Über den Finanz-Tsunami

Auf Telepolis ist am 18. September 2017 ein Artikel mit dem Titel Die neue Supermacht: Die Finanzmärkte von Ernst Wolff erschienen. Bei dem Artikel handelt es sich um einen Auszug aus Ernst Wolffs Buch Finanz-Tsunami – Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht. Der Artikel erfordert einen Kommentar, weil essenzielle Hintergründe der Finanzkrisen nicht erwähnt werden.

Der erste Teil des Artikels endet mit der Frage

Verbirgt sich hinter dem Bild, das uns seit Jahren von den Finanzmärkten vermittelt wird, vielleicht etwas, das wir nicht wissen oder nicht wissen sollen?

Ja, sicher.  Im Folgenden werde ich versuchen, einiges davon zu erklären und zu verdeutlichen.

Was ist Geld?

Geld ist ein Versprechen auf die Lieferung von Arbeit. Arbeit ist physikalisch das Produkt Kraft x Weg. Arbeit  wird physikalisch genauso wie Energie in Joule ausgedrückt.  Arbeit und Energie ist somit dasselbe.

Die Energie in einem Liter Benzin

Auto und Heimtrainer

Mein Auto, ein Dacia Sandero Essential,  fährt mit einem Liter Benzin ca. 20 km, und das bei einer Geschwindigkeit von ca. 70 km/Stunde. In einem Liter Benzin stecken ca. 30,5 MJ  oder 8,5 kWh1 . Auf meinen Heimtrainer schaffe ich gut 200 W über eine längere Zeit. Für kurze Zeit schaffe ich  460 W.  Mein Auto kommt aber bei  Vollgas auf 54.000  W.  Ob wohl es einen relativ schwachen Motor hat, ist es mehr als 110 mal so stark wie ich, wobei es diese Leistung, wenn es sein muss, stundenlang liefern kann, während ich nach ein paar Sekunden wieder auf meine 200 W zurück muss. Bezogen auf meine 200 W ist mein Auto sogar 270 mal so stark wie ich. Und selbst da sehe ich sehr alt aus, denn mein Auto kann sehr, sehr viel länger als ich durchhalten. Vielleicht kann ich bei 100 W solange durchhalten wie mein Auto, aber dann ist mein Auto 540 mal so stark wie ich.

Doch nun zum Energieinhalt des Benzins: In einem Liter stecken 8,5 kWh. Das entspricht einem 12 V Bleiakku von 708 Ah. Das wiederum ist die Speicherkapazität von 19,67 normalen Autobatterien von je 36 Ah, und wir reden hier nur von einem einzigen Liter Benzin, bei einem Auto, dessen Tank aber mehr als 50 Liter fasst und das in wenigen Minuten wieder auf getankt werden kann.

Für 20 km braucht mein Auto bei 70 km/h  soviel in Benzin gespeicherte Energie, wie ich auf meinem Heimtrainer bei 200 W in 42,5 Stunden liefern kann. Wenn ich die Energie, die in einem Liter Benzin enthalten ist, in einer Woche per Heimtrainer liefern sollte, dann würde ich vermutlich noch viel länger brauchen, denn 42,5 Stunden mit 200 W in einer Woche ist garantiert zu viel für mich ist. 100 W im Mittel ist wahrscheinlicher, aber dann würde ich 85 Stunden benötigen, um soviel Energie an den Heimtrainer zu liefern wie in einem Liter Benzin enthalten ist. Ein Liter Benzin kostet nun aber nur ungefähr 1,30 Euro. Das heißt, für 1,30 Euro kann ich mir an der Tankstelle für mein Auto soviel Energie kaufen. 130 Cent  / 42,5 Stunden = 3,06 Cent/Stunde. 130 Cent / 85 Stunden = 1,52 Cent/Stunde.  Um einen Vergleich zu üblichen Stundenlöhnen herzustellen:

  • 1000 x 1,52 Cent = 15,20 Euro
  • 4000 x 1,52 Cent =  64,80 Euro
  • 8000 x 1,52 Cent =  129,60 Euro
  • 16.000 * 1,52 Cent = 243,20 Euro

Ein Jahr hat 365 x 24 = 8760 Stunden. Man rechnet in Deutschland mit einer durchnittlichen Arbeitszeit von 1650 Stunden/Jahr.

Was leistet ein Pferd?

Die ohne Gesundheitschäden mögliche Dauerleistung eines Pferdes hatte seinerzeit James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine mit einer Pferdestärke = PS = 735,5 Watt  ermittelt: Mythen-Post Was leistet ein Pferd. Kurzzeitig können Pferde allerdings 12 PS und mehr liefern.

Die 8,5 KWh pro Liter Benzin entsprechen 11,55 Stunden Pferdeeinsatz, wenn man die vom Pferd gelieferte mechanische Energie in Wärmeenergie umwandeln möchte.

Möchte man die vom Pferd gelieferte mechanische Energie mit der aus Benzin per Motor in einem Fahrzeug genutzten Energie vergleichen, dann kommt man bei Benzinmotoren bei Teillast auf ca. 10 % und bei Vollast auf deutlich über 30 %. Dieselmotoren sind wesentlich effizienter.

Rechnen wir  mit einem Benziner und mit Teillast, also dem ungünstigsten Fall,  und damit mit 10 % Wirkungsgrad. Dann entspricht  der Energieinhalt von einem Liter Benzin zum Preis von derzeit ca. 1,30 Euro dem, was ein im Pferd im Dauerbetrieb in 1 Stunde und 9 Minuten  leistet.

Landwirte sind heute mit Schleppern unterwegs, Dieselmotoren von 50 bis über 500 PS unterwegs. Der Wirkungsgrad ist hier besser,  so dass hier aus einem Liter vielleicht eher 2 oder 3 Pferdestunden herausgeholt werden können, während Diesel vor allem für die Landwirte wesentlich weniger kostet als Benzin.

Man stelle sich auch ein Pferdgespann mit 50 oder 200 Pferden vor. Mit einer Suche nach “biggest team of horses” also größtes Pferdgespann fand ich

  • Ein niederländische Gespann mit 72 Pferden auf Youtube, das aber nur einen leichten Wagen zieht und reine Show ist.
  • Neil Dimmocks 46 Percherons, der Weltrekord von 2004 mit einem richtig für die Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft eingesetzten Gespann. Hier wurde mit 46 schweren Kaltblutpferden eine Arbeit verrichtet, für die ein Traktor mit 150 PS empfohlen war. Jedes dieser schweren Pferde entsprach also etwa 3 PS. Rechnet man 30 % Wirkungsgrad für den Traktor, weil dieser mit Diesel (ca. 9,7 KWh Heizwert)und relativ hoher Last (und damit mit besserem Wirkungsgrad) betrieben wird, so wären ein Liter Diesel knapp 4 klassische Pferdestunden oder etwa 1 Stunde und 20 Minuten mit einem dieser schweren Kaltblutpferde.

Die Rechenbeispiele sind sicher etwas vereinfachend, aber sie zeigen die ungefähren Größenordnungen und können vielleicht ein Gefühl dafür vermitteln, warum Mineralölprodukte für die Wirtschaft so wichtig sind.

Die durch den Einsatz von Benzin oder Diesel lieferbare Arbeit ist jedenfalls sehr viel preiswerter als durch Muskelkraft lieferbare Arbeit. Außerdem sind wegen der Kombination aus hoher Energiedichte, Transportfähigkeit und Lagerfähigkeit mit Mineralölprodukten wie Benzin, Diesel und Kerosin Leistungen möglich, die mit Muskelkraft völlig ausgeschlossen sind.

Man denke hier an Verkehrs- und Kampfflugzeuge, an schwere Baumaschinen, schwere Lastkraftwagen, große Binnenschiffe usw..

In Form von fossilen Energieträgern haben wir jedenfalls phantastische Mengen Energie zu phantastisch niedrigen Preisen zur Verfügung.

Kredite bis etwas 1970

Die folgende Grafik stammt aus einem Vortrag von Nate Hagens.  Ich hatte sie auch schon in meinen Blogbeitrag Energie und Geld verwendet.

Entwicklung von Energie (wirkliches Kapital) und Geld als reine Recheneinheit über die Zeit.

Wissenschaftler, Chemiker, Ingenieure (bin selbst auch Ingenieur) und in gewisser Hinsicht sogar Zahnärzte und Zahntechniker, haben jede Menge Möglichkeiten gefunden, um mit Hilfe der in den fossilen Energieträgern enthaltenen, phantastisch hoch konzentrierten, lagerfähigen, transportfähigen und zugleich auch noch phantastisch preiswerten Energie jede Menge mehr oder weniger nützliche, die Lebensqualität steigernde Produkte zu schaffen. Wenn man genug wenig kostende und zugleich sehr hochwertige Energie hat, dann kann man mit guter Ausbildung, Intelligenz, Disziplin und Phantasie unerschöpflich viele neue Problemlösungen, Produkte, Anwendungen usw. entwickeln.

Unter dieser Voraussetzung können Menschen mit der nötigen Mischung aus Begabung, Phantasie,  Wissen und Disziplin auch Kredite mit Zinsen aufnehmen und glaubwürdig versprechen, diese in Zukunft zurückzuzahlen. Dank der Verfügbarkeit billiger und zugleich hochwertiger Energie können sie mehr als genug Neues schaffen und auf den Markt bringen, um ihre Ausgaben, die Zinsen und ihr Einkommen zu erwirtschaften.

Dabei ist nun wichtig, dass auch die anderen Marktteilnehmer irgendwie dank reichlich vorhandener billiger Energie genug Produkte entwickeln und liefern können, um sich die von mir angebotenen Produkte leisten zu können.

Wenn alle produktiven Marktteilnehmer reichlich billige und zugleich hochwertige Energie haben, dann können sie auch noch Überschüsse produzieren, die sie über Steuern und Sozialabgaben abführen, damit mehr oder weniger kluge und verantwortungsbewusste oder auch idiotische und verantwortungslose Politiker und Beamte diese Überschüsse teilweise für sich selbst einstecken, teilweise für öffentliche Aufgaben wie Strassenbau, Polizei und Militär verwenden und teilweise an tatsächlich oder scheinbar Bedürftige verteilen, denen es an Verstand, Ideen, Ausbildung, Disziplin, Fleiß oder auch an Gesundheit fehlt, um selbst mit den billigen, hochwertigen Energien  Produkte zu schaffen, für die andere gerne angemessene Preise bezahlen.

Schulden sind bei diesem System in der Regel immer nur Vorschüsse für sinnvolle Investitionen, die tatsächlich in absehbarer Zeit zurückgezahlt werden.

Das erklärt das System des Westens bis vielleicht 1970.

Vier für das Finanzsystem fatale Entwicklungen

Postmodernismus und Amoklauf der Gutmenschen

Zunächst ist da das Auftreten der linken Postmodernisten  und ihrer Schüler, deren verheerendes Wirken der Franzose Jean Raspail bereits 1972,  in seinem Roman Das Heerlager der Heiligen beschrieben hat. Das Prinzip ist, dass linke Politiker und andere Gutmenschen, berauscht vom Überfluss an billiger, sehr hochwertiger Energie in Form fossiler Energieträger für unproduktive Dinge Kredite aufnehmen und damit nach einer Art Kettenbrief oder Schneeballsystem Versprechen auf die Lieferung menschlicher Arbeit gemacht haben und machen, die nicht zu halten sind.

Man kann dies als wirtschaftlichen Amoklauf der Sozialstaaten sehen. Der Gipfel dieses Amoklaufs der Gutemenschen ist die deutsche und schwedische “Willkommenskultur”  deren Gipel die Grenzöffnung durch Angela Merkel im Herbst 2015 war. Man bedenke, dass es sich hier um die massenhafte Aufnahme von Menschen aus Ländern und Kulturen handelt, die offensichtlich zu  dumm, zu korrupt, zu einfallslos, zu disziplinlos und zu unfähig waren und sind, selbst Produkte zu entwickeln und herzustellen, mit denen sie am Markt einen für sie akzeptablen realen Geldwert erzielen können. Geld ist wie gesagt das Versprechen auf die Lieferung von Produkten menschlicher Arbeit.

Diese Leute kommen also aus Afrika und dem Orient nach Deutschland und Schweden, weil sie dort an der Verteilung der Überschüsse teilhaben wollen, die ein zunehmend kleiner werdender Teil  fleißiger motivierter und fähiger Deutscher und Schweden nicht zuletzt aus Energie und Rohstoffen aus dem Orient und aus Afrika produziert.

Energie und Rohstoffe sind zwar wesentlich, aber sie sind offensichtlich alleine nicht ausreichend, um Produkte menschlicher Arbeit, also realen Geldwert, in einer Menge zu produzieren, die ein angenehmes Leben ermöglicht2.

Nazis und Energie

Das Gegenteil ist aber auch wahr, wie das Schicksal des Deutschen Reiches im 2. Weltkrieg zeigt. Wie meine Blogbeiträge  Von der Wehrmacht lernen  und Blut für Öl  zeigen, waren die Deutschen ihren Gegnern organisatorisch und technisch klar überlegen. Sogar der Holocaust ist, wie der kanadische Psychologieprofessor Dr. Jordan Peterson in Why Hitler Bathed Even More Than You Think – Prof. Jordan Peterson erklärt, NICHT, wie man oft meint, ein Rückfall in die Barbarei, sondern eher die Folge einer Überdosis an Zivilisation, Gewissenhaftigkeit und Ordnungsliebe.

Die Deutschen sind jedenfalls unter der Führung von Adolf Hitler an Energiemangel und da vor allem an Ölmangel gescheitert, obwohl ihre Zivilsation, ihre Organisation und ihr technologisches Können bis zur Perversion entwickelt war. In einem anderen Redeausschnitt über Hitler und die Nazis irrt Professor Peterson vielleicht etwas: How Hitler was Even More Evil Than You Think – Prof. Jordan Peterson.  D.h. psychologisch hat Peterson vermutlich recht, und gerade dieser Redeausschnitt ist vielleicht auch im Bezug auf Frau Merkel und die heutige deutsche Politik von großer Wichtigkeit. Wie Blut für Öl zeigt, hatte man genug oder sogar zuviele Arbeitskräfte für die Rüstungsindustrie, also genug menschliche Arbeit. Es fehlte eher an Öl, und damit an Energie in ausreichend hochwertiger und konzentrierter Form für den Betrieb der Waffensysteme.  Und man hat, wie ich in Die Torheit der Pflügenden und die Geschichte geschrieben habe, die Massenmorde wahrscheinlich eher wegen einer andernfalls befürchteten Knappheit einer anderen Form des Energiemangels durchgeführt: Energie in Form von Nahrungsmitteln war auch sehr knapp. Wenn man die Leistung und Menge der Energiequellen nicht steigern kann, und daher Energie sparen muss, kann man die Zahl der Verbraucher abschalten. Wenn die Energie Nahrungsmittel und die Verbraucher Menschen sind, und wenn man eine Wiederholung von Auschwitz um jeden Preis verhindern will, dann braucht man eine völlig andere Agrarpolitik als die, die die Frau Merkel in den ersten 12 Jahren ihrer Regierungszeit zugelassen oder sogar gefördert hat.

Der Energieerntefaktor

Im Englischen wird der Energieerntefaktor als EROI (Energy Return on Investment) oder EROEI (Energy Return on Energy invested) ausgedrückt. Es geht dabei darum, dass für die Gewinnung von Energie Energie aufgewendet werden muss. Egal ob man ein Wasserkraftwerk oder eine Windkraftanlage baut, nach Erdöl bohrt oder Kohle abbauen möchte, man muss Energie aufwenden, um eine Anlage zur Energiegewinnung herzustellen, zu betreiben und später zurückzubauen.

Zunächst wird man die am einfachsten zugänglichsten, am wirtschaftlichsten nutzbaren Möglichkeiten nutzen.  Bei nicht erneuerbaren Rohstoff- und Energiequellen wird der Energieaufwand mit der Zeit immer höher. Das heißt, man muss immer mehr investieren und aufwenden.

Die folgenden Grafiken habe ich dem am 25. Februar 2014 veröffentlichten Artikel Beginning of the End? Oil Companies Cut Back on Spending von Gail Tversberg entnommen:

Die Grafik zeigt die Entwicklung der globalen Röholproduktion. Bis etwa 1972 steigt die Kurve beständig an. Von 1972 bis etwa 2004 steigt sie insgesamt unregelmäßiger und langsamer. Ab 2004 ist die Produktion ungefähr gleichbleibend.
Die graue Linie zeigt die Ölproduktion der großen Ölfirmen, deren Aktien öffentlich gehandelt werden, in Millionen Barrel pro Tag. Die rote Linie zeigt die Investitionen dieser Firmen (Capex = Capital Expenditures). Wie man sieht, fällt die Ölproduktion dieser Firmen seit 2007, obwohl die Investitionen weiter steigen.
Diese Grafik zeigt die Investitionen pro Barrel gefördertem Öl. Von 1985 bis 1999 sind diese jährlich um 0,9 % gestiegen. Von 1999 bis 2013 sind sie jährlich um 10,9 % gestiegen.
Diese Grafik zeigt, dass der Gipfel der konventionellen Ölproduktion 2005 erreicht wurde.

Wie Chris Martenson, der sich mit dem Thema sehr befasst hat, zum Beispiel in dem Podcast Jeffrey J. Brown: Hurricanes & US Oil Production am 31. August 2017 wieder erklärt hat, hat die amerikanische Fracking-Industrie bis heute keine Gewinne gemacht. Die Ölförderungen, die mit dem Fracking möglich wurden, bringen also systematisch weniger ein als sie kosten.  Anderseits erklärt Jeffrey Brown, dass die Zunahme der Ölimporte Chinas und Indiens nur durch die per Fracking ermöglichten Fördermengen ausgeglichen werden konnten. Ohne das unwirtschaftliche, nur durch billige Kredite mögliche Fracking in den USA wäre das für Länder wie Deutschland, Griechenland, Italien, Frankreich usw. auf dem Weltmarkt verfügbare Erdöl knapper und damit wohl auch teuer geworden.

Auswirkung des Ölmarktes auf die Wirtschaft

Ich kann mich gut erinnern, dass in den 90er Jahren einmal in der FAZ stand, dass ein Ölpreis von 40  $ pro Barrel die Wirtschaft ruinieren würde. Heute ist der Ölpreis höher.

Wie eingangs erklärt, ist es nun mal so, dass billiges Öl zumindest manchen besonders begabten, ideenreichen, fleißigen und gut ausgebildeten Menschen in manchen Ländern, die Möglichkeit gibt, extrem viele reale Güter und Leistungen mit minimalem Aufwand an menschlicher Arbeit zu produzieren. Wenn nun immer mehr Energie und auch immer mehr Verstand, Begabung und menschliche Arbeit für gleichviel oder sogar für immer weniger Öl aufgewendet werden muss, dann sinkt die Menge der realen, für Konsum, soziale Wohltaten, Willkommenskulturen usw. verfügbaren Energie und Geldmenge.

Genialität, Wissen und gute Ausbildung reichen nicht

Genialität gute Ausbildung, Unternehmertum usw. könnten, wie das Beispiel der Wehrmacht gezeigt hat (Blut für Öl und Von der Wehrmacht lernen) einen Mangel an hochwertiger Energie in Form von Öl nur sehr bedingt ausgleichen. Das Scheitern der Wehrmacht war insofern das Vorspiel im großen Theaterstück der Geschichte von der Industriellen Revolution,  das das Scheitern der Westlichen Industriestaaten und eben auch der Bundesrepublik im nächsten Akt zu bringen verspricht.

Steigende Komplexitätskosten

Große Organisationen und Staaten haben die Tendenz zunehmend komplexer zu werden. Ein Mehr an Komplexität (Regeln, Gesetze, Institutionen) bringt zunächst einen großen Vorteil. Komplexität verursacht aber auch reale Kosten in Form von menschlicher Arbeit, Energie, Rohstoffen, Umweltverschmutzung usw.. Mit zunehmender Komplexität steigt der Aufwand für die Erhaltung und Vergrößerung der Komplexität. Irgendwann wird dann der Punkt erreicht, ab dem die Kosten für die weiteren Steigerungen der Komplexität größer als der damit erreichbare Vorteil ist. Von diesem Punkt führt ein “weiter wie bisher” unweigerlich zum  Zusammenbruch der betroffenen Organisation oder Gesellschaft.

Wenn man derzeit noch in Deutschland, sehr viel, sehr billige und zugleich sehr hochwertige Energie zur Verfügung hat, dann kann man sich längere Zeit eine weitere Steigerung der Komplexität leisten.

Steigerungen der Komplexität werden nicht nur durch ein mehr an Regeln, Gesetzen und Instiutionen verursacht, sondern auch durch steigende Bevölkerungsdichte, steigende kulturelle Vielfalt (Multikulti), steigende ethnische Vielfalt, steigende Anzahl der möglichen und zu berücksichtigenden Geschlechter und steigende Verschmutzung der Umwelt.

Am Ende wird man die Komplexität entweder mit Verstand bewusst und kontrolliert reduzieren, oder aber sie reduziert sich sozusagen  selbstständig durch Bankrotte, Kriege oder/und andere Katastrophen. Das heißt, man wird sich des Problems rechtzeitig bewusst und wählt freiwillig und rechtzeitig eine bewusste Reduzierung der Komplexität, oder man wird in Form eines Kollapses, Bankrotts, Krieges usw. zur Reduzierung der Komplexität gezwungen. Eine solche erzwungene Reduzierung der Komplexität kann extrem schrecklich werden. Sie kann zur vollständigen Vernichtung führen und damit einen Absturz weit unter das Komplexitätsniveau erzwingen, auf dem eine Stabilisierung durch kontrollierte Komplexitätsreduzierung möglich gewesen wäre.

Der Psychologieprofessor Dr.  Jordan Peterson hat auch dazu, eine sehr interessante, auf der archetypischen Erzählung des Turmbaus zu Babel aufbauende Erklärung3Not too big too fail, but so big it will certainly fail, or so big it should fail….  (dt.: [es hätte bei der Finanzkrise 2008 im Bezug auf die Banken oder auch das Finanzsystem heißen sollen] “nicht zu groß um bankrott zu gehen, sondern so groß dass sie/es sicher bankrott gehen müssen, oder so groß, dass sie bankrott gehen sollten …..”).

Zum Thema Komplexität möchte möchte ich hier auch auf Kollaps komplexer Gesellschaften – Interview mit Prof. Dr. Joseph Tainter und auf Dem Energiedilemma auf den Grund gegangen auf meiner Webseite hinweisen. Womit ich beim nächsten Punkt bin

Sinkender Wirkungsgrad von Forschung und Entwicklung

Als ich 2014 das Buch Drilling Down: The Gulf Oil Debacle and Our Energy Dilemma gelesen habe, war es für mich neu und eine Art Schock, aber die Erklärung ist logisch und die Daten bestätigen es:

Forschung und Entwicklung werden mit der Zeit immer ineffizienter.

Das heißt, bei gleichbleibendem Aufwand wird der Ertrag von Forschung und Entwicklung immer geringer.

Selbst wenn man “nur” einen gleichbleibenden Ertrag von Forschung und Entwicklung haben wollte, würde man einen exponentiell steigenden Aufwand an Kapital und Personal benötigen.

Siehe auch dazu  Kollaps komplexer Gesellschaften – Interview mit Prof. Dr. Joseph Tainter und auf Dem Energiedilemma auf den Grund gegangen.

Wenn man sich dieses Effektes nicht bewusst ist, wird man im Bezug auf die Rückzahlbarkeit von Krediten und auch im Bezug auf die Entwicklung der Renten und der Gesellschaft insgesamt zu falschen, viel zu optimistischen Schlüssen kommen und sehr üble Überraschungen erleben.

Bodenverschlechterung und Bevölkerungswachstum

Es gehört nicht unbedingt zum Thema Finanzsystem, aber wenn man über die Zukunft und die Finanzen nachdenkt, sollte man unter anderem auch die weltweite Verschlechterung der Bodenqualität, zunehmende Probleme im Bereich Wasser und das Bevölkerungswachstum nicht vergessen. Die folgende Weltkarte hatte ich schon in Weltweite Verschlechterung der Bodenqualität eingebunden. Man beachte, dass es keine Kategorie Bodenverbesserung gibt, obwohl eine Verbesserung der Böden sehr wohl wirtschaftlich möglich wäre, wie ich z.B. mit Artikeln wie Abschlussvortrag der Grassfeedexchange 2016, Gleicher Boden, verschiedenes Management und  Können wir unsere Böden wirklich regenerieren? gezeigt habe.

Quelle: http://www.grida.no/graphicslib/detail/degraded-soils_c4c4

Zum Thema Wasser und Wachstum der Weltbevölkerung siehe  Weltbevölkerung, Wasser und Wintergemüse, wo u.a. eine sehr gute Animation zur Visualisierung des Bevölkerungswachstums eingearbeitet ist,

Fazit – Zusammenfassung

Ich habe anfangs versucht, den Wert von Benzin als Mittel zur Steigerung menschlicher Leistungsfähigkeit zu erklären.

Die Zentralbanken können jede Menge virtuelles Geld “drucken” und in Form von billigen Krediten oder Anleihenaufkäufen in den Markt drücken, aber das wird die Menge des realen Kapitals nicht steigern. Reales Kapital wird letztlich durch menschliche Arbeit produziert. Hochwertige Energie, vor allem in Form von Erdöl ist, wenn ihr Preis gering und die verfügbaren Mengen groß sind für entsprechend begabte und ausgebildete Menschen ein extrem wirksamer Verstärker der menschlichen Arbeitsleistung.

Verschiedene Faktoren, sinkende Nettoenergiegewinne,  postmodernisch-linke Politik, steigende Komplexität der Gesellschaft und sinkende Effizienz der Forschung wirken sich negativ auf die Produktion von realem Kapital aus.

Eine Gesellschaft kann damit in einen Bereich kommen, in dem sie von ihrer Substanz lebt. Der amerikanische Autor und Blogger John Michael Greer hat das in seinem Essay How Civilizations Fall: A Theory of Catabolic Collapse 2005 sehr gut erklärt.

Die Folgende Grafik, aus einem Vortrag von Nate Hagens, die ich schon in meinem Blogbeitrag Energie und Geld verwendet hatte, zeigt das Problem ebenfalls sehr gut.

GDP = Globales Bruttosozialprodukt, Global Debt = globaler Schuldenstand

Wie man sieht, ist das globale Bruttosozialprodukt, also der pro Jahr gelieferte Gegenwert menschlicher Arbeit, in den 14 Jahren von 2000 bis 2014 um 16 Billionen Dollar gewachsen. Der globale Schuldenstand, also die Summe der eingegangenen Versprechen auf die künftige Lieferung menschlicher Arbeit, ist dagegen in der gleichen Zeit von 87 auf 112 Billionen Dollar, also um 112 Billionen Dollar gewachsen. Die Schulden betrugen im Jahr 2000 das 2,12-fache der jährlichen Wirtschaftsleistung.  Im Jahre 2014 betrugen sie das 3,49-fache der jährlichen Wirtschaftsleistung.  Es wurden also immer mehr Versprechen auf die Lieferung künftiger Arbeitsleistung eingegangen, obwohl die Förderung des als Verstärker für die Fähigkeit zur Lieferung menschlicher Arbeitsleistung extrem wichtigen Öls seit 2004 nicht mehr gesteigert werden konnte.  Dabei stiegen die Investitionen in die Ölförderung seit 2000 jährlich um 10,9 %, während sie in den 15 Jahren von 1985 bis 1999 nur um 0,9 % jährlich gestiegen waren.

Für die Zukunft Westeuropas und Deutschlands bedeutet das alles nichts Gutes.

Hilfreich im Bezug auf die psychologischen Aspekte zur Vorbereitung der Bevölkerung und des Führungspersonals auf das, was kommt könnte der Vortrag  Biblical Series VII: Walking with God: Noah and the Flood (dt.: Bibel-Serie VII: Wandern mit Gott: Noah und die Flut) von Prof. Dr. Jordan Peterson, vom 18. Juli 2017, sein.

Kelberg, den 20. September 2017

Christoph Becker

 

 

 

 

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  1.  https://de.wikipedia.org/wiki/Motorenbenzin  

  2. siehe dazu auch Die Grundlagen der Westlichen Werte  

  3. google mit Jordan Peterson to big to fail  

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15 Gedanken zu „Über den Finanz-Tsunami“

  1. Vielen Dank für die klasse Aufarbeitung.
    Der direkte Zusammenhang zwischen Energie und Geld ist den wenigsten Menschen bewusst.
    Auch die drohende Gefahr des Falls des EROI unter die Wirtschaftlichkeit und damit der Einstellung der Förderung wird einfach ausgeblendet. Allgemeiner Tenor ist: Öl wird es noch ewig geben.

    Eine sehr gutes Buch dazu ist auch “The end of more” von Norman Pagett:
    https://www.amazon.de/End-More-resources-humankind-unsustainable/dp/095760792X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1505936887&sr=8-1&keywords=norman+pagett

    Er bringt auch so ein Beispiel zum Preis/ Wert von Energie:
    Mit einer Gallone Sprit kommt man mit dem Auto ca. 30 Meilen weit- das Äquivalent wären 500 Mannstunden physische Arbeit. Für den Rückweg sind nun 50 Mann à 10 Std. zu rekrutieren. Aktuell kostet eine Gallone 2,50$- geteilt durch 500 sind 0,5 ct. pro Stunde und Mann- oder 5 ct. pro Mann und 10 Std.Tag.
    Und wir verschwenden dieses Geschenk hemmungslos……….
    Müssen wir ja, sonst gibt es kein Wachstum und unser Finanzsystem bekommt ein Problem…………….

  2. Tja,

    das Spiel ist relativ aus….schön jedoch CB , das DU noch die Energie findest weiter darüber zu bloggen!

    @Grete: Hier: http://limitstogrowth.de/2016/11/26/buchempfehlung-the-end-of-more/ gibts noch eine deutsche Zusammenfassung des Buches

    Und hier: http://limitstogrowth.de/2017/09/20/summer-academy-des-club-of-rome-gastbeitrag/ Impressionen von der Summer-Academy des CoR – sieht nicht so gut aus.

    Ich stimme Norman, etc. pp zu – die Sache ist durch – die Frage ist für mich nur noch wie lange wir noch auf dem Plateau (BAU) verweilen. Ich selber nehme dann ein Seneca-Cliff nach Bardi an. Andere nennen es Catabolic Collapse…. eine Long Emergency nach Kunstler – mit Rückfall in eine eher idylische “World Made by Hand” sehe ich eher als unrealistisch an – dies würde eine massivste Kooperation der Menschen bedingen… ich denke jedoch das dafür die Menschen mehr als schlecht vorbereitet sind – zumindest in Deutschland und den
    Ballungsgebieten der USA.

  3. Danke für die gute Erklärung und die treffenden Kommentare.
    Ich selbst habe mich, nach jahrelangem Versuch die Menschen über unsere Situation aufzuklären, dazu entschlossen diese wohl sinnlosen Bemühungen aufzugeben, wobei ich selbstverständlich das Geschehen intensiv weiter verfolge.
    Wen es interessiert (wenn nicht: auch gut) hier beispielhaft ähnliche Artikel zum Energieproblem und zum Finanzsystem, die ich bei “Dorfling” verfasst habe:

    http://dorfling.de/index.php/component/content/article/26-dorflinger-blog/747-mathepeter

    http://dorfling.de/index.php/home/dorflinger-blog/beitraege-von-dorflinger/579-gedanken-eines-rentners-zum-aktuellen-geschehen

    Auch die hier schon mehrmals erwähnte Studie der Hills Group (EReOI) erweist sich für mich immer mehr als zutreffend. Öffentlich dazu etwas geschrieben habe ich aber nicht, es lohnt nicht.

    Macht es wie Herr Doktor hier (Danke für die Seite) und und minimiert euren Beitrag für das herrschende Schweinesystem, spart eure Kräfte für euch, um bewußt und fröhlich zu leben, trotz der Tatsache, dass ich der Menschheit bereits mittelfristig keine guten Chancen einräume. Für die Natur und unseren wunderbaren Globus wäre es vermutlich sogar das Beste, da die Bestie Mensch wohl eine Fehlentwicklung der Natur ist.

    Alles Gute an alle Menschen die noch in der Lage sind, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen.

    Peter
    aus dem tiefsten Süden des Landes

    — 
    Grundgesetz Artikel 5 Absatz 1 und 3
    (1) „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

      Carpe Diem!
    Was auch immer das dominierende “Böse” unseres einzigartigen und wunderbaren Globus mit uns vor hat:
                        Bleiben wir menschlich und anständig!

    whatever the ruling evil on our unique, precious and most wonderfull planete plans and will do with us,
    let’s stay decent and human

  4. Es nutzt nichts Menschen aufzuklären. Die meisten Menschen spüren längst, dass unser System aus dem Ruder läuft.

    Die Menschen brauchen allerdings eine Alternative zu ihrem derzeitigen Lebensstil. Eine solche Alternative hat z.B. ein Dänischer Nuklearphysiker vorgeschlagen in seinem Blog http://earlyretirementextreme.com/. Diese Bewegung hat bereits große Kraft gewonnen und es gibt unzählige Nachfolge Blogs und Modelle, insbesondere in den USA, die ähnliches Lebestil propagieren.
    Der Wandel findet unten und nicht oben statt. Und es wird wie immer den Pareto-Gesetzen folgen, d.h. die ersten 20 wird die letzten 80 beeinflussen.

    Was sicher keine Alternative ist ist die AFD. Man muss sich nur die Fertilitätsrate der Funktionäre dieser Partei anschauen um zu verstehen, dass sie Rezepte aus dem 20 Jahrhundert vorschlagen, die aber nicht mehr gereifen werden.
    Perty und Prezel haben zusammen 8 (oder 9?) Kinder, wie soll man dann Afrikanern erklären, dass sie es auch nicht dürfen.

  5. Der beschriebene Wandel von unten nach oben hätte vielleicht Erfolg gehabt, wenn damit vor mindestens 50 Jahren (also zu Zeiten der Meadows Studie: Grenzen des Wachstums) begonnen worden wäre. Gleichzeitig hätte die Zahl der Menschen global auf maximal 2 Milliarden beschränkt werden müssen.

    Ab 1989 gab es die letzte Chance für eine Schnellbremsung, die bereits damals wohl nur geringe Chancen gehabt hätte. Nachdem eine Weltmacht friedlich kapituliert hatte, hätte die verbliebene Weltmacht die Chance gehabt, auf dieser Erde eine gemeinsame und gerechtere Zukunft wenigstens zu versuchen und – nach umfassender Aufklärung der Menschen -vor allem das verheerende auf unendlichem Wachstumszwang basierende Wirtschaftssystem in einer endlichen Welt abzuschaffen. Auch oder gerade mit viel weniger materiellem Wohlstand (zum größten Teil ohnehin nur Schund und Tand) hätte die ganze Menschheit wenigstens eine kleine Chance auf ein erfülltes Leben gehabt.

    Genau das Gegenteil wurde jedoch gemacht. Ich halte mich hier extrem zurück, näher ins Detail zu gehen.

    Heute befinden wir uns vergleichbar auf einem voll gefüllten Kreuzfahrtschiff, das mit hoher Geschwindigkeit bei Nacht auf einem gigantischen Eisberg zusteuert, der gerade noch 200 m weit entfernt ist. Die Führungscrew hat die Katastrophe schon längst bemerkt und gab der Bordkapelle Anweisung, mit voller Kraft das Publikum zu unterhalten. Zwischenzeitlich wurden die wenigen Rettungsboote für die Führungscrew unbemerkt bereits gesichert.
    Reinhard Mey hat die Situation der Menschheit wohl schon vor vielen Jahren erkannt:
    http://www.songtexte.com/songtext/reinhard-mey/das-narrenschiff-23da04d3.html

    Es gibt heute – nach meiner bescheidenen Meinung – aufgrund der gigantischen Größe und Komplexität des Problems nur noch die Lösung Crash.
    Wann und wie dieser eintreten wird, keine Ahnung. Als bereits “älterer Mensch” hoffe ich, dass es noch einige Jahre oder vielleicht ein Jahrzehnt gut geht. Es kann aber auch schon morgen so weit sein.

    Die Weltbevölkerung erhöht sich alle 4 Tage um eine weitere Million. Selbst wen alle 80 Millionen unserer ehrbaren Republik einen Verhungernden dieser Erde aufnehmen würden, würde dies nicht einmal dem Bevölkerungszuwachs eines Jahres entsprechen. Das reale Wirtschaftswachstum das notwendige wäre, um allein die bereits lebenden Menschen zu ernähren, bricht – aufgrund des dramatisch sinkenden EReOI bei der Ölförderung – aber bereits mittelfristig (Jahre, allenfalls ganz wenige Jahrzehnte) völlig zusammen. Jeder Aufschub heute erhöht nur die Fallhöhe.

    Am Schluss wird umfassender Mord und Totschlag stehen, in jeder Form (Staaten und Einzelpersonen). Alles was wir bis jetzt erleben, ist nur das erste leichte Lüftchen.

  6. Ich hoffe, dass der Zusammenbruch in Europa nicht so heftig ausfallen wird.
    Persönlich rechne ich für Europa mehr mit einem Zusammenbruch alá Sovietunion: Zunehmende Mangelwirtschaft. Jetzt gibt es schon Mangel an Wohnraum. Dann werden andere Mängel dazukommen: Mangel an Fleich, Mangel an Benzin, Mangel an Butter etc.
    Es wird sich rege Barter-Wirtschaft entwickeln. Mafia wird in Erscheinung treten.

    Die Sterblichkeit bei älteren Menschen wird dramatisch ansteigen. Insbesondere in Pflegeheimen.

    Auch in den Krippen für Kinder. Die Krippen Kinder sind angewiesen auf Antibiotika, sonst überleben die Kinder in der Krippe nicht. Antibiotikaresistenzen breiten sich aber rasant aus. Das wird Kindersterblichkeit erhöhen.

    Alkoholismus und Drogenmisbrauch wird steigen. Mehr Männer werden zu Alkoholiker. usw

    1. Hoffen wir es für uns und die Menschen in Westeuropa und Deutschland! ich wäre froh, wenn es “nur” so kommen würde.

      Es gibt allerdings viele “gute” Grunde, dass wir in dieser Republik in vielerlei Hinsicht im Zentrum des Geschehens sein werden. Ich werde auch hierzu nicht näher eingehen.

      Zum ERoEI von Photovoltaik hier noch ein interessanter Beitrag/Link, den ich im “Gelben Forum” heute früh gefunden habe:

      Beginn Zitat:
      “Energy Return on Energy Invested (ERoEI) for photovoltaic solar systems in regions of moderate insolation
      verfasst von Diego2, 26.09.2017, 22:15

      Hier eine recht aktuelle wissenschaftliche Studie aus der Schweiz, die klar belegt, dass energetisch gesehen Photovoltaik zumindest in unseren Breiten ein Verlustgeschäft ist:

      http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421516301379#s0095

      Ende Zitat

      Selbst war ich über Jahrzehnte professionell auf dem Gebiet Strom- und Energiewirtschaft tätig. Nicht zuletzt deshalb war mir schon immer klar, dass Photovoltaik und Windstrom ( Die sogenannten “Erneuerbaren” sind nichts als ein Ölderivat) nach derzeitigem und absehbarem Stand, nicht in der Lage sein werden, unsere Zivilisation oder auch nur das Überleben zu sichern, wenn die endlichen billigen fossilen Energieträger nicht mehr zur Verfügung stehen.
      Bei Öl sind wir kurz davor.

      http://dorfling.de/index.php/home/dorflinger-blog/beitraege-von-dorflinger/780-energiewende-und-enkel-generation

      Tatsächlich sind in unseren Breiten Photovoltaik und Windstrom über eine Betriebszeit von 30 Jahren eine Energiesenke.

    2. @Kate

      Durch das abreißen internationaler Lieferketten kann das alles viel schneller viel schlimmer werden: http://www.feasta.org/wp-content/uploads/2012/10/Trade_Off_Korowicz.pdf

      “Alkoholismus und Drogenmisbrauch wird steigen. Mehr Männer werden zu Alkoholiker. usw”

      Das habe ich nie verstanden… kostet Ressourcen und löst keine Probleme. In meinem ganzen Leben habe ich immer versucht Probleme ursachen und Lösungsorientiert anzugehen. Wie ich Probleme mit einer Verschlechterung bzw. körperlichen Zerstörung (Alkohol & Drogen) lösen sollte – ich weiß nicht wie man auf diesen Pfad oder Trichter kommen kann….

  7. @Ert. Das mit Drogenmisbrauch und Alkoholismus ist aber leider meistens so. In den USA übersteigen bereits jetzt die Sterbezahlen wegen Drogenmissbrauch die Sterbezahlen wegen Autounfällen.

    @ Peter Arnold
    Danke für die Links. Es sieht wirklich nicht gut aus. Allerdings, von dem was ich bisher gelesen habe, würde man es in Europa schaffen den Lebensstandard des frühen 20. Jahrhunderts zu halten. Das wäre noch in Ordnung.

  8. @Alle:
    Ich habe ja auch lange gehofft, daß wir irgendwie doch eine halbwegs ‘sanfte’ Landung schaffen, aber…

    1.Ohne Öl läuft nunmal in unserer Wirtschaft fast nichts.

    2.Wenn nach ETP der ERoEI in naher Zukunft auf und dann unter 0 fällt, dann könnte man theoretisch:
    2.a: das unverzichtbar nötige Öl durch Energiezufuhr aus anderen Quellen – Gas, Kohle, Kernenergie… – fördern, verarbeiten, transportieren, aber…

    3.Auch die Förderung von Gas und Kohle und ebenso die Kernenergie und der ganze Rest hängt von verfügbarem Öl ab…

    4.Natürlich könnte man unsere gesamte Wirtschaft entsprechend umbauen, damit sie auch mit Gas, Kohle, Strom funktioniert… dazu braucht es aber:
    4.a: Energie
    4.b: Geld und ein funktionierendes Finanzsystem
    4.c: viel Zeit – laut Hirsch-Report mindestens (!) 10-20 Jahre

    Was zu dem Schluss führt:

    5.Wenn wegen Nettoenergieausbeute = 0 kein Öl mehr:
    5.a: keine Kohle mehr
    5.b: kein Gas mehr
    5.c: kein Strom mehr

    ===> Ende unseres Wirtschaftssystems… und das vermutlich sehr sehr schnell…

    1. @Kate:
      Ich habe bisher leider noch kein überzeugendes Argument gegen das ETP-Modell gehört.

      Wie ‘nebenan’ im Wallstreet:Online Peak-Oil-Thread berechnet wurde, ist Kohle und Gas schon als ‘Energiesubvention’ bei der heutigen Ölförderung mit drin, d.h. ohne die sähe es da jetzt schon wesentlich finsterer aus.

      Und wenn erstmal Ende ist mit Öl, dann gibt’s halt auch kein bzw. kaum noch Gas oder Kohle wie oben kurz erklärt.

      Das ETP-Modell ist sicher nicht perfekt und erklärt nicht alles, aber ich denke es ist gut genug um daraus auf die Zukunft schliessen zu können…

  9. @Kate

    Nur, das die Kritik bei Ugo, bzw. die die er zitiert auch nicht gerade tief geht und ebenfalls viele Fehler hat.

    Das Kernproblem beim ETP ist indes das es nur auf Öl, jedoch nicht auf Öl, Gas und Kohle als Gesamtheit der fossilen schaut. Aber ggf. reicht der Kollaps bei öl schon aus.. und einiges der Förderung geht nur wegen 0-Zinsen und massiver Bilanzschönung…. Kredite die nie wieder einer zurückzahlen wird…. Puff und das Geld ist weg…

    Eine Person die so stark mit dem CoR verbunden und in der Öffentlichkeit steht wie Ugo ist kann einem ETP-Modell nicht öffentlich zustimmen – selbst wenn der annehmen würde das es halbwegs korrekt ist. Das ist zumindest meine Sicht auf die Dinge…

  10. Zum Thema Öl habe ich noch einmal verschiedene Grafiken aus zwei Artikeln in https://www.freizahn.de/2017/09/grafiken-zum-thema-oel/ zusammengefasst.

    In der ganzen Diskussion vermisse ich etwas das Thema Krieg. Mein Artikel über die Kriegsindizes ist eine größere Baustelle, mit der ich immer noch nicht fertig bin. Zunächst muss ich dazu nun noch etwas über Noahs Fluch und den Turmbau zu Babel schreiben – zwei, wie Jorden Peterson gezeigt hat, für unsere Zeit sehr relevante Geschichten, die meines Erachtens beide auch wieder mit den Themen Energie, Öl und Krieg verknüpft sind.
    Zum Thema Kooperation der Menschen war Peter Turchins Buch Ultrasociety: How 10,000 Years of War Made Humans the Greatest Cooperators on Earth sehr lehrreich. Krieg und Katastrophen sind für die kulturelle Evolution wichtig, weil sie die innergesellschaftliche Kooperation verbessern bzw. erhalten. Frieden zerstört diese, weil Trittbrettfahrer und “Taschendiebe” in Friedenszeiten und auch bei nur kleinen Kriegen einen evolutionären Vorteil haben.
    Der kulturevolutioinäre Hintergrund für die Entstehung großer Religionen war wohl, dass man damit verschiedene Stämme und Ethnien zum Krieg gegen gemeinsame Feinde vereinen kann.

  11. Ein sehr wichtiger aber auch ein sehr sensibler Punkt. Aus diesem Grund habe ich dies auch ein wenig umschrieben.

    Sensibel beispielsweise weil:
    • Wir menschlichen Individuen uns dann eingestehen müssen, daß wir nur ein winziger, sehr flüchtiger und disponibler Teil eines uns nicht bewußten aber real stattfindenden gigantischen Evolutionsprozesses (mystisch ausgedrückt: wir sind vielleicht noch mitten im göttlichen Schöpfungsprozess oder wir befinden uns gerade alle im Übergangsstadium Fegefeuer, wer weiß) sein könnten. Es könnte deshalb durchaus sein – da ein Großer Krieg oder in den s.g. zivilisieren Staaten auch bereits nur größere Unruhen oder kleinere konventionelle Kriege – heute mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine großflächige, umfassende nukleare Katastrophe auslösen wird, dass die Menschheit von der Evolution entweder als Fehlentwicklung ganz ausgelöscht wird oder eine Chance zu einem Neustart (Zurück auf Null) bekommt.
    • Es auch durchaus sein könnte, dass das kommende Geschehen vor allem die durch 60 Jahre Wohlstand und Gehirnwäsche völlig degenerierten Völker auslöscht und durch andere ersetzt, die sich – auch durch ihre Religion – noch ein „natürliches“ (im Sinne der realen und von der Natur/Gott gegebenen Evolution) Bewußtsein des stattfindenden Evolutionsprozesses erhalten haben. Auch aus diesem Grunde sehe ich das bei uns stattfindende Geschehen immer mehr als etwas natürliches und Gott gegebenes an. Menschliche Gesellschaften, die völlig vergessen haben, dass wir wahrscheinlich nur Teil eines Evolutionsprozesses sind, werden von der Evolution dann eben zu Recht weg gefegt.
    • Die Vorstellung, die die weit überwiegende Mehrzahl der Menschen in diesem Land hat, ist wohl, dass wir mit unserer Haltung ein positives Beispiel geben, an dem sich die Welt ausrichten wird und in die richtige Richtung führt. ich wünsche mir zutiefst, dass dies so ist und diese recht haben werden. Es wäre zu schön. Dies ist als kindlicher Wunsch auch allzu verständlich, tatsächlich aber glaube ich, dass es zutiefst naiv und selbstzerstörerisch ist. Um dies zu ahnen, braucht man sich eigentlich nur die menschliche Geschichte der letzten 100 Jahre oder die reale Situation und Gegebenheiten der heutigen Welt mit offenen Augen und klarem Verstand anschauen. Dabei müssen wir uns auch immer wieder klar machen, dass wir den Blick auf das Geschehen auf dieser Erde nur durch einen uns erlaubten kleinen Ausschnitt erhalten, wobei zudem noch eine Verzerrungs Linse eingebaut ist,
    • Gerade in Bezug auf Krieg sind wir in unserer Gesellschaft besonders sensibel und voll mit Schuldgefühlen. Aber dies ist ein anderes und wirklich nur mit äusserster Vorsicht zu behandelndes Thema, da unsere Gesellschaft völlig ahnungslos ist, welches die wahren Ursachen dieser furchtbaren, zutiefst katastrophalen und unmenschlichen Geschehnisse sind und welche höchst glaubwürdigen Institutionen alle dabei zielgerichtet mitgewirkt haben, um die Geschichte in diese Richtung zu treiben. Auch damals – egal ob 1910 oder 1930 – hat der normale Bürger faktisch keinerlei Chance gehabt, diese Entwicklung zu verhindern. Sehr viele ehrbare und seriöse Menschen haben dazu auch viele, viele ausführliche Bücher geschrieben, die es heute noch gibt. Es ist jedoch ggf. Sache des Einzelnen, sich kundig zu machen (dabei werden möglicherweise viele Illusionen platzen, wie Gesellschaften und insbesondere unsere westlichen Demokratien tatsächlich funktionieren).
    • Wer den „Seelenfrieden“ behalten will, glaubt weiterhin besser an das, was gelehrt wird und lässt die Finger von eigenen weiteren Recherchen. Unabhängig davon sollte wirklich jeder Einzelne niemals vergessen, welches unendliche Leid durch Krieg (auch im Moment werden auf dieser Erde eine Unzahl von Kriegen geführt, die kaum ins Bewußtsein der Menschen dringen) entsteht und seinen Beitrag dazu leisten – so wie er kann und dies versteht – dass dies sich nicht wiederholt, egal wo auf unserer verletzlichen Erde.
    Dass die menschliche Existenz jedoch wohl nur ein ganz winziger Teil einer langfristigen Entwicklung (Evolution, Schöpfungsgeschichte usw. ) ist, kann man sich an folgendem Gedankenmodell klar machen:
    Die Geschichte des Universums (nach gegenwärtiger Forschung ca. 15 Milliarden Jahre) wird auf 80 Jahre (menschliche Lebensdauer) herunter gebrochen. Die menschliche Geschichte nimmt daran gerade 4 Minuten ein, die einzelne menschliche Existenz ist nur ein kurzer Lichtblitz, da gibt es noch viel Platz für von uns kleinen Menschlein nicht wahrnehmbare übergeordnete Evolutionen. Dabei spielt leider wohl auch der „Krieg“ eine Rolle als Evolutionstreiber, wobei ich nicht an den dadurch hervorgerufenen Fortschritt in Technik und Wissenschaft denke.
    Wir Menschen glauben ja immer, dass die Erde und die menschliche Existenz in einem stabilen Zustand ist. Deshalb auch der mit Erfolg propagierte Wahn, das Erd-Klima aufhalten!!! zu wollen, das – außer durch den Menschen (Global Denken: CO2 Vermeidung bei uns letztlich durch Verlagerung der Produktion und des Schadstoff Ausstoß nach China, wie bei der Photovoltaik. Dies gibt uns „nur“ ein gutes Gefühl und andere profitieren massiv davon) durch Dinge beeinflußt wird wie Sonnenflecken, Präzision der Erdachse usw. usw. und sich auch in der Vergangenheit schon immer extrem geändert hat, ohne Zutun des Menschen. Dass dies der Mensch nicht begreift, liegt vor allem daran, dass die menschliche Existenz im Verhältnis zu den Zeitkonstanten einer sich laufenden verändernden Erde, uns einen quasi stabilen Zustand über unsere sehr begrenzte Lebensdauer vorgaukelt.

    Richtig dagegen ist, dass der Mensch innerhalb kürzester Zeit dabei ist, die menschlichen Lebensgrundlagen gründlichst und unwiderruflich zu zerstören (die Ozeane sind teilweise nur noch Müllkippen und auch radioaktiv verseucht, der fruchtbare Boden nimmt rasant ab und wird durch die industrialisierte Landwirtschaft endgültig zerstört, ohne billige fossile Energieträger und die damit ausfallende energieintensive Düngung, ist die Versorgung der Menschheit mit ausreichend Lebensmitteln in Zukunft ohnehin zerstört).

    Schweifen wir mit unserem Blick dann noch nur in unsere nähere Umgebung, dann stellen wir auch hier sehr viel menschliches Leid, Schicksal und Elend fest.

    Carpe Diem!
    Was auch immer das dominierende “Böse” unseres einzigartigen und wunderbaren Globus mit uns vor hat:
    Bleiben wir menschlich und anständig!

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