Eine klimafreundliche Rindfleischproduktion?

Der folgende Text ist eine Übersetzung des Artikels A carbon friendly beef enterprise – Is it possible? von eben jener Dr. Christine Jones, deren Vortrag ich in meinem Blogbeitrag Nährstoffgehalt der Lebensmittel sinkt seit dem 2. Weltkrieg teils übersetzt, teils zusammengefasst hatte:

Eine klimafreundliche Rindfleischproduktion – Ist das möglich?

Christine Jones, PhD

Gründerin von Amazing Garbon

www.amazingcarbon.com

Übersetzung ins Deutsche Christoph Becker, www.freizahn.de.

Titel des Originals: A carbon friendly beef enterprise – is it possible?

Link auf das Original: http://amazingcarbon.com/PDF/JONES-CarbonFriendlyBeef(27April10).pdf

Es gibt viele Missverständnisse im Bezug auf den Beitrag der Viehhaltung zum Klimawandel.

Die von den Vereinten Nationen herausgegebene Publikation, ‚Livestock’s Long Shadow‚ (dt. Der Lange Schatten der Viehaltung)(1), führte weltweit zu Aufrufen, den Fleischkonsum zu reduzieren, mit der Begründung, dass die Tierhaltung einen Hauptanteil an der Produktion von Treibhausgasen habe. Es wurden ebenfalls Bedenken geäußert, dass Fleischverbrauch einen nachteiligen Effekt auf die menschliche Gesundheit habe.

Die Realität ist, dass beide, der Treibhausgas-Fußabdruck und der gesundheitliche Einfluss des Rindfleisches auf die Ernährung dadurch bestimmt werden, wie es produziert wird.

Der Bericht der Vereinten Nationen (1) erweckt den Eindruck, dass Tierhaltung 18 % zum globalen Treibhausgas Ausstoß beiträgt – mehr als alle Transportsektoren der Welt zusammengenommen. Seitdem ist zur Kenntnis genommen worden, dass die Berechnungen sehr fehlerhaft waren (2, 3), was daran lag, dass man viele indirekte Faktoren, wie das Roden von Regenwald am Amazonas für die Getreide- und Weidegrasproduktion eingerechnet hatte.

Der Präsident und Vorstandsvorsitzende des American Meat Institue , J. Patrick Boyle, merkte an, dass nach Angaben der amerikanischen Umweltschutzbehörde die Tierhaltung nur 2,8 % zu den US-amerikanischen Treibhausgasemissionen des Jahres 2007 beigetragen habe, eine Zahl die seit 1990 relativ konstant geblieben ist (3).

In Australien wurde verbreitet die Vorstellung gefördert, dass Viehhaltung einen wesentlichen Beitrag zum Methangehalt der Atmosphäre beiträgt und dass der Methangehalt weltweit steigt. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Daten, die zeigen, dass der Methanausstoß von Wiederkäuern zunimmt. Tatsächlich scheint es, dass es keinen klaren Trend der Veränderung globaler Methananteile von irgendeiner Quelle, über die letzten Jahrzehnte gibt.

Die Zunahme der globalen Methananteile von 1930-1970 wurde von Emissionen verursacht, die bei der Produktion, Übertragung und Verteilung von Erdgas verursacht wurden (4). Die Verwendung von Erdgas verzehnfachte sich in den 1960er und 1970er Jahren. Die Quelle vieler Erdgasemissionen, wie Leckagen der transsibirischen Pipeline, haben sich seitdem verstärkt (4). Messungen über die letzten 25 Jahre zeigen, dass die Konzentrationen von in der Atmosphäre enthaltenem Methan gerade mal natürliche Variationen zeigt und keinen signifikanten Trend in irgendeine Richtung haben (Fig. 1)

Fig. 1. Variationen der jährlichen Veränderung der atmosphärischen Methankonzentration von 1983-2009, von Dlugokencky et al (2009). Messungen in Teilen pro Milliarde pro Jahr (5).

Es gibt keine wissenschaftliche Basis, um Wiederkäuer gezielt mit einer ‚Methansteuer‘ zu belegen. Die Evolution des Pansens, als ein effizienter Weg zur Verdauung von Pflanzenmaterial geschah vor etwa 90 Millionen Jahren. Es erscheint außergewöhnlich unpassend, sich in diesen natürlichen Prozess einzumischen.

Wiederkäuer einschließlich Büffel, Ziegen, wilde Schafe, Kamele, Giraffen, Rentiere, Karibus, Antilopen und Bisons existierten vor der industriellen Revolution in einer größeren Anzahl als heute. Es hätten sich überwältigende Ansammlungen von Methan in der Atmosphäre gebildet, wenn nicht Quellen und Senken sie über die vergangenen Jahrtausende ausgeglichen hätten.

Neuere Untersuchungen von Professor Mark Adams, Dekan der agrarwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Sydney, hat herausgefunden, dass biologisch aktive Böden das Methan der von ihnen getragenen Rinder bei geringer Besatzdichte oxidieren(6). Die Ursache dafür ist die Aktivität methanotophischer Bakterien, die Methan als ihre einzige Energiequelle nutzen (7). Im Boden anwesende Methanotrophen wirken den Effekten von Methanogenen entgegen. Methanogene sind Bakterien, die Kohlenstoff und Wasserstoff kombinieren und damit die Azidose im Pansen reduzieren.

Von Tieren ausgestoßenes Methan hat einen sehr kurzen Zyklus, d. h., es wird im allgemeinen gerecyled, anstatt in obere Schichten der Atmosphäre zu entweichen. Bei Emissionen der Industrie ist es dagegen sehr viel wahrscheinlicher, dass sie in die Stratosphäre gelangen. Beim Wasserdampf sehen wir einen ähnlichen Trend. Der hat einen kurzen Zyklus, wenn er von Weiden abgegeben wird (viel davon kehrt über Nacht als Tau zurück), aber er hat  einen langen Zyklus (er steigt in die Stratosphäre auf), wenn er von blankem Boden verdampft oder von industriellen Quellen emitiert wird.

Zusätzlich enthüllt eine vollständige Lebenszyklusanalyse, dass richtig gemanagtes, wiederkehrend beweidetes mehrjähriges Weideland, in dem atmosphärischer Kohlenstoff im Boden als stabiler Humus eingelagert wird, dazu führt, dass mehr Kohlenstoff eingelagert als ausgestoßen wird, was leicht das vom Vieh produzierte Methan kompensiert.

Fig. 2. Der dunkelfarbige Kohlenstof,f der um die Wurzeln von mehrjährigem Gras herum eingelagert ist, kann in hellen Böden leicht beobachtet werden. (Foto Christine Jones)

Wenn der Treibhausgasfußabdruck von Treibstoff, Dünger, Herbiziden und Pestiziden eingerechnet wird, plus Bodenerosion, Verschlechterung der Wasserqualität und Emission von Kohlendioxid, Wasserdampf und Stickoxiden, dann sind konventionell produzierte Sojabohnen (oder andere Quellen nicht tierischen Eiweißes) weniger umweltfreundlich als gut gemanagtes Weidevieh. Tatsächlich sind angemessen beweidete, mehrjährige Weiden der schnellste und wirtschaftlichste Weg, Böden wieder herzustellen, die durch konventionelle jährliche Erntesysteme ruiniert wurden.

Je schneller die vollständig unlogischen ‚esse vegan‘ und ’natürliches Methan ist ein Problem‘-Sachen aufgelöst werden, desto besser.

Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass nicht alles Rindfleisch denselben Treibhausgasfußabdruck oder ‚Fußabdruck‘ hat.

Die Menge der Energie, die für die Produktion eine Einheit Eiweiß benötigt. wird ist bei mit Getreide gemästeten Rindern ungefähr doppelt so groß wie bei auf der Weide mit Gras gemästeten (8). Das liegt am hohen Energieaufwand für düngemittelintensive Getreideproduktion, am Aufwand für den Transport der Futtermittel und für den Transport der Rinder zu den Mastställen.

Fig.3. durch Mästung mit Gras erzeugtes Rindfleisch erfordert nur halb so viel Energie für dieselbe Menge Eiweiß wie durch Mast mit Getreide erzeugtes Rindfleisch (8). (Foto Patrick Francis)

Die Lücke zwischen der Mast mit Gras und der mit Getreide vergrößert sich weiter wenn wir die CO2 Produktion in die Betrachtung einbeziehen. Gras gemästetes Rindvieh recycelt lediglich Kohlenstoff (2, 9), wie es alle Lebewesen tun, einschließlich Menschen. Es ist für ein Tier nicht möglich ’neuen‘ neuen Kohlenstoff zur Atmosphäre hinzuzufügen. CO2-Emissionen für Getreide gefüttertes Rindvieh können dagegen sehr hoch sein. Die Ursache hierfür sind die Nutzung fossiler Energieträger für die Produktion, Verteilung und Ausbringung synthetischer Düngemittel für die Getreideproduktion, Verlust von Kohlenstoff aus konventionell gemanagten Ackerböden und die Transporte.

Es gibt außerdem viele gute Gründe für die menschliche Gesundheit, um zu auf der Weide durch Mast mit Gras produziertem Rindfleisch zurückzukehren. Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren werden als ‚ essenzielle Fettsäuren‘ betrachtet, weil sie vom Körper nicht produziert werden können. Es ist wichtig, dass diese Fettsäuren in ausgewogenem Maße konsumiert werden. Westliche Diäten sind reich an Getreide und/oder Pflanzenölen wie Sonnenblumenöl, Distelöl, Mais, Soja, Erdnuss – und Margarine und Salatsdressings aus diesen Ölen – die oft 10-20 mal mehr Omega-6 als Omega-3 enthalten. Das ist ein Trend, der mit einem erhöhten Risiko an Fettleibigkeit, Herzkrankheiten, Demenz, Depression, Lernschwierigkeiten, Autoimmunkrankheiten, Zuckerkrankheit, Leberschäden und Krebs (10, 11) in Verbindung gebracht wurde. Fette mit hohem Omega-6 können das Tumorwachstum fördern, während fette mit Omega-3 es blockieren können.

Die Omega-3-Fettsäure DHA kommt in bedeutendem Umfang in Gräsern vor. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass Rindfleisch, das durch Mast mit Gras erzeugt wurde ein ausgeglicheneres Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 hat als durch die Mast mit Getreide produziertes Rindfleisch. Diese Entdeckung legt nahe, dass viele Bedenken im Bezug auf den Konsum von rotem Fleisch im Prinzip auf mit Getreide gemästetes Rindfleisch zurückzuführen sind. Zusätzlich zu einem ausgeglicheneren Verhältnis der Omegafettsäuren ist in durch  Mast mit Gras produziertem Rindfleisch  3 – 5 mal mehr konjugierte Linolsäuren (CLA) als in durch die Mast mit Getreide produziertem Rindfleisch enthalten. Bereits ein Anteil von nur 0,5 % CLA in der Nahrung hat einen starken, Krebs verhindernden Effekt gezeigt (12).

Das Verhältnis der Omegafettsäuren ist gut ausgeglichen in Butter, Sahne und Käse. Diese hochwertigen tierischen Fette sind unverzichtbar für unsere körperliches und geistiges Wohlbefinden. Das Gehirn besteht zum Beispiel hauptsächlich aus Fett. Diäten mit geringen Anteilen gesättigter Fette können zu Depressionen und anderen mentalen Störungen führen (10). Cholesterin obwohl, es kein Fett ist, sondern ein Sterin in tierischem Eiweiß, ist für die Funktion der Zellmembranen von vitaler Bedeutung. Neuere Studien haben niedrige Cholesterin Niveaus mit bestimmten Krankheiten und erhöhten Infektionsrisiken in Verbindung gebracht (10). Cholesterin ist ebenfalls wichtig für die in deaktivierung von Schwermetallen wie Blei, Quecksilber und Cadmium.

Schlussfolgerung

Eine klimafreundliche Rindfleischproduktion ist mehr als nur möglich. Sie ist essenziell. Gut gemanagte Beweidung ist ein potentes Werkzeug zur Einlagerung von Kohlenstoff in den Boden, zur Deaktivierung von Methan, zur Verbesserung der Nährstoffzyklen, Verbesserung der Wasserrückhaltekapazität, Wiederherstellung der Biodiversität und sie hat eine wichtige Funktion für die Gesundheit und die Landschaft. Vor allem sind die Produzenten von Rindfleisch Nahrungsmittelproduzenten. Durch Mast mit Gras auf der Weide produziertes Rindfleisch ist ein gesundes, hoch mineralhaltiges Lebensmittel mit einer exzellenten Balance essenzieller Fettsäuren.

Angus Australien ist zur Einführung von Agnus Pure, auf der Weide  produziertem, hormonfreiem, antibiotikafreiem Qualitätsrindfleisch zu gratulieren. Es ist nicht nur klimafreundlich, sondern ebenfalls konsumentenfreundlich.

Literaturreferenzen

  1.  Food and Agriculture Organisation of the United Nations (2006). Livestock’s Long Shadow:Environmental Issues and Options. FAO, Rome http://www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00.htm
  2. Nabhan, G., Blair, D. and Moroney, D. (2010). Ranching to produce Tacos Sin Carbon: the low carbon footprint of grass-fed beef and sheep production in the semi-arid west. The Quivira Coalition Journal, no. 35 February 2010.
  3. Lundeen, T. (2010). UN staff admits flaw in report on meat and climate change. Stock & Land, 2nd April, 2010
  4. Quirk T. W. (2010) Twentieth century sources of methane in the atmosphere. Energy and Environment, 21(3), pp. 251-256.
  5. Dlugokencky, E. J. et al. (2009). Observational constraints on recent increases in the atmospheric CH4 burden. Geophysical Research Letters 36, L18803, doi:10.1029/2009GL039780.
  6. Cawood, M. (2010). Error in Snowy soils carbon report. http://theland.farmonline.com.au/news/state/agribusiness-and-general/general/error-in-snowy-soilscarbon-report/1887462.aspx
  7. Dunfield, P. F. (2007). The soil methane sink. In D.S. Reay, C.N. Hewitt, K.A Smith and J. Grace, eds. Greenhouse Gas Sinks. pp. 152-170. Wallingford UK.
  8. Pimental, D. and Pimental, M. H. (2008). Food, Energy and Society. Third Edition. CRC Press, Boca Raton, Fl, USA: CRC Press/Taylor and Francis Group. ISBN 978-1-4200-4667-0.
  9. . Abend, L (2010). How Cows (Grass-Fed Only) Could Save the Planet. 25 January 2010 http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,1953692,00.html
  10. Simopoulos, A., P. and Robinson, J (1999). The Omega Diet. Harper Collins.
  11. McLagan, J. (2008). Fat: an appreciation of a misunderstood ingredient, with recipes. Ten Speed Press, California.
  12. Mercola (2010). The ominous beef cover up – the hidden truth behind the meat on your plate. http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2010/03/23/how-grassfed-cows-could-save-theplanet.aspx 23 March 2010.

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