Donald Trump und der König von Preußen

Donald Trump und seine Regierung kann man besser verstehen, wenn man sie  auch vor dem Hintergrund Preußens in der Zeit vor 1871 sieht. Es ist interessant, Donald Trump und sein Team mit König Wilhelm dem späteren deutschen Kaiser Wilhelm I. und seinem Team zu vergleichen. In beiden Fällen gab es einen von den Zeitgenossen als „Teufel“ im Hintergrund gesehenen, sehr gebildeten, hoch intelligenten rechten Revolutionär mit einer Vision und in beiden Fällen waren auch die Verteidigungsminister wirkliche Profis und zugleich sehr gebildete, sehr gescheite Leute.

Am vorigen Wochenende habe ich mir den Film Bismarck – Das politische Schicksal des Eisernen Kanzlers (1940) auf Youtube angesehen. Der Film zeigt Szenen mit dem späteren Reichsgründer und Reichskanzler Otto von Bismarck von der Zeit seiner Ernennung zum preußischen Ministerpräsidenten im Jahre 1862 bis zur Reichsgründung am 18. Januar 1871 in Versailles. Im Film wird insbesondere auch Beziehung Bismarcks zu König Wilhelm beleuchtet.

Auf Arte wurde am 30. Mai 2017 abends eine Doku mit dem Titel Steve Bannon: Der Trump-Flüsterer gezeigt1. Wenn man diese Doku vor dem oben verlinkten Film über Bismarck sieht, drängen sich verblüffende Parallelen auf.

König Wilhelm von Preußen war durchaus kein Hampelmann Bismarcks, wie insbesondere auch die Szenen nach dem Sieg in der Schlacht bei Königgrätz zeigen, als Bismarck ziemlich verzweifelt ist, weil der  König  sich zusammen mit dem Kriegsminister Albrecht v. Roon und dem Generalstabschef Helmut v. Moltke  im Siegesrausch befindet und die offensichtliche Chance nutzen und weiter Richtung Wien marschieren lassen will, um einen totalen Sieg über Österreich zu erringen.  Bismarck dagegen weiß wegen eines Gesprächs unter vier Augen, das er mit dem französischen Gesandten hatte, dass es zu einer Katastrophe für Preußen und Deutschland kommen wird, die nur mit einem für Österreich ehrenvollen, schnellen Frieden verhindert werden kann. Hier kommt dann der Bismarck bis dahin feindlich gesinnte, heute würde man sagen linksliberale,  mit einer Tochter der englischen Königin Victoria verheiratete Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere 99 Tage Kaiser Friedrich III., als Vermittler ins Spiel und überredet den König zum Frieden mit Österreich, weil er zu der Überzeugung gekommen ist, dass man auf Bismarck hören sollte, wenn der scheinbar gegen alle Vernunft zum Frieden rät, nachdem Bismarck bis dahin eher für Kriege und deren Vorbereitung stand.

Wie die Doku über Steve Bannon bei Arte zeigt, hat auch Steve Bannon zwar nach wie vor sehr viel Einfluss, aber Trump entscheidet schon selbst. Man kann im Übrigen nur hoffen, dass in entscheidenden Momenten der Geschichte, wie damals nach der Schlacht bei Königgrätz, auch in den USA jemand da ist, der dann die Rolle des Kronprinzen Friedrich Wilhelm spielt, wenn vielleicht Steve Bannon eine Gefahr sieht, die Donald Trump nicht oder noch nicht sieht.

Der Film ist auch in anderer Hinsicht interessant, etwa indem er den Arzt Rudolf Virchow als sozialliberalen Politiker und Redner im Parlament zeigt.

Lothar Gall hat in seiner Biographie Otto von Bismarcks,  Bismarck:  Der weiße Revolutionär genannt, wobei er sich dem deutschen Wikipediaeintrag über Bismarck zur Folge auf Henry Kissinger bezog.

Mit Blick auf einen Vergleich mit der Regierung Donald Trumps ist auch die Qualität des Verteidigungsministers, der in Preußen noch Kriegsminister genannt wurde interessant. Albrecht von Roon, der damalige preußische Verteidigungsminister war keineswegs einfältig, sondern er war vielmehr vor seiner Ernennung zum Minister preußischer Generalstabsschef und ein angesehener Intellektueller. Hier ein Auszug aus dem Wikipediaeintrag zu von Roon:

Seine als Schüler Ritters [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Ritter] veröffentlichten Arbeiten hatten den Ruf von Standardwerken. In den Jahren 1846 bis 1848 unterrichtete Roon den Prinzen Friedrich Karl und begleitete ihn während des Studiums in Bonn und auf mehreren Reisen in Deutschland, Frankreich und Italien.

Dazu nun ein Eintrag über Trumps Verteidigungsminister James N. Mattis, den ich in dem englischen Wikipediaentrag über Mattis  fand, nicht aber im deutschsprachigen, obwohl es sich um eine wichtige Information handelt. Ich übersetze daher hier:

Mattis ist ebenfalls für seinen Intellektualismus bekannt und für sein Interesse am Studium der Militärgeschichte und der Weltgeschichte. Seine private Bibliothek soll einmal einen Bestand von über 7000 Büchern gehabt haben. Er ist auch bekannt für eine Vorliebe für Listen zu lesender Literatur für die von ihm kommandierten  Marineinfantristen. Er ist für seine intellekturelle Genauigkeit bekannt und er träufelte seinen Marineinfantristen Risikomanagment ein und er verlangte von ihnen, dass sie sich gut in die Kultur und Geschichte der Regionen der Welt einlesen, in denen sie stationiert werden. Bevor sie in den Irak entsandt wurden, befahl Mattis seinen Marineinfantristen die Teilnahme an einem kulturellen Sensitivitätstraining.

Einen Vergleich von James N. Mattis mit den deutschen Verteidigungsministern der Ära Merkel, wie Guttenberg und von der Leyen,  ist deprimierend.   Aber Preußen hatte damals mit Albrecht von Roon einen Verteidigungsminister und mit dem alten Helmut von Moltke auch einen Generalstabschef, die Parallelen zur Qualität der Leute in Trumps Team erkennen lassen.

Otto von Bismarck und Steve Bannon!

Bismarck war ein von den Linken seiner Zeit gehasster, genialer weiße Revolutionär, der seinem König entscheidend dabei hilft, sein Vaterland in der Zeit des Aufstiegs zur Industriemacht zu führen und zu sichern – und der mit der Einführung der Sozialversicherung und indem er Deutschland groß gemacht hat, auch sehr viel für die kleinen Leute getan hat. Und dann Steve Bannon, der geniale rechte Revolutionär, der seinem Präsidenten dabei hilft, sein Vaterland in einer Zeit des schon begonnenen Niedergangs und drohenden globalen Auseinandersetzungen, die alles zu übertreffen drohen, was die Welt bis heute erlebt hat, zu führen und zu sichern.

Vor diesem Hintergrund erscheint es ziemlich unpassend, was deutsche Politiker, Journalisten und Talkshows über Donald Trump denken und verbreiten.

Mangel an Qualifikation und Unfähigkeit  ist eher bei den deutschen und europäischen Politikern festzustellen, als bei Donald Trump und seinem Team.  Donald Trump und sein Team sind ein Hoffnungsschimmer des Westens am Horizont der Zukunft. Steve Bannon könnte dabei durchaus ähnlich wie Bismarck als genialer Stratege und Revolutionär von Oben in die Geschichte eingehen.

Der große Unterschied zu damals ist allerdings der, dass das Industriezeitalter damals so richtig begann, während es nun, wegen der sich abzeichnenden Erschöpfung der für das Transportwesen zwingend notwendigen Ölvorkommen, seinem Ende entgegenstrebt, wie John Michael Greer in seinem Buch Dark Age America erklärt, von dem ich u.a. das erste Kapitel für meinen Blogbeitrag In der Folge der industriellen Zivilisaiton übersetzt habe.

Davor hatte Greer aber auch noch den Roman Twilight’s Last Gleaming geschrieben. In Kollaps als Chance hatte ich den Inhalt dieses Romans kurz zusammengefasst.  Vielleicht gelingt es Trump und seinem Team den dort skizzierten Niedergang der USA aufzuhalten. Und vielleicht gelingt es mit so gescheiten und gebildeten Leuten wie Trump sie hat am Ende auch, den in Dark Age America skizzierten Niedergang unserer Zivilisation, wenn nicht zu verhindern, so doch einigermaßen glatt und erträglich hinzubekommen und die Tiefe des Abstiegs unserer Zivilisation zu minimieren.

Kelberg, den 31. Mai 2017

Christoph Becker

 

 

 

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  1. ich habe hier den Link zu dieser Doku in der Mediatek von Arte verwendet und hoffe, dass er stabil bleibt 

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