Landwirtschaft im Wandel

Mit dem Artikel Ernte okay, aber Preise im Keller – Die Bauern schlagen Alarm: Bis zu 25 [von 250] Betriebe in der Vulkaneifel stehen von dem Ruin hat der Daun-Gerolsteiner Wochenspiegel, vom 19. August auf einen Teil eines Problems der Landwirte aufmerksam gemacht, zu dem ich hier einige Beobachtungen, Gedanken und Lösungsvorschläge beisteuern möchte.

Warum werde ich bis auf weiteres weiter beim Discounter die Lebensmittel kaufen und dabei auf niedrige Preise achten? Nachdem ich mich den letzten Jahren und insbesondere in den letzten 12 Monaten auch mit dem Thema Landwirtschaft befasst habe, erfüllt es mich mit einer Mischung aus Trauer und Zorn, wenn ich mir die  Felder, Wiesen und Wälder hier in der Eifel ansehe. Die Landwirtschaft wie sie derzeit in der Eifel und andernorts in Deutschland und Europa meist betrieben wird ist meines Erachtens weder nachhaltig noch zukunftsfähig und es wird kostbare Zeit vertan, indem wie bisher weiter gemacht wird.

Meine zwei größten Fragen im Bezug auf die Landwirtschaft sind:

  1.  Was machen die Bauern und was nützen die noch, wenn die technische Infrastruktur in Deutschland und Europa schlagartig, also von einer Sekunde auf die andere, für Wochen, Monate, Jahre oder auch für immer, z.B. als Folge eines großen EMP-Ereignisses, eines Weltkriegs oder einer gigantischen Naturkatastrophe für immer zusammenbricht?1
  2. Wie kann und soll die Landwirtschaft in der Eifel und anderswo in Deutschland weiter betrieben werden, wie können und sollen wie viele Menschen weiter ernährt werden, wenn unsere moderne Industriegesellschaft langsam, über Wochen, Monate und Jahre kollabiert? Meine Gegend hier in der Eifel war früher sehr arm. Die  Erträge der Landwirtschaft waren nur gering und reichten trotz der im Vergleich zu heute um ein Vielfaches kleineren Bevölkerung immer wieder nicht zu deren Ernährung aus, so dass es öfters zu Hungersnöten gekommen ist. Siehe z.B. den Bericht von Hans-Dieter Arntz Naturkatastrophen und Notstände in der Eifel aus dem Eifeljahrbuch 1986, den Herr Arnts  freundlicher Weise auf seiner Internetseite verfügbar gemacht hat, sowie das Buch  Notzeiten in der Eifel: Von der Hexenverfolgung bis zum Kriegsende an der Westfront von Hans P. Schiffer.  Mit der Technik und den Methoden des frühen 19. Jahrhunderts kann die heute viel größere Bevölkerung in der Eifel und anderswo in Deutschland nicht ernährt werden. Die heute üblichen Techniken und Methoden werden aber nach einem wie auch immer verursachten Kollaps des Welthandels und unserer Gesellschaft auch nicht mehr funktionieren. Wie ich in meinem Artikel Rationierung und Lebensmittelknappheit im 1. Weltkrieg gezeigt habe, hat bei der im Vergleich zu heute eher kleinen Bevölkerungsdichte und der noch vergleichsweise sehr geringen Abhängigkeit von moderner Technik insbesondere auch die Blockade der Seewege zur Lebensmittelknappheit in Europa und zu einer Hungernot geführt.

Das erste, der schlagartige Kollaps der technischen Infrastruktur ist ziemlich  wahrscheinlich.  Siehe dazu verschiedene Artikel unter http://www.freizahn.de/category/emp/ .  Der zweite Fall, nämlich ein allmählicher Kollaps unserer modernen Industriegesellschaft ist so gut wie sicher.  Das einzige, was ihn verhindern könnte wäre ein schlagartiger Kollaps, nach dem nichts mehr bleibt was langsam kollabieren könnte, oder ziemlich extreme und schmerzhafte Reformen, die faktisch eine kontrollierte, bewusste Rückkehr ins Mittelalter bedeuten würden und politisch wohl kaum durchsetzbar wären. Allerdings geht der amerikanische Autor James Howard Kunstler  unter anderem in seinem Buch A History of the Future: A World Made By Hand Novel davon aus, dass die Deutschen vernünftig und diszipliniert genug sein werden, diesen Weg zu beschreiten.

Wer meint,  dass neue technische und wissenschaftliche Entwicklungen uns retten werden möge z.B. das von mir übersetzte Interview mit Prof. Joseph Tainter über den Kollaps komplexer Gesellschaften lesen, oder meinen Artikel Dem Energiedilemma auf den den Grund gegangen.  Beide zeigen übrigens anhand der Reformen im Byzantinischen Reich, im 7. Jahrhundert, dass eine Gesellschaft nicht zwingend kollabieren muss, sondern dass zumindest in diesem einen Fall eine kontrollierte, massive Vereinfachung und Reduzierung der Komplexität und ihrer Kosten gelungen ist und dass die betreffende Gesellschaft damit einige Jahrhunderte weiter bestehen und zeitweise sogar expandieren konnte. Sehr nachdenklich stimmend ist auch die Diskussion von Chris Martenson mit John Michael Greer, vom 12.4.2015, die deren deutsch Übersetzung in Der Gott des technischen Fortschritts könnte tot sein zu finden ist. Eine Folge davon war für mich die Lektüre von Geers Buch After Progress, wozu ich dann Nach dem Fortschritt geschrieben habe. Der naive Aberglaube, dass Technik und Wissenschaft uns schon retten werden, ist auch in Deutschland verbreitet.

Auch das von mir ins Deutsche übersetzte Interview mit dem Soziologen und Ökologen William Catton, mit dem Titel Ökologisches Überschwingen  könnte hilfreich sein, ebenso wie der Artikel Die Grenzen und das Ende des Wachstums . Ferner zeigen meine Artikel Unsichtbare Nutzflächen und Weltweite Verschlechterung der Bodenqualität, dass unsere Landwirtschaft nicht mehr unbegrenzt wie bisher weitermachen kann und wird.

Wir steuern jedenfalls als Gesellschaft auf sehr massive Probleme zu und wir haben sehr beträchtliche Sicherheitsrisiken,  bei deren Milderung oder Meisterung die Landwirtschaft eine ganz entscheidende, unverzichtbare Rolle spielen könnte.  Wenn die Bauern wie bisher weitermachen oder einfach aufgeben und ihr Land brach liegen lassen, oder/und das Land für industrielle Landwirtschaft genutzt wird, hat die Bevölkerung – einschließlich der Bauern und ihrer Familien! – so gut wie keine mittel- und langfristige Überlebenschance.

Die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bauern können eine Chance sein, und ich werde alleine schon deshalb bis auf weiteres weiter meine Lebensmittel beim Discounter kaufen und dabei auf die Preise achten, weil ich will, dass die Bauern vernünftig werden und die Landwirtschaft so umstellen, dass sie wirklich zukunftsfähig, katastrophensicher und nachhaltig wird. Das würden sie aber nicht, wenn sie mit ihren jetzigen Methoden genug verdienen würden. Ich möchte aber, dass die Bauern zuerst und vor  allem wirkliche Nahrungsmittelsicherheit entwickeln und produzieren.  Nahrungsmittelsicherheit sehe ich hier als eine Mischung aus materiellen Produkten, aus Landentwicklung, Bodenverbesserung und Dienstleistungen.  Ich denke, dass sowohl die Regierungen als auch die Bevölkerung bereit sind, die Landwirte anständig zu bezahlen, wenn diese nachvollziehbar Nahrungsmittelsicherheit produzieren. Vieles könnte und würde schon nach geltendem Recht subventioniert, wenn es nur richtig benannt und auch gemacht würde. Darüber hinaus könnte man weitere Wege der Finanzierung diskutieren und finden.

Meine Vorschläge

Zunächst schlage ich vor, dass interessierte Bauern, vielleicht gemeinsam mit Vertretern der Behörden und auch mit interessierten Bürgern des Landkreises regelmäßig treffen und Ideen austauschen und diskutieren. Der Bauernverband könnte dies organisieren.

Hier ist was ich selber tun würde, wenn ich Landwirt wäre und Land hätte:

Ich würde lesen und mich schlau machen – das heißt, ich selber habe mich schon schlau gemacht, wie man an meiner Webseite sieht, aber ich habe kein Land und mir fehlt auch das Geld und die Möglichkeit welches zu kaufen.  Meine Webseite, www.freizahn.de liefert bereits jede Menge Anregungen und Literaturquellen. Ich würde z.B. mein Land im Sinne von P.A. Yeomans Hauptlinien-System analysieren und dieses System umsetzen, um das Niederschlagswasser besser auf meinem Land zu halten und besser zu verteilen.

Bevor ich mit der Umsetzung anfangen würde, würde ich aber auch die Bücher

lesen und vielleicht auch so ein dreitägiges Seminar bei Sepp Holzer im Burgenland besuchen und den jetzt von seinem Sohn Andreas geführten Krameterhof besichtigen. D.h., ich würde das nicht tun, ich habe das längst, zusammen mit meiner Frau in Frühsommer dieses Jahres getan und habe dafür extra eine zusätzliche Woche meinem Personal Urlaub gegeben und meine Praxis für diese Zeit geschlossen, weil es mir das wert war. Ich  bereue nicht, es getan zu haben. Der alte Holzer ist schon ein Phänomen. Man bedenke, dass der 1962, mit 19 Jahren, den sehr ungünstig gelegenen Bergbauernhof seiner Eltern übernommen hat und dass ich ihn nun als 73-Jährigen erlebt habe, wie er meinte, für ihn hätte das Jahr an 365 Tagen im Jahr Sonntag, weil er macht, was ihm Freude macht. Das einzige, was ihm nicht gefalle seien die hohen Steuern. Er habe ausgerechnet, dass er jetzt insgesamt 82 % Steuern zahlt, wovon 50 % Einkommensteuer wären. Dabei bleibt ihm noch genug, um z.B auch einen neuen Land Rover Freelander zu fahren.  Welch krasser Gegensatz zu den Bauern in der Eifel, die trotz sehr viel besserem Land klagen und vor dem wirtschaftlichen Ruin stehen. Bei dem alten Sepp Holzer kann man allerdings auch manches falsch verstehen, wenn man nicht aufpasst und die Zwischentöne überhört. Naive Leute, die zu faul oder nicht in der Lage  sind selber zu denken können Holzer missverstehen und bitter enttäuscht werden. Das Seminar bei Sepp Holzer lohnt sich aber meines Erachtens auf jeden Fall. Ich würde es mir auch ein zweites Mal anhören . Ein Teil ist übrigens, dass am dritten und letzten Tag die Teilnehmer ihre Projekte vorstellen können und dass Sepp Holzer dann dann dazu Tipps und Anregungen gibt.

Die Besichtigung des nun von Sepp Holzers Sohn geführten Krameterhofes war auch jeden Cent und jede Minute wert. Der junge Holzer hat zunächst einen guten Vortrag unter anderem über die Geschichte des Hofes gehalten, und auch darüber was man von der Besichtigung erwarten und mitnehmen kann und was nicht. Mitnehmen kann man Ideen und Anregungen. Fertige Rezepte sollte man nicht erwarten. Dass da auf einem Bergbauernhof über 30 Teiche mit insgesamt relativ wenig Wasser angelegt wurden und betrieben werden und dass man dort u.a. auch Krebse, Enzian und kleine robuste Rinder züchtet, gehörte auch dazu.  Ich habe z.B. gelernt wie man einen Vorratskeller so baut und belüftet, dass er trocken bleibt.

Aber es gibt nicht nur Yeomans und die Holzers.

Ich würde auch, d.h. hier ich habe auch, die folgenden Bücher gelesen und kann diese empfehlen:

  • Restoration Agriculture von Mark Shepard. Shepard hat u.a. Maschinenbau studiert und betreibt seit über 19 Jahren die New Forest Farm im US-Bundesstaat Wisconsin.  Es gibt auch eine DVD mit dem selben Titel wie das Buch. Ich kann das Buch und die DVD sehr empfehlen. Nach dem ich DVD gesehen hatte, habe ich für meine Webseite den Artikel Restaurierende Landwirtschaft verfasst. Von Shepard gibt es auch auf Youtube einige Beiträge.
  • Für mich sehr lehrreich war das Buch Building Soils for Better Crops – Sustainable Soil Mangament (Deutsch: Mutterboden aufbauen für bessere Ernten – Nachhaltiges Mutterboden Management). Zu diesem Buch hatte ich den Artikel Nachhaltige Bodenverbesserung verfasst. Das Buch ist als pdf-Datei kostenlos herunterladbar.  Zumindest wenn man mehrere Exemplare kauft, ist auch die empfehlenswerte, weil leichter lesbare Printausgabe relativ günstig (ich habe noch ein paar Exemplare, falls es jemanden interessiert).
  • Der Klassiker der Agroforstwirtschaft auf den sich auch Mark Shepard bezieht ist wohl das erstmals 1928 erschienen Buch Tree Crops: A Permanent Agriculture  (deutsch etwa: Nahrungsmittel produzierende Bäume: Eine dauerhafte Landwirtschaft) von J. Russel Smith. Eine pdf-Datei mit einer Kopie der ersten Ausgabe ist im Internet kostenlos verfügbar.
  • How to Grow More Vegetables (and Fruits, Nuts, Berries, Grains, and Other Crops) Than You Ever Thought Possible on Less Land Than You can imagine (deutsch: Wie man mehr Gemüse wachsen läßt (und Früchte, Nüsse, Beeren, Getreide und andere Nahrungsmittel)  als sie je für möglich hielten, auf weniger Land als Sie sich je vorstellen konnten) von John Jeavons. Ein Vortrag von John Jeavons auf Youtube und dann die Lektüre seines Buches war ein Auslöser meiner Erkundungsreise in Sachen Landwirtschaft und für die Entdeckung der oben erwähnten Bücher, und für viele andere die ich hier nicht erwähnt habe, teilweise auch weil ich sie mangels Zeit noch nicht gelesen habe. Soweit man aus Afrika, wie in dem Film “Zehn Milliarden”, sieht, dass man Leuten dort beigebracht hat wie sie vielfältige, produktive Gärten anlegen und sich gut damit ernähren können, könnte das auch auf die Arbeit von John Jeavons zurück gehen.

Bei John Jeavons habe ich das Seminar im November gebucht. Ob ich da einen Bauern oder Gärtner aus der Eifel treffe? (Nachtrag 12.4.2018: Ich war sogar der einzige Deutsche und auch der einzige Europäer bei diesem Seminar mit John Jeavons. Am Tag nach  diesem Seminar habe ich eine Betriebsführung auf der Singing Frogs Farm von Paul und Elizabeth Kaiser in Sebastopol gebucht. Da war ich sowieso der Einzige.)

Auf dem Weg vom Flughafen von San Francisco nach  Willits in Kalifornien, wo das Seminar mit John Jeavons stattfindet, liegt die Singing Frogs Farm von Paul und Elizabeth Kaiser.

Das Ehepaar Kaiser von der Singing Frogs Farm hat mit einfachen Methoden eine Mutterbodenstärke von ungefähr 1,2 m und dazu extreme Erträge erzielt. Ich habe dazu die ersten beiden Absätze aus dem Artikel The Drought Fighter – Could a controversial farmer in California have found the most effective way to grow food in a warming world?  [Deutsch:  Die Dürrebekämpfer – Kann ein umstrittener Bauer in Kalifornien die effektivste Methode gefunden haben um Nahrungsmittel in einer wärmer werdenden Welt anzubauen?]  von Todd Oppenheimer, aus dem Craftsmanship-Magazin vom 15. Januar 2015 übersetzt2:

Eines Nachmittags im letzten März, auf einer kleinen Gemüsefarm, die Paul Kaiser in einem besonders kühlen Tal in Sebastopol, Kalifornien betreibt, hat eine Gruppe von Landwirtschaftsspezialisten um eine ca. 1,20 m lange Stahlstange herumgestanden. Die Experten waren gekommen, um die Tiefe und Qualität der Krume von Kaiser zu prüfen, und einer von ihnen, eine alter Farmer namens Tom Willey, aus dem Kalifornischen Haupttal (Central Valley), hat sich über die Stahlstange gebeugt, um sie soweit er konnte in den Dreck zu stoßen. Auf einer typischen Farm kommt die Stang nach ca. 30 cm zu einem Halt, weil sie dann gegen den unfruchtbaren Unterboden stößt. Aber im Feld von Kaiser konnte die Stange mit der ganzen Länge in den Boden gleiten, und Willey ist fast gefallen. “Wow, es ist unglaublich”, hat er gesagt, und sich gefragt, ob er in ein Backenhörnchenloch gestoßen habe. Die ganze Gruppe ist in Lachen ausgebrochen. “Tue es wieder! Tue es wieder!” hat Jeff Mitchell, ein langjähriger Professor der Landwirtschaft an der Universität Kaliforniens in Davis, gesagt.

Die Gruppe hat die Übung, wieder und wieder wiederholt  – für die Fotos, und um sicherzustellen, dass Kaiser wirklich die verschiedenen Leistungen vollbracht hatte, über die er in diesen Tagen fast unaufhörlich spricht. Es ist nicht die leichteste Überzeugungsarbeit. Kaiser, ein überschwänglicher ehemaliger Holzbearbieter, der nur 40 Jahre alt ist, hat nur 3,2 Hektar, und erntet nur auf weniger als 1,2 Hektar. Dennoch sind seine Methoden an der vordersten Front einer Landwirtschaftsbewegung, die zumindest in den Vereinigten Staaten so neu ist, und die so für eine klimageänderte Welt mit sich verringernde Niederschlägen geschaffen ist, dass sie riesige Möglichkeiten öffnet. Man könnte diese Methodiken Nachhaltigkeit auf Steroiden nennen, weil sie erhebliche Gewinne erwirtschaften kann. Im letzten Jahr hat die Farm von Kaiser in Sonoma County mehr als 247.000  Dollar pro Hektar brutto verdient, was das 10-fache des durchschnittlichen Einkommens pro Hektar von vergleichbaren Farmen in Kalifornien ist. Das schließt die legendären Weingärten von Sonoma ein, die seit Jahrzehnten den Ertrag von Ackerland übertroffen haben, hauptsächlich weil Weintrauben heute viel einträglicher sind als Nahrungsmittel, zumindest bei der Bewirtschaftungsweise wie sie die meisten Bauern nutzen.

Das Interessanteste dabei ist, dass die Kaisers mit Methoden arbeiten, die ohne schwere Maschinen, ohne Kunstdünger, ohne Pestizide und ohne Hybridsaatgut auskommen.  Das ist also eine Methode mit der Landwirtschaft und Gartenbau auch in 20, 50 oder 200 Jahren in z.B. auch in der Eifel betrieben werden könnte, wenn Diesel, moderne Landmaschinen andere heute unverzichtbar und selbstverständlich erscheinende Produkte unserer Industriegesellschaft längst nur noch in wehmütigen Geschichten aus längst vergangenen Tagen vorkommen.  Dass man damit auch schon heute, in normalen Zeiten, mit Landwirtschaft und Gartenbau gewinnbringend arbeiten kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Ein anderer Nebeneffekt ist, dass man offenbar sehr hochwertigen Mutterboden produzieren kann.

Auch wenn die Eifel nicht Kalifornien ist, sollte man diese Dinge kennen und sehen was man davon lernen und davon für die eigene Umgebung wie anpassen und nutzen kann.

Es gibt meines Erachtens jedenfalls sehr gute Möglichkeiten und Wege die Landwirtschaft auch in der Eifel profitabler, katastrophensicherer, umweltfreundlicher, zukunftssicherer und nachhaltiger zu machen.

Fazit

Die Frage wie man in der Eifel auch nach einen völligen Zusammenbruch der Industriegesellschaft und der Versorgung mit Treibstoff, Strom, Kunstdüngern, Pestiziden, Hybridsaatgut, Medikamenten und Ersatzteilen dauerhaft sehr viel mehr Menschen mit der Landwirtschaft ernähren kann als vor der industriellen Revolution, ist für mich jedenfalls grundsätzlich geklärt.  Ich bin mir auch sicher, dass Regierung und Bevölkerung bereit sind, die Landwirte wirtschaftlich in der erforderlichen Weise zu unterstützen, wenn diese nachvollziehbar ihre Betriebe und ihre Bewirtschaftungsmethoden entsprechend optimieren und umgestalten.  Das Bewusstsein, dass ganz sicher Tage und auch Wochen, Monate und Jahre kommen werden, in denen die Discounter und auch staatliche Hilfsdienste nicht mehr funktionieren und keine Lebensmittel mehr liefern können fehlt sicherlich noch bei den meisten. Aber das kann und wird sich ändern. Es wäre grauenhaft, wenn sich dieses Bewusstsein erst ändert wenn die Leute tatsächlich nichts mehr zu essen haben.  Es wäre gut und sinnvoll, wenn die Bauern möglichst bald lernen, dass ein solcher Bewusstseinswandel  den Wert der lokalen Land- und Forstwirtschaft sehr steigert, wenn diese dann liefern kann.  Wenn die Bauern das rechtzeitig lernen und entsprechend handeln, dann haben sie mit etwas Glück noch genug Zeit, das Nötige zu tun und zu lernen – und sie können damit auch genug verdienen.

Die aktuelle Krisensituation der Bauern kann jedenfalls sowohl für die Bauern als auch für die Bevölkerung ein Segen sein und neue Chancen eröffnen.

Ich meine und hoffe, dass der obige Artikel dazu brauchbare Anregungen und Informationen liefert.

Kelberg den 20. August 2015

Am 12.4.2018 habe ich den obigen Artikel noch einmal gelesen und etwas nachgebessert:

Christoph Becker

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  1. zum Thema EMP habe ich auf meiner Webseite www.freizahn.de eine Menge Artikel und Informationen unter der Kategorie EMP  

  2. Nachtrag: Seit Mai 2017 gibt es eine vollständige deutsche Übersetzung dieses Artikels auf netzfrauen.org:  Der mit der Dürre tanzt

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Ein Gedanke zu „Landwirtschaft im Wandel“

  1. Der obige Artikel ist aus dem August 2015. Im November 2015 habe ich den Workshop bei John Jeavons in Wilits, Kalifornien, besucht und mir schließend eine Betriebsführung auf der Singing Frogsfarm geleistet.
    2016 und 2017 habe ich mich dann mit dem Thema Weidewirtschaft, Nährstoffe und Bodengesundheit befasst. 2016 im Herbst hätte ich fast einen Betrieb mit einer Mutterkuhherde übernommen, aber das war mir dann mit Blick auf mögliche Viehdiebstähle, Vandalismus und die Unfähigkeit unser Polizei und Justiz Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, und auch mit Blick auf die insgesamt verschlechterten Zukunftsaussichten der BRD, zu riskant und auch mit Blick auf meine Zahnarztpraxis zu zeitaufwendig.
    Einige Artikel die zu “Landwirtschaft im Wand” passen:
    https://www.freizahn.de/2017/06/funktioniert-das-auch-fuer-milch-und-kleinbauern/
    https://www.freizahn.de/2018/01/informationen-zu-moeglichkeiten-der-ertragssteigerung-in-der-landwirtschaft/
    Die im Sinne von “Landwirtschaft im Wandel” wichtigsten Präsentationen, die ich mir 2017 angesehen habe waren die, die man findet wenn man auf Youtube mit “soil health field day 2017 dave brandt” sucht.
    2018: In der letzten Zeit habe ich insbesondere die auf dem Youtubekanal von Green Cover Seeds ( https://www.youtube.com/channel/UCfrK9tSdYXpHFxbhKxgcMbw ) viele der Präsentationen und die Podiumsdiskussionen der 1. bis 4. jährlichen Southern Soil Health Conference angesehen.
    Da liegen wirklich Schätze an Wissen. Anderseits staune ich weiter über die vielen gepflügten Felder in Deutschland und über die Art und Weise wie auch große Bauern ihre Kühe füttern und weiden.
    Als ich neulich auf Google mit “Brix Gras Messen” gesucht habe, weil wissen wollte was zu diesem für eine erfolgreiche Gründlandbewirtschaftung offenbar sehr nützlichen Verfahren in Deutschland bekannt ist, habe ich nur Seiten über Marihuana gefunden und gelernt, das Brix in Deutschland eher als Verunreinigung und Mittel zur Streckung von Gras im Sinne von Rauschgift bekannt ist, während ich gerade gelernt hatte, dass man durch eine Steigerung des Brixwertes der Weiden die Trophäenklasse für Weiswedelhirsche in um fast 50 % verbessern konnte während man der Weidemast von Rinder damit ähnlich gute Gewichtszunahmen erzielen konnte wie konventionelle Mastbetriebe mit ihren klimaschädlichen Kraftfuttersystemen.
    2017 habe ich allerdings auch in Deutschland mit der Webseite der Deutschen Saatveredelung (https://www.dsv-saaten.de) und mit der IG-Gesunder Boden (https://www.ig-gesunder-boden.de) und deren Aktivitäten auch einige interessante deutsche Aktivitäten entdeckt. Aber irgendwie finde ich das alles etwas zu sehr technikzentriert. Der Trend in der Landwirtschaft der Zukunft ist sicher nicht GPS und weitere Technik (und damit weitere Steigerung der Fragilität), sondern die Integration verschiedene Weidetiere (Rinder, Ziegen, Schafe, Hühner und sicher auch Pferde). Man kann das sicher durch Chemie und Technik vermeiden – solange man sich die leisten kann. Aber wirtschaftlich und mit Blick auf die Zukunft vernünftig ist das nicht.
    Alice Friedemann hatte heute mit http://energyskeptic.com/2018/the-fall-of-the-roman-empire-from-plagues-and-climate-change/ einen interessanten Artikel über das Ende des Römischen Reiches, in dem es am Schluss auch um das Thema Hungersnot (Famine) geht.

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