Gleicher Boden, verschiedenes Management

Im Folgenden ein Beispiel der  Wirksamkeit von intelligentem Weide- und Bodenmagement, das insbesondere auch Landwirte und Gärtner interessieren dürfte, die schwere Lehm/Tonböden haben.

Gezeigt wird ein Beispiel aus der auf Vimeo verfügbaren Präsentation : Christine Jones, “Part 2: Pasture Cropping.” 2015 Fuller Field School., etwa ab Position [6:36].

Ein Bild aus diesem Beispiel findet man auch in dem Artikel Winona Case Study auf der Internetseite der in Neu-Süd-Wales in Australien liegenden Winona-Farm von Colin Seis.

Es handelt sich bei dem Beispiel um ein Stück Weideland, das der Farmer Harry Seis seinen Söhne vererbt hat. Die Söhne haben das Land durch den auf dem Bild sichtbaren Zaun getrennt. Harry Seis starb im Jahr 1999: www.myheritage.de/names/harry_seis. Der auf dem Bild links des Zaunes liegende, grünere Teil wurde von Colin Seis, dem Inhaber der Winona Farm bewirtschaftet. Dabei wurde das u.a. von André Voisin und Allan Savory entwickelte und propagierte Beweidungssystem (Managed Grassing, “Mobgrazing”, Rationale Grazing) angewendet. Außerdem wurde das von Colin Seis entwickelte “Pasture Cropping” angewendet. Dabei wird auf Weiden mit Sommergräsern im (australischen) Winter mit einer Direktsaatmaschine Getreide eingesät und später im (australischen) Frühjahr geerntet. Auf diese Weise werden die für die Verbessung der Böden wichtige Nutzung der Photosynthese und der Ertrag  maximiert.

Der Bruder von Colin Seis, der die auf dem Bild rechts von dem Zaun befindliche Weide bekommen hat, hat weiterhin so wie der Vater der beiden Brüder bewirtschaftet: Kontinuierliche Beweidung und jährliche Düngung mit der in dieser Gegend üblichen Menge  von über 100 kg/ha Kunstdünger.

Hier noch ein größeres Bild der von Colin Seis mit gemanagtem Beweiden und zeitweisem, per Direktsaat erfolgendem Getreidanbau  genutzten Weide. Man beachte, dass diese Weide seit der etwa 10 Jahre zuvor erfolgten Übernahme NICHT mehr gedüngt wurde. Man beachte auch im Hintergrund das Gras im  Wald:

Hier ein größeres Bild der “konventionell” durch den Bruder bewirtschaften Weide, die jährlich mit der üblichen Menge Kunstdünger gedüngt und kontinuierlich beweidet wurde:

Vergleichende Bodenprobe:

Zunächst wurde auf der rechten, weiterhin “konventionell” bewirtschafteten Weide ein 50 cm tiefes Loch gegraben:

Die dünne Mutterbodenschicht mit dem darunter liegenden Lehm/Tonboden erinnert sehr an den Boden auf dem Grundstück meiner Eltern. Verschiedene Landwirte in meiner Gegend, die ich auf die eine oder andere Methode und Einsicht auf meiner Webseite versucht habe aufmerksam zu machen, haben mit Hinweis auf eben diese Art Boden in unserer Gegend abgewunken und mir erklärt, dass das alles vielleicht anderswo (z.B. im Maifeld, “in Amerika” usw.) mit den dort guten Böden funktioniert, aber eben nicht in unserem, für seinem schlechten und unfruchtbaren Boden bekannten Teil der Eifel. Nun hier ist fast exakt dieser schlechte, unfruchtbare Boden und er wurde dazu auch noch seit Jahrzehnten zuerst von Harry Seis und dann von einem seiner Söhne regelmäßig gedüngt und auf die übliche Weise beweidet.

Und jetzt der Hammer:

Sehen wir uns die Bilder von der Grabung auf der anderen Seite des Zaunes an, wo Colin Seis einige Jahre mit gemanagtem Beweiden1 und zusätzlichem, pfluglosem Getreideanbau per Direktsaat bewirtschaftet hat:

Mutterboden bis in 50 cm Tiefe

Hier nun der Vergleich beider Böden. Zuerst ein Bild mit daneben einer Tabelle mit den Unterschieden im Kohlenstoffgehalt. Darunter sind vergleichende Bilder verschiedener Bodenschichten. Man hat dazu je eine Sektion der Böden genommen und diese nebeneinandergelegt und dies dann eine Kamerafahrt durchgeführt die ich hier zusätzlich verlinke : vimeo.com/150261321#t=534s . Hier nun die Bilder:

In dem Boden auf der rechten Seite wurde in der Tiefe keine Wurzeln und keiner Regenwürmer gefunden. Er war in der Tiefe faktisch tot. Auf der Linken Seit hat man es dagegen bis in 50 cm, wo die Grabung endete, mit Mutterboden zu tun, in dem Wurzeln und Regenwürmer gefunden wurde.

Hier noch einmal das Übersichtsbild mit den Prozentangaben:

Bemerkenswert ist, dass der Unterschied im Kohlenstoffgehalt in der Tiefe bis 40 cm ansteigt. In 30 bis 40 cm Tiefe beträgt er mehr als das vierfache. Eine Schlussfolgerung dieses Vergleichs ist, dass der Kohlenstoffgehalt hier NICHT durch auf der Oberfläche des Bodens aufgebrachtes Material gesteigert wurde, sondern durch die Wurzeln. Wenn man z.B. nur Mulch oder Kompost auf der Oberfläche aufgebracht hätte, und dies die direkte Ursache der Zunahme des Kohlenstoffgehaltes wäre, dann müsste der Unterschied im Kohlenstoffgehalt bei der Probe auf der Rechten Bildseite an der Oberfläche am größten sein und dann mit zunehmender Tiefe abnehmen. Der Unterschied nimmt aber stattdessen in der Tiefe von 20 bis 40 cm zu.

Schlußfolgerung

Auch sehr “schlechte” Ton- und Lehmböden haben das Potential, sehr gute Böden zu werden. Das deckt sich unter anderem mit der Feststellung des schon im 2. Weltkrieg erstmals  veröffentlichten Landwirtschaftsklassikers Plowman’s Folly von Edward Faulkner.

Der Unterschied zwischen guten und schlechten Böden in Gegenden mit “schlechten” Böden ist schon nach wenigen Jahren der Bewirtschaftung nur noch ein Maß für das Können und Wissen der die Böden bewirtschaftenden Landwirte.

Kunstdünger und andere chemische “Wundermittel” sind bei dem Versuch die Bodenqualität zu verbessern ein Hindernis. Ohne Kunstdünger und Chemikalien lassen sich eine bessere Bodenqualität und höhere Erträge erzielen.

Einige hier nicht mehr extra erwähnte zusätzliche Vorteile der so möglichen Verbesserung der Böden sind:

Kelberg, den 6. Juni 2017

Nachtrag 7. Juni 2017:

Per Privatmail kam die Kritik, dass hier nur eine Probe gezeigt wurde, was statistisch/wissenschaftlich zu wenig sei. Dazu Folgendes: Die Winona Farm von Colin Seis, zu der der Teil mit dem guten Boden gehört, ist nach seinen Worten die wahrscheinlich am meisten wissenschaftlich untersuchte Farm in Australien. Siehe auch www.pasturecropping.com/articles. In der Tat tauchen Beispiele von dieser Farm zum Thema Bodenverbesserung auch in anderen Zusammenhängen auf, die noch unglaublicher wirken. Darüber hinaus ist die Farm von Colin Seis kein Einzelfall. Mir fallen eine ganze Reihe Beispiele ein, die insgesamt auch statistisch und streng wissenschaftlich betrachtet überzeugend zeigen und auch erklären dass und warum das oben zu Demonstrationszwecken (und nicht so sehr zu Forschungszwecken!) gezeigte Beispiel mit den Bodenproben, die beide in der Nähe des nun die früher dem Vater von Colin Seis und seinem Bruder gehörende Wiese teilt, durchgeführt wurden, der Realität entspricht – vorausgesetzt es werden die für die Schaffung und Erhaltung gesunder, guter Böden wichtigen biologischen Prinzipien beachtet.

Christoph Becker

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  1. siehe dazu auch meine Blogartikel Ganzheitliches Weidemanagment  und Was würde der alte Deutsche Weidepapst sagen?, sowie Optimierung im Getreideanbau und Hochwasserschutz durch Integration der Mutterkuhhaltung  

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