Bodenerosion in Maisfeldern

In dem erstmals 1929, also vor mehr als 85 Jahren erschienenen Buch Tree Crops: A Permanent Agriculture (dt. Baumfrüchte: Eine Nachhaltige Landwirtschaft) von J. Russell Smith, habe ich schon auf Seite 5 den im Folgenden von mir ins Deutsche übersetzten, beim Blick auf die vielen Maisfelder in deutschen Mittelgebirgen und in Österreich, im Frühjahr/Sommer 2015, sehr nachdenklich stimmenden Text gefunden:

Wald – Feld – Pflug – Wüste – das ist der der Zyklus des Hügellandes in dem größten Teil der in der Landwirtschaft den Pflug verwendenden Kulturen – ein Zyklus, der nicht auf China beschränkt ist.
China hat eine tödliche Ausdehnung davon, aber Syrien, Griechenland, Italien, Guatemala und die Vereinigten Staaten haben es ebenfalls. Obwohl wir Amerikaner
historisch gesehen unser Land erst seit relativ kurzer Zeit besiedeln, zerstören wir den Boden schneller durch Erosion als jedes andere Volk, das jemals in alten und neuen Zeiten gelebt hat, alle wilden, zivilisierten Völker und Barbaren inbegriffen.
Wir haben die Maschinen, die uns dabei helfen zu zerstören und zu schaffen.
Wir haben auch andere Faktoren der Zerstörung, die für die Weiße Rasse neu sind und die sehr wirksam sind. Wir haben Bodenbearbeitung erfordernde Bodenfrüchte – Mais, Baumwolle und
Tabak. Europa hatte diese Bodenfrüchte nicht. Die alten Getreidesorten der  Europäer,
Weizen, Gerste, Roggen, und Hafer, bedecken den gesamten Grund
und halten den Boden mit ihren Wurzeln. Wenn ein Mensch Mais,
Baumwolle oder Tabak anbaut und dazu pflügt, löst er die Erde, zerstört damit deren Halt, den sie mit den Pflanzenwurzeln vielleicht gewonnen hat. Pflügen für den Maisanbau ist die effizienteste Methode zur Zerstörung des nicht ebenen Ackerlandes.

Wir in Amerika haben einen anderen Faktor der Zerstörung, der für die weiße Rasse fast neu ist – den Gewittersturm. Das südliche Europa hat einen regenlosen Sommer. Nordeuropa hat einen leichten Niederschlag,
der in sanften Schauern kommt. Die Vereinigten Staaten haben den Platzregen des Gewittersturms.
Wenn sich der amerikanische Himmel öffnet und Ströme von 5 cm Niederschlag in einer Stunde in ein hügeliges Getreidefeld gießt, kann das  genauso viel Bodenerosion bewirken wie 500 cm sanfter auf Weizen oder Grasland fallender Regen in Großbritannien oder Deutschland.

Mit diesem Zitat vor Augen habe ich an Pfingsten 2015 eine kleine Tour in der Eifel unternommen, um Maisäcker zu photographieren. Im Laufe der Jahre hatte ich auch in der Eifel mehrfach sehr heftige Regenschauer erlebt, die zu Erosionen geführt haben.

Nur wenige Tage später, ausgerechnet anlässlich der Reise zu einem Seminar bei Sepp Holzer, über dessen Permakultur, Wasserwirtschaft und Erosionsschutzverfahren im Burgenland, hatte ich Gelegenheit, auch in Bayern und Österreich jede Menge Felder in Hanglagen mit Mais und teilweise auch mit Soja zu sehen, die offensichtlich erosionsgefährdet sind. Nach der Ankunft im Burgenland, am Vorabend des ersten Seminartages, hatte ich dann die Gelegenheit bei einer kleinen Wanderung Beispiele aktueller Bodenerosion nach einem Starkregen zu fotographieren, der in den Tagen davor niedergegangen war.

Im Folgenden einige der Bilder aus der Eifel (noch ohne aktuelle Erosionsschäden) und aus dem Burgenland ( mit Bodenerosionen nach einem Starkregen).

MaisEifel2015-05-24Nebenstehend ein Maisacker in der Vulkaneifel an Pfingsten 2015, stellvertretend für viele andere, die ich in Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern und Österreich gesehen habe. Starke Regenfälle, wie die welche die Erosionsschäden auf den weiter unten stehenden Bildern von Maisäckern bei Jennersdorf im Burgenland verursacht haben, gibt es auch in der Eifel.

Bilder von Erosionsschäden an Maisäckern in der Gegend von Jennersdorf im Burgenland, am Donnerstag nach Pfingsten 2015, nachdem es in den Tagen vorher unwetterartige Niederschläge gab:MaisJennersdorf2015-05-28g MaisJennersdorf2015-05-28f MaisJennersdorf2015-05-28e MaisJennersdorf2015-05-28d MaisJennersdorf2015-05-28cMaisJennersdorf2015-05-28a2  MaisJennersdorf2015-05-28 MaisJennerdorf2015-05-28b

Wie ist es möglich, dass man 2015 in Europa, auch in Hanglagen, seit einigen Jahren im großen Stil Mais anbaut und dass dies mit staatlichen Mitteln subventioniert wird, um damit unter anderem angeblich umweltfreundliche, “erneuerbare” Energie zu erzeugen,  während man seit 1929, also seit über 85 Jahren weiß, dass man damit die Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Nutzflächen unter anderem durch Erosion zerstört UND während man ganz sicher nicht nur anhand der von mir im Burgenland photographierten Beispiele den praktischen Nachweis hat, dass das mit der Bodenzerstörung durch Erosion tatsächlich wahr ist?

Auf der Webseite www.Pflanzenforschung.de wurde am 22.5.2015 eine Zusammenfassung einer aktuellen Studie über das Problem der Bodenerosion veröffentlicht,  die zu obiger Beobachtung passt. Anders als der Schluss des Artikels suggeriert, ist das Know How zur Vermeidung von Bodenerosionen aber durchaus längst vorhanden und man muss nicht erst noch viel Zeit und Geld in Forschung investieren, sondern müsste einfach nur mal lesen, was umsonst oder für ein paar Euro verfügbar ist. Neben dem eingangs erwähnten (kostenlos herunterladbaren) Buch Tree Crops: A Permanent Agriculture von J. Russel Smith, wären z.B. das von mir schon in meinen Artikel Restaurierende Landwirtschaft vorgestellt Buch und die DVD von Mark Shepard, sowie das in meinem Artikel Nachhaltige Bodenverbesserung  vorgestellte (kostenlos herunterladbare) Buch von Fred Magdoff und Harald van Es, sowie das Buch 4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan von F.H. King empfehlenswert. Einfach mal lesen und sich ansehen und anhören was Sepp Holzer und sein Sohn zu sagen haben kann auch helfen und ist ebenfalls recht preiswert und soweit auf Youtube verfügbar sogar kostenlos. Das kostenlos herunterladbare Buch The Keyline Plan von P.A. Yeomans, zu den Artikel Das Hauptliniensystem geschrieben habe,  ist ebenfalls hilfreich wenn man Bodenerosionen vermeiden möchte.

Kelberg, den 5. Juli 2015 Christoph Becker

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