Weltweite Verschlechterung der Bodenqualität

Bei der Suche nach Antworten auf die Frage, welche Rolle Energie aus Biomasse in Zukunft spielen kann und wie groß die unsichtbare Nutzfläche Deutschlands ist, habe ich unter anderem eine Karte über die weltweite Qualitätsverschlechterung der landwirtschaftlich genutzten Böden gefunden.  Der Artikel zeigt aber auch verschiedene praxiserprobte Gegenmaßnahmen.

In der sehr lesenswerten, kritischen Stellungnahme  zu den Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung von Bioenergie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina  fand ich auf Seite  36, der überarbeiteten deutschsprachigen Version aus dem Jahre 2013,  die folgende Abbildung mit dem in kursiv daneben und darunter stehenden, erläuternden Text:
In der Grafik bedeutet
rot:  stark erodiert, Bodenbildungsrate ist viel kleiner als die Bodenverluste.
ocker: erodiert, Bodenbildungsrate ist kleiner als die Bodenverluste.
hellgelb: stabil, Bodenbildungsrate gleich oder größer als die Bodenverluste.
grau: vegetationslos
Quelle: http://www.grida.no/graphicslib/detail/degraded-soils_c4c4
Quelle: http://www.grida.no/graphicslib/detail/degraded-soils_c4c4
Stabile Böden (Stable Soil) sind solche, bei denen die Bodenbildungsrate gleich oder
höher ist als die der Bodenverluste. Diese Verluste können auf vielfältige Weise auftreten: z.B. aufgrund von Bodenabtragung
durch Regen, Staubstürme bei Trockenheit, Verschlechterung durch Umweltverschmutzung, durch Salze
aus verdunstetem Bewässerungswasser, durch Verdichtung, durch schwere Maschinen, durch Bodenkohlenstoff, der
zu CO2 oxidiert wird, oder durch Böden, die buchstäblich versiegelt werden, indem Städte gebaut und darin Straßen
und Häuser entstehen. Die Bildung von Boden findet statt, wenn Felsen und Steine abbrechen und sich mithilfe von
Bodenorganismen auflösen, wodurch Partikel entstehen, die sich mit der zerfallenden Biomasse und lebendigen
Mikroben zu größeren Aggregaten verbinden. Diese Aggregate aus mineralischen und organischen Nährstoffen
werden von Mikroben so prozessiert, dass die Mineralien von Pflanzen genutzt werden können. Die Poren innerhalb
und zwischen den Bodenaggregaten behalten genügend Feuchtigkeit für das biologische Wachstum, erleichtern das
Abfließen von Wasser und ermöglichen die Sauerstoffzufuhr in die Pflanzenwurzeln (Quelle: Banwart, S. Save our soils. Nature 474, 151-152 (2011)).
Wie man der Grafik entnehmen kann, sind die Böden in weiten Teilen Asiens und da vor allem auch auf Gebieten der Atommächte China und Indien, sowie im Orient, im Bereich der der Türkei (( wahrscheinlich die stärkste Militärmacht in Europa nach Russland. Von George Friedman, der Leiter von Stratfor, gibt es auf Youtube ein Video mit dem Titel Die Türkei besiegt Deutschland an einem Nachmittag und Frankreich in einer Stunde )),  sowie in Amerika und Afrika  stark erodiert (( siehe zu dieser Karte auch meine Artikel Die Grenzen und das Ende des Wachstums sowie Neues vom Nahen und Fernen Osten )). In Europa sind ebenfalls weite Teile stark erodiert, insbesondere in der Ukraine, in Spanien und auf dem Balkan. Der Rest der “zivilisierten” Welt hat es fast überall geschafft, seine Böden zumindest etwas zu ruinieren. Stabile Böden sind, wie die Karte zeigt, weltweit zu einer Rarität geworden. Es leeren sich also nicht nur die Lagerstätten für Erdöl, Erdgas und viele andere Rohstoffe, sondern es schrumpft auch weltweit die Qualität der landwirtschaftlichen Nutzflächen – während die Weltbevölkerung teilweise fröhlich weiter explodiert (( FAZ vom 18.9.2014: Die Bevölkerungsexplosion wird schwärzer: Bis 12,3 Milliarden Menschen  
  Das neu übersetzte, ab Anfang Mai 2015 vom Verlag Antaois wieder lieferbare Buch Das Heerlager der Heiligen von Jean Raspail lässt grüßen und gibt einen plastischen Vorgeschmack auf die Zukunft   ))

 

Sowohl die kritische Stellungnahme  zu den Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung von Bioenergie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina  als auch das ebenfalls sehr lesenswerte, vom Umweltbundesamt herausgegebene Positionspapier Globale Landflächen  und Biomasse nachhaltig und ressourcenschonend nutzen,  erwähnen weder Sepp Holzer mit seiner auf seinem Krameterhof entwickelten und lange erprobten bergbäuerlichen Permakultur, noch Mark Shepard mit  seiner auf seiner Newforest-Farm praktisch entwickelten und erprobten Restoration Agriculture ( Kindle-eBook-Ausgabe,  offensichtlich nur direkt in den USA über amazon.com oder beim Verlag AcreUSA erhältlich ist eine DVD mit 135 Minuten), noch John Jeavons mit seiner Grow Biointensive genannten, ebenfalls die Böden verbessernden und zugleich die Erträge steigernden, vielfach erprobten  Gartenbaumethode. Das schon in der 8. Auflage auf Englisch, aber immer noch nicht auf Deutsch verfügbare Buch von Jeavons, How to Grow More Vegetables (and Fruits, Nuts, Berries, Grains, and Other Crops) Than You Ever Thought Possible on Less Land Than You can imagine, hat Amazon Deutschland allerdings, ebenso wie das von Shepard auf Lager, was auf eine gewisse Nachfrage auch in Deutschland hindeutet  Auf alle drei hatte ich bereits in meinen Vorschlag zur Behebung des Ärztemangels auf dem Land hingewiesen. Was mir damals noch nicht so klar war, wie nun nach der Lektüre der oben erwähnten Stellungnahme von Leopldina und dem Positionspapier des Umweltbundesamtes, ist, dass die drei gerade erwähnten Agrar- bzw. Gartenbaurevolutionäre, (oder besser Evolutionäre?)  nicht nur vor dem Hintergrund des erweiterten Katastrophenschutzes, zur Verbesserung Ernährungssicherung bei extremen Katastrophen, wichtige Vorbilder und Konzepte liefern, sondern dass sie alle drei auch effiziente Methoden zur Kohlenstoffbindung im Boden und zur Treibhausgasbegrenzung entwickelt haben und dass sie vor dem Hintergrund der oben gezeigten Weltkarte wichtige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bzw. praktische Beispiele und Vorbilder zur Begrenzung und zur Reparatur der weltweiten, für den Frieden und das Überleben weltweit zunehmend bedrohlicheren Bodenerosion geleistet haben. Dazu kommt dann noch das sehr verständliche, aber leider auch nur auf Englisch verfügbare Lehrbuch, das ich in meinem Artikel Nachhaltige Bodenverbesserung vorgestellt hatte.  

Mein Hintergrund bei der obigen Aufzählung von Holzer, Jeavons und Shepard ist die Situation und Landschaft Mitteleuropas, die mich natürlich zuerst interessiert. Beim Blick auf die weltweite Situation, vor allem auch mit Blick auf Afrika und Asien,  sollte aber auch Allan Savory mit seinem revolutionären Konzept der Weidewirtschaft, insbesondere in eher trocken Weidegebieten, erwähnt werden. Allan Savorys System könnte aus deutscher Sicht, insbesondere im Bezug  auf die Flüchtlingsproblematik, aber auch mit Blick auf die globale Treibhausgasbelastung, indirekt Bedeutung gewinnen. Hier sein bemerkenswerter TED-Talk:

 

Fazit:

Die Bodenqualität nimmt trotz und wegen der weiter steigenden Weltbevölkerung weltweit ab, was auch Anlass zu Konflikten und Wanderungsbewegungen führen kann und wird, und was die Treibhausgasbelastung der Atmosphäre weiter verstärkt (( ein Merkmal guter Böden ist, dass in ihnen viel Kohlenstoff gespeichert ist, der bei einer Erosion zu CO2 oxidiert wird )). Es wurden insgesamt vier offenbar sehr erfolgreiche praktische Beispiele und Vorbilder genannt, von denen drei auch für die Situation in Deutschland geeignet sind und für die daher eine baldige, umfassende Förderung und Verbreitung wünschenswert erscheint. Für die Beispiele, für die zur Zeit Literatur, Videos und Lehrmöglichkeiten in Englischer Sprache existieren, wäre eine möglichst baldige Übersetzung bzw. Synchronisation und die Schaffung deutscher Referenzen und Ausbildungsmöglichkeiten wünschenswert.

10. April 2015 Christoph Becker

 

 

 

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2 Gedanken zu „Weltweite Verschlechterung der Bodenqualität“

    1. Danke. Habe es mir gerade bestellt. Ich hatte schon von der englischen Version gehört, hatte aber nicht näher nachgesehen. Bin gespannt was Montgomery als Geologen für Lösungsvorschläge und Auswege aufzeigt.

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