Die Angst vor dem Klimawandel sinnvoll nutzen

Der Glaube an den Klimawandel und dessen angebliche Hauptursachen, die sogenannten Treibhausgase, ist dabei, den Wohlstand und die Überlebenschancen der westlichen Industriegesellschaften in einer ohnehin schwierigen und gefährlichen Zeit unnötig zu verringern. Wie könnte man den Schaden begrenzen und die von diesem Glauben freigesetzten Kräfte produktiv zur Verbesserung der Zukunftschancen nutzen?

Vorbemerkung

Es ist hier völlig egal, ob es überhaupt einen Klimawandel gibt oder/und ob die von Menschen verursachten CO2-Emissionen überhaupt eine Rolle spielen.

Wichtig ist, dass die Politik und große Teile der Bevölkerung die CO2-Emissionen für gefährlich halten und dass die beabsichtigten Gegenmaßnahmen sich unnötig auf Produktivität und damit auch auf den Wohlstand der Gesellschaft auswirken, wie ich in Zum Thema CO2-Bepreisung zu erklären versucht habe.

Die Angst vor den CO2-Emissionen sinnvoll nutzen

Man könnte, um es vorwegzunehmen, jährlich die gesamten CO2-Emissionen der BRD  im Jahre 2017, nämlich 907 Millionen Tonnen, auf der in Deutschland verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche (182.178 qkm) durch intelligentes Landmanagement, einlagern. Man müsste dazu ca. 50 Tonnen CO2, bzw. 13,6 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr aus der Atmosphäre entnehmen und im Boden einlagern.

Der  in der Landwirtschaft nachgewiesene, mögliche Spitzenwert liegt heute wesentlich höher.

Dass dies so ist, wusste ich schon länger und habe es auch schon wiederholt auf www. freizahn.de beschrieben.

In der ersten Lektion des neuen Grundkurses von Dr. Elaine Ingham, (www.soilfoodweb.com/courses-and-training) wird als Referenz und weitere Lektüre die folgende Quelle empfohlen:
Dr. David C. Johnson: Soil Microbes: Their Powerful Influence in Agroecosystems, New Mexico State
University, Institute for Sustainable Agricultural Research (ISAR), at
https://d28lcup14p4e72.cloudfront.net/233103/4204167/10.1.1.735.4098.pdf .

Nach der Lektüre dieses Dokuments habe ich mir auf Youtube auch so ziemlich alles von diesem Dr. David C. Johnson angesehen.

Eines der für Landwirte fachlich extrem interessanten Details ist, dass die Produktion von Biomasse, also das Pflanzenwachstum, NICHT mit der Menge N, P, K und auch nicht mit der organischen Masse korreliert, sondern mit dem Verhältnis von Bodenpilzen zu Bakterien (Fungi/Bacteria). Die Bodenpilze und auch die ebenfalls wichtigen Bakterien reduziert und zerstört man aber durch die übliche Bodenbearbeitung sowie auch durch den Einsatz von Mineraldünger und anderen Agrarchemikalien.

Das Wichtigste für den Klimaschutz, egal ob man nun dran glaubt oder nicht, ist meines Erachtens die folgende Grafik über die Kohlenstoffspeicherung auf  der Farm von Gabe Brown:

Quelle: SOLUTIONS BENEATH OUR FEET – David C Johnson’s presentation part 1 ( https://youtu.be/XlB4QSEMzdg )

Danach können durch intelligentes Management bis zu 24,5 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar im Boden sequestriert werden. Das entspricht  gut 89 Tonnen CO2-Squestrierung pro Hektar. Wenn man diesen Wert auf der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschland erreichen würde, dann würde man ca. 1,6 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entnehmen und im Boden in Form von Kohlenstoff einlagern. Die jährlichen CO2-Emissionen Deutschlands betrugen 2017  etwa 907 Millionen Tonnen. Bei optimalem Landmanagement und Nutzung der gesamten landwirtschaftlichen Fläche könnte Deutschland also ungefähr das 1,7-fache seiner CO2-Emissionen des Jahres 2017  im Boden speichern. Deutschland wäre dann dank  intelligenter, gut gemanagter Landwirtschaft trotz seiner hohen KFZ-Dichte und trotz seiner Kohle und Braunkohlekraftwerke eine CO2-Senke. Die deutsche Realität sieht derzeit allerdings anders aus. Die Landwirtschaft selbst dürfte insgesamt eher eine CO2-Quelle sein. Eine Einlagerung von CO2 im Boden findet eher nicht statt, weil grundlegende Prinzipien und Einsichten nicht genutzt werden.

Den Betrieb von Gabe Brown, zu dem die oben gezeigte Grafik gehört, ist ein Großbetrieb auf den ich schon in  Optimierung im Getreideanbau und Hochwasserschutz durch Integration der Mutterkuhhaltung und Mögliche Erträge im Biolandbau hingewiesen hatte. Ich hatte dort auch einige Daten zu diesem Betrieb aufgelistet.

Auf ein anderes wichtiges Beispiel aus der Praxis habe ich in meinem Artikel Abschlussvortrag der Grassfed Exchange 2016  hinweisen. Dort hatte ich von einem Versuch berichtet, bei dem mit minimalem Aufwand auf ca. 400 ha, in ca. 5 Jahren 208  bzw. 264 Tonnen CO2 pro Hektar im Boden eingelagert wurden. Das wären 41 bis 52 Tonnen CO2 pro Jahr.  Wenn man in der deutschen Landwirtschaft   ca. 50 Tonnen pro Hektar und Jahr einlagern würde, dann könnte man, wie oben schon erwähnt, die deutschen Kohlekraftwerke, die Braunkohlekraftwerke, das gesamte Verkehrswesen und die Heizung der Häuser so wie im Jahr 2017 weiter mit fossilen Energieträgern betreiben und hätte trotzdem eine CO2-neutrale Wirtschaft.

Wenn man bedenkt, dass stattdessen in Deutschland alleine 124 Euro/Tonne an  CO2-Vermeidungskosten für die Windenergie und und bei  Solaranlagen sogar 846 Euro/Tonne ausgegeben werden1 ….  Also irgendwie haben dieser  Rezo Ja lol ey mit seiner “Zerstörung der CDU” und Dr. Markus Krall in Megacrash voraus: Banksystem 2020 am Stress-to-Break Punkt ( youtu.be/dku7LfketuQ ) mit Blick auf die Qualität unserer Volksparteien schon recht.

Aber auch die Grünen sind kein bisschen besser. Siehe dazu auch meinen Artikel Anmerkungen zu einer grünen Wahlkampfveranstaltung für Landwirte.

Zu erwähnen wäre dann noch, dass bei dem im  Abschlussvortrag der Grassfed Exchange 2016  vorgestellten Versuch die Wasseraufnahmerate von 12,7  Liter pro Stunde auf über 254 Liter pro Stunde gesteigert wurde, was eine enorme Verminderung des Hochwasserrisikos bei gleichzeitiger Verbesserung der Dürreresistenz und des lokalen Wasserhaushaltes bedeutet hat. Der Betrieb von Gabe Brown hat ähnliche Verbesserungen erreicht, wie ich schon in Starkregen und Sturzfluten geschrieben habe.  Zitat von dort über die Farm von Gabe Brown:

Er erwähnt dann, dass 1991, als er den Betrieb  übernommen habe, eine Wasserinfiltrationsrate von 1/2 Zoll pro Stunde, das sind 12,5 Liter pro Quadratmeter und Stunde, gemessen wurden. 2016 wurden 8 Zoll, das entspricht 203 Liter pro Quadratmeter und Stunde, gemessen. Einen Starkregen mit 8 Zoll pro Stunde habe er noch nicht erlebt.

Durch die höhere Wasserspeicherkapazität können auch lokale Temperaturschwankungen im Sinne von www.rainforclimate.com ausgeglichen werden. Das heißt, Regenwasser fließt selbst bei Starkregenereignissen nicht mehr ab, sondern wird im Gelände gespeichert. Wenn dann wieder die Sonne scheint, verdunstet dieses Wasser. Das entzieht der Umgebung Wärme. Der Wasserdampf steigt in die Höhe, wo er kondensiert und dabei die beim Verdampfen aufgenommene Wärme wieder abgibt. Vor allem dann, wenn man im Boden genug Bakterien hat, die die Tropfenbildung verbessern, fällt er dann oft wieder lokal als Regen auf die Erde und erhöht so die Niederschlagsmenge.

Man hat so einen Wärmefahrstuhl, der das Klima in Bodennähe abkühlt und angenehmer macht, während man gleichzeitig die Niederschlagsmenge steigert. Das wiederum steigert auch die Fruchtbarkeit des Bodens, was wiederum die Aufnahme von Kohlendioxid und die Einlagerung von Kohlenstoff im Boden  steigert.

Die bei der Fotosynthese gewonnene Energie wird im Übrigen zu ca. 1/3 als Zuckerverbindung über die Wurzeln der Pflanzen im Boden abgeben. Diese durch Photosynthese gewonnene Energie wird in der konventionellen Landwirtschaft nur mangelhaft oder nicht genutzt.

In einer optimalen, nachhaltigen, die Möglichkeiten der Natur nutzenden  Landwirtschaft, wird diese Energie aber als Energiequelle für Bakterien und Bodenpilze genutzt, die damit dann auch die von den Pflanzen benötigten Nährstoffe – die konventionelle Bauern teuer zukaufen – aus den mineralischen Bodenbestandteilen herauslösen.

Wenn diese Bakterien und Pilze dann teilweise von Amöben, Nematoden und anderen Mikroorganismen gefressen werden, werden die in den Bakterien und Pilzen gespeicherten Nährstoffe in einer für die Pflanzen brauchbaren Form freigesetzt. Auf diese Weise kann ein das Bodenleben und die Natur geschickt nutzender Landwirt auf Mineraldünger verzichten und trotzdem sehr gute Ernten erzielen.

Anzumerken ist auch noch, dass die Pflanzenvielfalt in beiden Beispielen drastisch zu genommen hat. Die Vergrößerung der Pflanzenvielfalt ist auch eine der grundlegenden Voraussetzungen für das Gelingen.  Auch die Vielfalt und Masse der Insekten und der Wildbestand haben zugenommen. Gabe Brown erwähnt an einer Stelle, dass er den Wildbestand am Anfang leider nicht gemessen habe, aber gefühlt sei er um das hundertfache gestiegen.

In  SOLUTIONS BENEATH OUR FEET, Panel Discussion – Part 2 ( youtu.be/nvtT39J59fo ) war der Konsens der Experten aus Wissenschaft und Praxis, dass die Sequestrierung von  Kohlenstoff mit Hilfe von Pflanzen im Prinzip unbegrenzt ist. Die Schichten eingelagerten Kohlenstoffs können immer dicker werden, was durch die teilweise sehr großen Mutterbodenschichten in den Präriegebieten bewiesen ist.

Insbesondere die australische Bodenmikrobiologin Dr. Christine Jones weist darauf hin, dass die Nährstoffgehalte der Lebensmittel seit dem 2. Weltkrieg erheblich gesunken seien (Nährstoffgehalt der Lebensmittel sinkt seit dem 2. Weltkrieg). Die Vermutung, dass eine Zunahme der Erträge über einen Verdünnungseffekt  das Sinken der Nährstoffgehalte verursacht habe, sei nicht zutreffend. Die Nährstoffgehalte sind bei Landwirten und Gärtnern, die auf Böden mit gesundem Bodenleben  gleich große oder größere Erträge erzielen, als heute bei konventioneller Bewirtschaftung üblich sind, ähnlich hoch wie früher. Das passt auch zu dem, was ich in den Kursen von Dr. Elaine Ingham gelernt habe, nämlich dass die Pflanzen bei einem gesunden Bodenleben alle benötigten Nährstoffe in ausreichender Menge erhalten. Was für Nährstoffmangel sorgt, ist die Reduzierung oder Zerstörung des Bodenlebens.

Die durch ein gesundes Bodenleben wieder erreichbaren, höheren Nährstoffgehalte würden voraussichtlich die Kosten im Gesundheitswesen erheblich senken.

In einer zynischen, auf Wirtschaftswachstum um jeden Preis fixierten Gesellschaft ist das alles sicher eher schädlich und unattraktiv.  Ich möchte aber zu bedenken geben, dass die deutsche Wirtschaft schon heute die typischen Symptome zu hoher Produktionskosten der Energie zeigt, nämlich zunehmende Einkommensungleichheit, sinkende Produktivität und sinkende Reallöhne vor allem in den mittleren und unteren Lohngruppen.

Wie die durch “Energiewende”, bzw. durch den “Klimaschutz” schon erfolgten und weiter zu erwartenden Verteuerungen der Energie wirken, habe ich unter anderem in Zum Thema CO2-Bepreisung zu zeigen versucht.  Wenn die Analysen von Dr. Markus Krall zutreffen, dann wird die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft ohnehin schon in weniger als 2 Jahren in eine schwere Krise geraten (siehe Megacrash voraus: Banksystem 2020 am Stress-to-Break Punkt  ( youtu.be/dku7LfketuQ )).

In dem das Klimathema behandelnden und auch Kritiker der CO2-These zu Wort kommen lassenden, niederländisch-deutsch-englischen Film The Uncertainty Has Settled (youtu.be/GuoxLggqI_g ) mit deutschen Untertiteln, von  Marijn Poels , den ich mir neulich angesehen habe, gibt der alte Niederländer, mit dem sich der Regisseur unterhält, zu bedenken, dass Deutschland heute 70 % der benötigten Nahrungsmittel importiert. Er erzählt dann auch, wie die deutschen Städter in der Notzeit nach dem 2. Weltkrieg auf dem Land bei den Bauern Wertsachen gegen Nahrungsmittel getauscht hätten. Er berichtet u.a. von einer Frau, die einem Bauern eine Halskette für einen Sack Kartoffeln angeboten habe. Der Bauer habe ihr aber nur einen halben Sack für die Kette geben wollen und sie sei in ihrer Not darauf eingegangen. Einige Jahre später habe der Bauer für die  Halskette von einem Juwelier 800.000 DM bekommen. Heute aber hätten die Bauern in Deutschland in einer Notzeit in der Regel keine Nahrungsmittel mehr an zu bieten, während die Lebensmittelgeschäfte oft schon nach einem Tag nicht mehr genug Lebensmittel hätten, wenn der Nachschub ausfalle. Dafür würden in Deutschland jetzt 140 ha Ackerland für eine einzige Biogasanlage verbraucht, und Deutschland habe über 8000 solcher Anlagen.

Auf den Film The Uncertainty Has Settled  hatte mich übrigens Jörg Rehmann, der Produzent des ebenfalls sehr beeindruckenden Films End of Landschaft – Wie Deutschland das Gesicht verliert, aufmerksam gemacht, nachdem ich ihm wegen seines Films geschrieben hatte. End of Landschaft – Wie Deutschland das Gesicht verliert zeigt sehr gut die bitteren Folgen  und den Wahnsinn der “Energiewende”. Es ist schon ziemlich unerträglich, wenn man vor diesem Hintergrund bedenkt, wie einfach, preiswert und vorteilhaft man im Grunde durch eine Optimierung der Landwirtschaft sehr viel mehr hätte erreichen können.

Völlig unabhängig davon, was die Zukunft wirklich bringt, wäre es jedenfalls in hohem Maße vernünftig und wünschenswert, die vorgeschlagenen Maßnahmen zur C02-Sequesterierung und zur Verbesserung der Bodenqualität, des Hochwasserschutzes und der Biodiversität möglichst zügig zumindest in Beispielbetrieben umzusetzen und vor dem Hintergrund der lokalen Gegebenheiten zu optimieren.

Kelberg, den 11. Juni 2019

Christoph Becker

 

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  1. https://www.ffe.de/themen-und-methoden/ressourcen-und-klimaschutz/70-co2-vermeidungskosten-erneuerbarer-energietechnologien  

9 Gedanken zu „Die Angst vor dem Klimawandel sinnvoll nutzen“

  1. Guten Tag

    ich danke für Ihre Artikel und beschäftige mich seit einigen Woche intensiv mit Ihren Artikeln. Allerdings gibt es fast zu viele Informationen. Einige grundsätzlichen Fragen daher, wenn man zunächst im kleinen Rahmen selbst die Bodenqualität im Garten verbessern möchte. Ich möchte gerne mit Komposttee arbeiten (keine Kuhherde, keine lang Kompostierung), und den Pilzgehalt erhöhen. Ist das mit Komposstee überhaupt möglich, da sich die Pilze daran wohl nicht vermehren ? Muss man selbst den Boden mikroskopisch analysieren ? Oder soll man zunächst mit qualitativ hochstehenden Standardprodukten (zb. Bionika, oder ähnliches) zur Teeherstellung arbeiten ?
    Was mich auch interessiert ist Rasen, es gab da eine Abbildung (nächtlicher Polizeischutz etc) und einen Vortrag über Erfolge auf einen Golfplatz. Gemäss der Literatur müsste man ja ungefähr 30 Tage Weidestopp bzw. mindestens 10 Weiden verfügen, um eine Überweidung zu vermeiden. Das passt ja nicht zum regelmässigen Rasenmähen und trotzdem konnte der Boden in den oben genannten Beispielen verbessert werden ? Passt das

    Besten Dank
    Diego

    1. Ich möchte gerne mit Komposttee arbeiten (keine Kuhherde, keine lang Kompostierung), und den >Pilzgehalt erhöhen. Ist das mit Komposstee überhaupt möglich, da sich die Pilze daran wohl nicht vermehren ?

      Um Komposttee herstellen zu können braucht man zunächst guten Kompost.
      Man kann Pilze auch in Komposttee gezielt vermehren, nur eben nicht so schnell wie Bakterien.
      Der Sinn von Komposttee ist aber in erster Linie nicht die Vermehrung von Mikroorganismen, sondern deren Verteilung. Mit Hilfe von Komposttee oder Kompostextrakten kann man die Mikroorganismen oft leichter und besser verteilen als mit Kompost. Komposttee ist also zuerst und vorallem ein Vehikel das man nutzen kann wenn man schon guten Kompost hat. Komposttee ist kein Ersatz Kompost.

      Muss man selbst den Boden mikroskopisch analysieren?

      Ohne Mikroskop ist man blind, ähnlich wie Artillerie ohne Zielbeobachtung. Zu bedenken ist auch, dass es nicht nur darum geht etwas mit dem Mikroskop zu sehen. Vielmehr geht es auch darum quantitative Auswertungen vor zu nehmen und Veränderungen zu dokumentieren.

      Oder soll man zunächst mit qualitativ hochstehenden Standardprodukten (zb. Bionika, oder ähnliches) >zur Teeherstellung arbeiten ? >Was mich auch interessiert ist Rasen, es gab da eine Abbildung (nächtlicher Polizeischutz etc) und einen Vortrag über Erfolge auf einen Golfplatz.


      Bei dem Beispiel mit dem Rasen in Boston ( https://www.freizahn.de/2018/06/duerreschaeden-sind-vermeidbar/#ein_rasen_in_boston ) hatte man zunächst Kompostproben von etwa 120 kommunalen Kompostherstellern untersucht. Keine einzige dieser Proben hatte eine für den Versuch ausreichende Qualität. Schließlich hat man bei einem privaten Anbieter Kompost mit einer zwar auch nicht guten, aber für den Versuch doch ausreichenden Qualität gefunden. Wegen der Qualitätsmängel hat der Versuch dann etwas länger gedauert weil man zusätzliche Anwendungen nötig hatte.

      Soweit ich weiß kann und sollte man sich nicht darauf verlassen, dass die “qualitativ hochstehenden Standardprodukte” auch wirklich eine gute oder wenigstens ausreichenden Qualität haben.

      Gemäss der Literatur müsste man ja ungefähr 30 Tage Weidestopp bzw. mindestens 10 Weiden verfügen, um eine Überweidung zu vermeiden. Das passt ja nicht zum regelmässigen Rasenmähen und trotzdem konnte der Boden in den oben genannten Beispielen verbessert werden ? Passt das

      Ja, das passt schon gut. Das mit der Weidewirtschaft ist ein Werkzeug für die Landwirtschaft. Wenn man wirklich effizient im großen Stil CO2 aus der Atmosphäre entnehmen und als Kohlenstoff im Boden einlagern und “Klimarettung” betreiben will, dann wird man Rinder und auch andere Tiere einsetzen müssen. Dabei wird man dann, wenn man wirklich Erfolg haben will, auch die Weiden entsprechend unterteilen müssen.
      Mit dem Rasen ist das etwas anders. Rasen dient entweder als Nutzfläche für Sport, Camping usw., oder er dient dazu Ordnung und Kontrolle über die Natur zu demonstrieren. Damit der Rasen diese Anforderungen optimal erfüllen kann ist es schon höchst sinnvoll die Mikrobiologie des Rasens in Ordnung zu bringen und zu pflegen, etwas in dem man mit Hilfe von Kompost, Komposttee oder Kompostextrakten dem Boden fehlende Mikroorganismen verteilt. Wenn man bei einer Dürre und Bewässerungsverbot den Nachbarn noch mit einem saftig grünen Rasen dezent demonstrieren kann, dass man mehr Kontrolle über die Natur hat als die Nachbarn, dann erfüllt der Rasen seinen Zweck besser.
      Wenn ein Sportrasen oder der Rasen auf einem Campingplatz sich dank gut gepflegter und optimierter Bodenmikrobiologie besonders schnell regeneriert, auch große Niederschlagsmengen sehr gut aufnimmt und in Dürreperioden länger grün bleibt, dann ist das auch ein Vorteil.
      Es gibt aber keine einfache und schnelle Lösung, auch wenn es hier und da so aussieht. Es ist wie mit dem Rat eines guten Arztes: Auch wenn er einfach und kurz ist, steckt dahinter einer großer Aufwand.
      Der neue Grundkurs von Elaine Ingham ( http://www.soilfoodweb.com/Foundation ) kostet z.B. immerhin 5000 $ kostet und besteht aus 29 Lektionen, wobei man für jede Lektion mindestens 2 bis 3 Stunden investieren sollte. Nur dann wenn man bei der Beantwortung der Fragen am Ende jeder Lektion im Mittel mindestens 90 % der möglichen Punktzahl erreicht hat kann man sich für das Bodenberater-Training anmelden, wo man dann auch praktisch Kompost, Komposttee und Kompostextrakte herstellt und damit schließlich ein Stück toten, schlechten Boden in guten, lebenden Boden verwandelt. Dieses Training kostet dann derzeit noch einmal 3300 $ und es erfordert auch einen erheblichen Aufwand für weitere Lektüre. Bei alledem ist das mit der Bodenmikrobiologie in Praxis und Theorie nur ein Teilaspekt, wenn man im großen Stil CO2 per Photosynthese aus der Atmosphäre entnehmen und mit Hilfe von Pflanzen im Boden einlagern will.
      Man wird also eine Menge lernen und auch experimentieren und dabei in der Praxis lernen müssen, egal ob man es mit 50 qm Rasen oder mit 500 oder auch mit 5000 ha Acker- und Weideland lernen und umsetzen möchte – oder man muss sich geeignete Bodengesundheitsberater leisten können. Wobei das oft nicht nur eine Frage des Geldes sondern vor allem auch der Verfügbarkeit sein könnte.
      Nach dem gut einstündigen Rundgang mit Erläuterungen auf der mit nur ca. 1,5 ha Nutzfläche sehr kleinen, aber extrem leistungsfähigen Singing Frogs Farm es Ehepaars Paul und Elizabeth Kaiser in Sewastopol, CA., hat mir Paul Kaiser gesagt, “Das was sie hier gesehen habe ist (auch) das Ergebnis der Lektüre von mehr als 5000 Artikeln und Büchern.” Das wird man auch sagen können, wenn man in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern vielleicht tatsächlich einmal wirklich blühende, fruchtbare Landschaften vorweisen kann, in denen auf ganz natürliche Weise genauso viel oder mehr CO2 aus der Atmosphäre in Form von Kohlenstoff eingelagert wird, wie die so lange wie möglich, aus Gründen der wirtschaftlichen Vernunft weiter mit fossilen Energieträgern betriebene Industriegesellschaft mit all ihren Kohlekraftwerken und Verbrennungsmotoren abgeben kann.

      1. Guten Tag Herr Becker

        ich danke für die ausführlichen und hilfreichen Antworten, da ergeben sich ja leider noch mehr Rückfragen.

        Zunächst aber erst einmal geht es mir nur um Bodenverbesserung und mehr Biologie im Boden. An menschgemachten CO2 bedingten Klimawandel glaube ich nicht.

        Ohne Mikroskop ist man blind, aber andererseits kann nicht jeder Kleingärtner oder Rasenkeeper 8300 in die Kurse investieren. Das sollte man den Landwirten überlassen. Auch das wäre Artellerie auf Bakterien. Es muss doch einen gangbaren Kompromiss geben ? Es gibt ja recht gute Wurmkomposte, die man ggf. mit Pilze anreichern kann. Also Wurmkompost als Kompromiss und dann Komposttee ? Und damit starten zu experimentieren ? Oder Boden – bzw. kompostanalysen anfertigen lassen, damit man weiss, womit man startet ?

        Was Paul und Elizabeth Kaiser angeht, ist es ja auch nicht nachhaltig, wenn man permanent externen Kompost einkauft. Das können ja nicht alle machen, irgendein anderer muss es ja zur Verfügung stellen und kann es dann nicht selber nutzen. Ausserdem frage ich mich, ob sie damit immer mehr Boden anhäufen, wenn ständig Kompost auf die Felder ausgebracht wird. Wachsen die Felder in den Himmel ? Sie wasren ja vor Ort.

        Herzlichen Gruss
        Diego

        1. @Diego
          Wenn ich keine Mikroskope hätte, wenn ich mir nicht diese teuren Kurse über Bodenmikrobiologie geleistet hätte und wenn ich mich nicht fast nur noch mit tierischen Produkte wie Rindfleisch, Eier, Butter, Fisch, Milch und Käse, sowie von Haselnüssebn ernähren würde, dann würde ich einen Garten haben, in dem ich nach der Anleitung von John Jeavons “How to Grow More Vegetables (and Fruits, Nuts, Berries, Grains, and Other Crops) Than You Ever Thought Possible on Less Land with Less Water Than You Can Imagine” Gemüse, Kartoffeln usw. anbauen würde. In diesem Buch findet sich auch eine gute Anleitung zum Kompostieren. Es gibt auch eine deutschsprachige Broschüre dazu: http://www.growbiointensive.org/PDF/FarmersHandbookGerman_LowRes.pdf Wenn Englisch kein Problem ist, dann finden sich auf http://www.growbiointensive.org eine ganze Menge Informationen. Auch gibt es dort via Vimeo sehr preiswert eine ganze Videoreihe.
          Von Elaine Ingham (und Carole Rollins) gibt es auch einige Bücher für Gärtner “10 Steps to Gardening with Nature“, “Adding Biology for Soil and Hydroponic Systems“. Ganz gut ist wohl “Teaming with Microbes: A Gardener’s Guide to the Soil Food Web” von Jeff Lowenfels und Wayne Lewis, mit einem Vorwort von Elaine Ingham.

          Die üblichen Bodenanalysen helfen bei dem Ansatz mit der Bodenmikrobiologie nicht viel. Eine offenbar ganz guter und zugleich mit nur 12 Euro sehr preiswerter Kurs ist der hier: https://www.udemy.com/microbial-analysis-for-growers/ .

          Komposttee, um es noch einmal zu erwähnen, ist in erster Linie nur ein Vehikel um Mikroorganismen zu verteilen, auch wenn man damit Bakterien und in geringerem Maße auch Bodenpilze vermehren kann.
          Ist die Singing Frogs Farm nachhaltig? Über die würde ich heute nichts sagen, weil ich den Eindruck habe, dass beide Kaisers ständig viel und schnell lernen. Ich war im November 2015 dort. Damals Kompost, Muschelkalk und Stickstoff aus Hühnerfedern zugefügt. Von einem neueren Vortrag habe ich in Erinnerung, dass die ganz oder teilweise aufgehört haben Kompost zu zu fügen, weil ihr inzwischen 1,2 m dicker Mutterboden zu locker und ich meine auch zu nährstoffhaltig war. Das aus dem Gelände abfließende Wasser, dem die Sorge wegen der Nährstoffe galt, war aber wohl weiter von guter Qualität.
          In der von mir verlinkten Podiumsdiskussion, an der neben David C. Johnson u.a. auch Paul Kaiser teilgenommen hat, war man sich wie erwähnt einig, dass es mit Blick auf die mögliche Schichtdicke des Mutterbodens keine Grenze gibt. Man könne daher beliebig viel Kohlenstoff im Boden einlagern. Soweit ich Paul Kaisers Aussage dazu in Erinnerung habe, passt diese zu dem was er auch in einem seiner Vorträge gesagt hat, nämlich dass man den Kohlenstoffgehalt im Boden nicht unbegrenzt steigern kann – ABER, man kann die Dicke steigern.
          Zu alledem ist noch zu erwähnen, dass Elaine Ingham in einer der Lektionen ihres Grundkurses erklärt, dass und warum Pflanzen auch in einem Boden der zu 100 % aus organischem Material besteht, gut wachsen können. Das passt nicht ganz dazu, dass man auf der Singing Frogs Farm meinte, die Steigerung des Kohlenstoffgehaltes dann doch besser etwas zu begrenzen zu müssen. Man müsste heute dazu nachfragen und herausfinden.
          Man muss sich auch vor Augen halten, dass die Kaisers überhaupt erst 2008 mit der Landwirtschaft begonnen haben und das beide eben nicht Landwirtschaft oder Gartenbau studiert hatten. Begonnen hatten die Kaisers ganz konventionell-ökologisch mit viel Bodenbearbeitung. Nur weil das zu arbeitsintensiv, unwirtschaftlich und für viele Lebewesen zu tödlich war, hat man das System in Frage gestellt und andere Wege gesucht. In einem Interview mit Chris Martenson meinten übrigens beide, dass es ein Glücksfall war, dass sie beiden eine ganz andere Ausbildung hatten. Als Agrarwissenschaftler oder ausgebildete Landwirte hätten sie sich wahrscheinlich mit vielem schwerer getan und sie wären nicht so unbekümmert von den vorherrschenden Lehrmeinungen abgewichen.

          1. Sehr geehrter Herr Becker

            ich danke für Ihre Antwort und weiteren Informationen. Der Kurs hier: https://www.udemy.com/microbial-analysis-for-growers/ ist gar nicht so schlecht, gut verständliches fast zu langsames Englisch. Habe ihn fast durch, da führt wohl kein Weg am Mikroskop vorbei. Na ja, sollte ich ja vom Studium schon noch ein wenig kennen.
            In ihren weiteren Artikeln verweisen Sie auf unterschiedliche Kurse von E. Ingham. Es gibt zwei Angebote mit deutlich unterschiedlichen Preisen:https://www.soilfoodweb.com/Foundation
            https://environmentcelebration.com/product-category/online-classes/
            Welcher wäre denn besser ?

            Eine grundsätzliche Frage zu käuflichen Kompost. Ich vermute, dass es da einiges Material mit wenig Mikroorganismen gibt (zu grosse Erhitzung etc.). Was ist den wichtiger für Pflanzenwachstum, organische (OM) Masse oder Mikroorganismen (MO). So Extremfall, viel MO in Sand oder viel OM (“Industriekompost”) ohne MO ?

            Und ja Rasen mit Wurzeln von einem Meter, den man nicht mehr bewässern müsste, wäre schon genial. Da kann man eigentlich nur mit guten MO reichen Komposttee arbeiten ? Oder sehen Sie da bessere Möglichkeiten ?

            Besten Dank

          2. @Diego
            Dann sollte ich mir den Kurs auf udemy.com auch mal genauer ansehen. Ich war bisher zu faul es zu tun.
            Was die Kurse von Elaine Ingham angeht, so ist nur noch der auf http://www.soilfoodweb.de aktuell. Dieser ist im letzten Winter/Frühjahr entstanden und in den Unterlagen für das Beratertraining wird sehr empfohlen sich auch diese neuen Kurse an zu sehen (die es für die Teilnehmer sehr stark vergünstigt gibt), weil die alten Kurse 2012 erstellt und teilweise veraltet wären. Frau Dr. Ingham hat die Zusammenarbeit mit Enviromentalcelebration.com im August beendet. Es könnte sich im übrigen lohnen auf gelegentliche Angebote zu warten. Ich habe letztes Jahr z.B. auch nur den halben Preis bezahlt, 5000 $ waren mir auch deutlich zu teuer. Auf Soilfoodweb.com habe ich neulich auch eine Angebot gesehen, das bei etwas über 3000 $ lag.
            Bei möglichen billig Angeboten die nicht von http://www.soilfoodweb.com direkt sind, dürfte es sich um Raubkopien handeln, was einige Nachteile mit sich bringt. Z.B. könnte man damit nicht die Voraussetzung für die Teilnahme am Training für die Zertifizierung als Soil Foodweb Berater erfüllen, welches das Ganze eigentlich erst interessant macht.

    1. @Waldmar Wolkenbruch

      Das ist ja grüner als grün. Ob das den Grünen so recht ist?


      Nein, es wird den “Grünen” wohl nicht recht sein. Die “Grünen” sind aber auch nicht grün. Siehe auch https://www.freizahn.de/2015/09/wirklich-gruenes-asyl-und-einwanderungsrecht/ und https://www.freizahn.de/2017/06/ueber-den-klimaschutz/
      Leider nur auf Englisch, aber eine wirklich sehr gute Beschreibung der Grünen und anderer angeblich um die Rettung des Klimas besorgte Gruppen und deren Ziele: https://www.theepochtimes.com/chapter-sixteen-the-communism-behind-environmentalism-part-i_2781173.html
      Ergänzend dazu empfiehlt sich dann noch von John Michael Greer: https://www.ecosophia.net/present-at-the-death/ , https://www.ecosophia.net/delusions-of-omnipotence/ und andere.

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