken zu „Mehr Zahnschmerzen und weniger Wohlstand durch DSGVO“

  1. Hallo,

    ja, die DSGVO ist ein Monster – speziell da Ihr Wirkungsbereich unklar ist und auch für Kleinstgewerbe und wohl auch für private und vollkommen nichtkommerzielle Blogs gilt.

    Grundsätzlich finde ich das ganze gut – schafft es doch endlich einmal Bewusstsein für ein wichtiges Thema. Viele Menschen machen sich ja heute keine Gedanken wie Sie Daten für die “großen” sammeln. Wenn irgendwer ein Foto von mit mit seinem Smartphone – auch in der Familie – machen möchte lehne ich dankend an: Alles landet sofort in der Aple, Google oder Facebook Cloud wo es auch analysiert wird. Das meine Kontaktdaten irgendwo über WhatsApp nach Facebook gewandert sind nehme ich stark an – sicher auch ein Bild von meinem Kopf.

    Das finde ich nicht hinnehmbar… mal schauen was da passiert.. ich denke nicht viel…

    falls Dich noch was zur DSGVO und in Bezug auf WP interessiert: schau mal hier – das ist eine sehr kompakte Zusammenfassung inkl. Tips zur Absicherung des WP-Blogs gegen Hacking. Das meiste ist inzwischen recht schnell erledigt.

    Zum ETP-Model möchte ich Dich / die Leser hier auf einen neuen Beitrag dazu bei peak-oil.com hinweisen: https://www.peak-oil.com/2018/05/etp-modell-nr-2-ein-anderer-und-einfacherer-ansatz-der-modellierung/ – Herr Warm hat dort versucht auf einem anderen Weg als die HillsGroup die Sache um das ETP-Model zu berechnen… gleiches Ergebnis.

  2. Es ist nicht gut, dass das dsgvo solche Nebenwirkungen hat. Ich denke, das Internet sollte schnell vereinfacht werden. Ich habe von einem dezentralen System gehört, in dem die Identität nicht mehr in den Händen von Online-Unternehmen liegt, vielleicht bietet das eine Lösung.

  3. Hallo Herr Becker
    Ist es auch bei der Zahnhygiene möglich, ähnlich wie im Ackerbau, mit positiven Bakterien die Leistung des System und auch die Gesundheit zu erhöhen?
    Im Ackerbau wird mit Komposttee auch der Boden in die richtige Richtung gebracht um sich selbst zu helfen. Im Darm ist es auch möglich mit Hilfe von Milchsäurebakterien den Darm und die gesamte Gesundheit zu stabilisieren. Wie sieht es hier mit Mundhygiene aus. Durch die Zahnpasta wird ja immer die komplette Population bekämpft und nicht in eine positive Richtung gelenkt. Haben sie da mehr Informationen oder auch schon Erfahrungen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Klapka Stefan

    1. @Stefan Klapka,
      Danke für den Kommentar, der mich noch etwas hat nachdenken lassen. Vielleicht sollte ich noch einen ausführlichen Artikel über einige Aspekte der Zahngesundheit und Gesundheit schreiben. Momentan fehlt mir dazu aber die Zeit.
      Sehen Sie jedoch auch mal https://www.freizahn.de/2018/09/infos-und-gedanken-zur-fleischdiaet/ und https://www.freizahn.de/2019/01/gesund-abnehmen-auch-ohne-sport-und-hunger/
      Dazu, wenn Englisch kein Problem ist, das Kapitel “And Visit Your Dentist Twice a Year” in “THE FAT OF THE” LAND von Vilhjalmur Stefansson ( http://highsteaks.com/the-fat-of-the-land-not-by-bread-alone-vilhjalmur-stefansson.pdf ), sowie das Buch “Nutrition and Physical Degeneration” von Weston Price.
      Im Grunde, wenn die Gesundheitspolitik, die teilweise mit Zwangsabgaben finanzierten angeblichen Qualitätsmedien und das Bildungssystem im Interesse der Bevölkerung gut funktionieren würden, bräuchte man Zahnärzte hauptsächlich nur noch für die Behandlung der Folgen von Unfällen und Kriegsverletzungen, und vielleicht (aber auch wirklich nur vielleicht) noch für einen Teil der Parodontosefälle. Karies, Zahnfehlstellungen und ein Teil oder vielleicht auch fast alle Fälle von Parodontose, könnte man durch eine auch sonst für die Gesundheit und Fitness vorteilhaften Ernährung verhindern.
      Meine Artikel zum Thema Weidemanagement, Klimaschutz durch Rinderherden usw. sind so gesehen gerade auch mit Blick auf die Entwicklung der Zahnmedizin wichtig.
      Einiges von dem was ich in dem Kurs von Elaine Ingham über die Bodenmikrobiologie und dann später auch bei der Beschäftigung mit dem Thema Wasserdesinfektion gelernt habe ist ebenfalls in der Zahnmedizin hilfreich und war für mich eine interessante Ergänzung des Gesamtbildes.
      Momentan beschäftigen mich allerdings vor allem die sehr faszinierenden sehr praktischen Möglichkeiten der Computer gestützten Herstellung von Zahnersatz und die damit möglichen Optimierungen Versorgungen mit Implantaten. Die Beschäftigung mit der Behandlung der Folgen von Ignoranz und gesundheitsschädlicher, kohlenhydratreicher Ernährung ist jedenfalls intellektuell UND (für Zahnärzte, Zahntechniker und Industrie) auch wirtschaftlich sehr interessant – zumindest solange der Strom noch zuverlässig aus der Steckdose kommt und solange die zuliefernde Industrie noch liefern kann. Ich möchte die Zeit nutzen, die ich noch habe, um diese für mich als Ingenieur, Zahnarzt und Handwerker faszinierenden Möglichkeiten unserer Zeit noch zu genießen, die sich dadurch bieten, dass das schon seit der Zeit des 2. Weltkrieges bekannte Wissen über die Zusammenhänge von Ernährung, Zahngesundheit und Gesundheit von den meisten, und vorallem auch von der Gesundheits- und Bildungspolitik nicht genutzt wurde und wird.
      Anderseits geben zum Beispiel die inzwischen über 20 Tsd. Aufrufe meines Artikels http://www.freizahn.de/2016/08/ganzheitliches-weidemanagement/ , und auch viele Aufrufzahlen meiner anderen Arktikel zum Thema Landwirtschaft, Anlass zur Hoffnung, dass die Bevölkerung, in einer vielleicht nicht so fernen Zukunft ohne zuverlässige Stromversorgung und ohne bezahlbare fossile Energieträger, nach einer Übergangsphase vielleicht sogar noch bessere Gebisse haben wird als heute mit all unseren faszinierenden Technologien und Materialien.
      Mit freundlichem Gruß
      Christoph Becker

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