Erstaunliches zum Pariser Klimaschutzabkommen

Der für seine Forschungen zum Thema Energie und Peak-Oil bekannte, emeritierte schwedische Prof. Kjell Aleklett hat auf seinem Internetblog Aleklett’s Energy Mix am 7. April 2017, also vor der Kündigung des Klimaschutzabkommens durch die US-Regierung unter Donald Trump am 1. Juni 2017, einen Artikel mit dem erstaunlichen Titel The Paris Agreement requires more fossil energy than the world’s reserves (dt. Das Pariser Klimaschutzabkommen erfordert mehr fossile Energie als die Erde Reserven hat) veröffentlicht.

Ich übersetze hier einige Abschnitte aus Prof. Alekletts Artikel:

Das Pariser Klimaschutzabkommen erfordert, dass wir unsere durch das Verbrennen von Öl, Kohle und Erdgas entstehenden Kohlendioxidemissionen reduzieren. Es fordert auch, dass das Kohlendioxid, das wir produzieren eingefangen und unterirdisch gelagert wird. In dem Abkommen wird der Kohlenstoff, der eingefangen und unterirdisch gelagert wird als “negative Emissionen” bezeichnet. Bei der  Technik, die im Abkommen in erster Linie genannt wird, handelt es sich um  Carbon Capture and Storage (CCS), auf deutsch auch CO2-Sequestrierung genannt. Zusätzlich zur Sequestrierung des aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern stammenden Kohlendioxids sollen wir auch das Kohlendioxid sequestrieren, das aus der Nutzung der Bioenergie stammt (BECCS).

Eine wichtige Basis des Pariser Abkommens war die Akzeptanz des RCP2.6-Szenarios durch das  Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC, der UN. Dieses Szenario erlaubt künftiges Wirtschaftswachstum, indem es mehr als eine Verdoppelung des  Energieverbrauchs bis 2100 erlaubt, während wir gleichzeitig unsere Emissionen reduzieren. Die Verwendung fossiler Brennstoffe wird nicht sinken. Vielmehr sollen wir durch  negative Emissionsstrategien  die Kohlendioxidemissionen reduzieren. Die Mengen des unterirdisch zu lagernden Kohlendioxides wurden nicht genauer beschrieben.

Wenn die weitgehend nicht erprobte CCS-Technik versagt, dann werden wir 2050 eine von zwei Alternativen haben: Entweder haben wir es nicht geschafft, die Kohlendioxid-Emissionen so zu reduzieren, dass ein globaler Temperaturanstieg von 2° C vermieden werden kann, oder aber wir haben nicht genug Energie für das Wirtschaftswachstum für eine Welt mit 10 Milliarden Bewohnern.

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Wenigen ist klar, dass das RCP2.6 Szenarium, das die Grundlage für das Pariser Abkommen bildet, für das Jahr 2100 von einem höheren Verbrauch fossiler Energieträger ausgeht als dem, den wir heute haben.

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In van Vurrens RCP2.6-Artikel steigt die Energieverbrauchsrate bis zum Ende des Jahrhunderts, wobei sie sich gegenüber heute verdoppelt. Vielen werden erstaunt sein zu erfahren, dass dies bedeutet, dass der Verbrauch fossiler Brennstoffe in diesem Jahrhundert weiter steigt und dass ebenfalls erwartet wird, dass sich die Nutzung der Atomenergie verfünffacht. Es sind die Technologien der “Negativen Emission”, die es erlauben sollen den Verbrauch fossiler Energieträger zu steigern, während die tatsächlichen Kohlendioxidemissionen fallen.

Das Diagramm hier zeigt die Zusammenfassungen der Verwendung fossiler Energieträger nach dem RCP2.6-Szenarium. Die Reduzierung der Ölproduktion entspricht dem, was wir in unserem Buch [auf Schwedisch] ‘Eine ölsüchtige Welt’ als möglich projiziert haben. Diese Reduzierung bedeutet, dass der Übergang zu alternativen Treibstoffen für unsere Motorfahrzeuge ein Muss ist.  Die globale Kohleproduktion hat nun ein Plateau erreicht und es wird erwartet, dass sie in  Zukunft fällt. Die bedeutet, dass die Zunahme der Verwendung fossiler Energie, die das RCP2.6-Szenarium vorstellt unrealistisch ist.  Die globale Erdgasproduktion so auszuweiten, wie es das Diagram zeigt, ist ebenfalls unrealistisch.

Das RCP2.6-Szenarium erfordert, dass wir soviel Kohle fördern wie irgend möglich, aber dass wir ebenfalls das beim Verbrennen dieser Kohle produzierte Kohlendioxid einfangen und in unterirdische Lager pumpen. Das bedeutet, dass die Anlage zur Kohlendioxidsequestrierung, die Vattenfall in Deutschland installiert hat, vollständig im Sinne des von Schweden in Paris unterzeichneten Abkommens ist. Wenn Präsident Trump die Kohleförderung untertützt und dazu die Kohlendioxidsequestrierung (CCS), dann ist das auch im Rahmen des Pariser Abkommens.

Quelle: https://aleklett.wordpress.com/2017/04/07/the-paris-agreement-requires-more-fossil-energy-than-the-worlds-reserves/
CSS steht für Carbon Capture and Storage. Gemeint ist die Einlagerung von CO2 im Boden.

Wie die obige Grafik zeigt, sieht das Pariser Klimaschutzabkommen also vor, weit mehr als die Hälfte der globalen CO2-Emissionen großtechnisch einzufangen, zu verflüssigen und unterirdisch ein zu lagern.

Interessant dazu ist nun der Vortrag, den Prof. Hans-Werner Sinn am 22. Januar 2018 an der London School of Economics gehalten hat: LSE Events | Hans-Werner Sinn | How to Fight Climate Change: economic and technical challenges. Etwa ab Minute 57 geht er dort kurz auf das Thema CO2-Sequestrierung ein und erklärt, dass und warum die Spreichermöglichkeiten sehr begrenzt sind: Bei der Verbrennung von Kohlenstoff werden an das Kohlenstoffatom zwei aus der Luft stammende Sauerstoffatome angelagert. Dadurch vergrößert sich das Volumen ungefähr um das Fünffache, selbst wenn man das Kohlendioxid verflüssigt. Selbst wenn man alle durch die Nutzung fossiler Energieträger geräumten unterirdischen Lagerstätten zur Speicherung von verflüssigtem Kohlendioxid nutzen würde, würden diese nicht ausreichen.

Das Pariser Klimaschutzabkommen macht auf mich vor diesen Hintergründen insgesamt den Eindruck einer listigen und zugleich aber auch erschreckend naiven Marketingaktion der Industrielobby, die damit extrem teure  und dazu auch noch unausgereifte großtechnischen Anlagen zur CO2-Sequestrierung an naive Politiker, Steuerzahler und Verbraucher verkaufen möchte.

Die einzige erprobte und tatsächlich funktionierende und auch wirtschaftlich machbare Form der CO2-Sequestrierung, die im großen Stil möglich wäre, ist übrigens die Umwandlung des Kohlendioxides aus der Luft in pflanzliche Biomasse und mit dieser dann die Steigerung des Kohlenstoffgehaltes der Böden. Artikel dazu auf www.freizahn.de sind unter anderem

Die Kosten dieser Verfahren sind drastisch geringer, und es ließen sich damit auch noch gesunde Nahrungsmittel1, Hochwasserschutz und vieles mehr auf einmal produzieren. Der “Nachteil” dieser Methoden wäre allerdings, dass die Industrie damit fast nichts verdienen kann.

Es gibt zwar, wie die Vorträge von Paul Kaiser von der Singing Frogs Farm  zeigen,  eine Grenze der für die Landwirtschaft sinnvollen  Kohlenstoffeinlagerung im Mutterboden die bei etwa 10 % liegt, aber der Mutterboden ist letztlich 3-dimensional. Das heißt,  wenn es  hauptsächlich um die Kohlendioxid-Sequestrierung geht , dann wird man leicht Wege finden, um die Dicke der Mutterbodenschicht zu steigern. Auch ist in Humus gespeicherter Kohlenstoff wesentlich leichter und kostengünstiger zu lagern als flüssiges oder feste Kohlendioxid.

Prof. Kjell Alekletts Schlussfolgerung, dass man besser mehr in alternative Energien investieren sollte, sind vor dem Hintergrund der Daten und Fakten aus  Prof. Sinns  Vortrag LSE Events | Hans-Werner Sinn | How to Fight Climate Change: economic and technical challenges, den er am 22. Januar 2018 an der London School of Economics gehalten hat, und vor allem auch vor dem Hintergrund seines deutschsprachigen Vortrages  Wie viel Zappelstrom verträgt das Netz? Bemerkungen zur deutschen Energiewende, den er am 18. Dezember 2017 in München gehalten hat, nicht haltbar.

Das gilt auch für die Suche nach alternativen Kraftstoffen für das Verkehrswesen.

Die Kündigung des Pariser Klimaschutzabkommens durch die amerikanische Regierung unter Donald Trump ist vor diesem Hintergründen verständlich und ein Zeichen der Vernunft und Berechenbarkeit Trumps.  Kritikwürdig und beunruhigend ist dagegen die Unterstützung dieses Abkommens, insbesondere auch durch die deutsche und französische Regierung.

Kelberg, den 6. April 2018

Christoph Becker

 

 

 

 

 

 

 

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  1. siehe auch meinen Artikel Nährstoffgehalt der Lebensmittel sinkt seit dem 2. Weltkrieg  

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