Besser als Tafeln

Nachdem ich in Der Sinn der Tafeln gezeigt habe, dass diese letztlich nur eine verwerfliche Huldigung der Götzen unserer Konsumgesellschaft sind, möchte ich hier zeigen, wie die für die Tafeln aufgewendeten Mittel und Energien im Sinne christlicher Nächstenliebe besser genutzt werden könnten.

Wenn man die Tafeln nicht nur zynisch als Mittel zur Steigerung der Steuereinnahmen sieht, verbleiben folgende Probleme, die man mit den Tafeln lösen wollte:

  1. Überschüssige Lebensmittel sinnvoll nutzen.
  2. Etwas für arme Leute tun.
  3. Überschüssige Zeit und Hilfsbereitschaft sinnvoll einsetzen.

Überschüssige Lebensmittel sinnvoll nutzen

Wie Joel Salatin in einem seiner Vorträge im Rahmen des Salatin Semesters erklärt – und wie man es früher in Deutschland auch getan hat -, sollte man Essensreste vorzugsweise an Hühner, oder auch an Schweine verfüttern. Vor allem Hühner können, wie Joel Salatin erklärt, gut lokal gehalten werden, so dass man den Energieaufwand und Umweltbelastungen für Fahrten spart.

Ein zusätzlicher Vorteil wäre, dass man damit dann in Form der Hühner und ggf. auch Schweine eine lokal verfügbare, ergänzende Lebensmittelreserve für den Fall hätte, dass  die Lebensmittelversorgung warum auch immer ganz oder teilweise ausfällt. Ein Ausfall der industriellen Landwirtschaft und der technischen Infrastruktur der heutigen Nahrungsmittelversorgung irgendwann in den nächsten fünf bis zehn Jahren ist erschreckend wahrscheinlich und würde beim heutigen Stand der Dinge binnen weniger Monate den größten Teil der Bevölkerung durch Hunger vernichten. Wenn es dazu kommt, dann nicht, weil es ein unvermeidbares Schicksal war, sondern weil man heute verantwortungslos gehandelt hat und naiv war. Siehe dazu auch meinen Artikel Gedanken zum Film Bauer unser.

Nachhaltige, krisenfeste Gärten anlegen

Gemeinden, Firmen und Privatpersonen könnten Land und Mittel zur Verfügung und die Helfer der Tafeln und andere könnten zusammen mit den “Bedürftigen” (die fast alle viel Zeit und oft keine sinnvolle Beschäftigung haben) zum Beispiel Gärten nach dem Buch How to Grow More Vegetables, (and Fruits, Nuts, Berries, Grains, and Other Crops) Than You Ever Thought Possible on Less Land with Less Water Than You Can Imagine (dt.: Wie man mehr Gemüse, (und Obst, Nüsse,  Beeren, Getreide und andere Ernten) auf weniger Land und mit weniger Wasser wachsen lassen kann als Sie für möglich gehalten haben) von John Jeavons anlegen und betreiben. Zum Garten nach John Jeavons gehört auch ein Kompost. Eines der Erfolgsrezepte der Methode von John Jeavons ist übrigens, dass rund 70 Prozent oder mehr der ganzen Photosyntheseleistung des Gartens NICHT für die Lebensmittelproduktion,  sondern für die Versorgung des für die Bodenfruchtbarkeit essentiellen Bodenlebens verwendet wird. Ein großer Teil davon geht über den Kompost. Ein Problem durch überschüssige Lebensmittel, die man nicht durch die Verfütterung an Hühner oder Schweine zu frischen, proteinhaltigen Lebensmitteln veredeln kann oder will gibt es dabei nicht: Was nicht gebraucht wird, wird kompostiert. Man könnte auch sagen, es wir den Kleinlebewesen und Mikroorganismen des Bodenlebens gespendet, die für die Bodenfruchtbarkeit und damit für das Leben und Überleben der Menschen in einer Welt ohne große Mengen billiger, fossiler Energie unerlässlich sind.  Die Erde dankt es mit reichlicher Ernte.

Eine kurze deutschsprachige Einführung in die Methode von John Jeavons (kann das Buch und den Kurs aber nicht ersetzen) findet man auf: www.growbiointensive.org/Self_Teaching.html.  Dort Ein Gartenhandbuch in Deutsch herunterladen.

Ein Startpunkt zur Information kann auch eine Suche auf Youtube mit  “John Jeavons” sein. Hier eine Einführung auf Youtube:

oder, das war mein Startpunkt, sich auf Youtube den Vortrag  John Jeavons | Talks at Google anhören.

Haltbarmachung und Lagerung von Lebensmitteln

Zusätzlich zur Anlage der Gärten könnte/sollte man auch Lehrgänge und Möglichkeiten zur Konservierung und Lagerung der geernteten Lebensmittel organisieren.

Hasel- und Walnüsse sowie Kastanien

Eine weitere, zusätzlich zu den Gärten in Erwägung zu ziehende Möglichkeit könnte das Züchten und Anpflanzen von Hasennusssträuchern und Walnussbäumen sein. Damit würde man lokal, also verbrauchernah und umweltschonend, eine hochwertige Nahrungsmittelproduktion und teilweise auch eine Bioenergieproduktion aufbauen, die auch dann noch funktioniert wenn die industrielle Landwirtschaft komplett aus fällt.

Literatur (Beispiele):

Die heute mit den Tafeln und dergleichen Beschäftigten, aber auch Gemeinden, Firmen und auch die oft Land besitzenden Kirchen könnten überall in Deutschland wirklich sehr viel im Sinne wirklicher christlicher Nächstenliebe tun um Hunger und Not in diesem Land zu mindern und wirklich Bedürftigen zu helfen, wenn sie z.B. meine oben gemachten Vorschläge umsetzen würden, statt den Götzen des Konsums zu dienen und diesen die Zukunft und am Ende auch das Leben gerade auch der ärmsten in diesem Land zu opfern.

Kelberg, den 25. Februar 2018

Christoph Becker

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10 Gedanken zu „Besser als Tafeln“

  1. Wunderbar. Viele der beschriebenen Lösungsansätze skalieren auch ohne Reibungsverluste von 0 auf 100 Prozent. Meint – jeder kann für sich oder mit seiner Familie diese Ansätze leben.

    1. Danach liege ich in der Spur. Seit 2015 habe ich in der Urlaubszeit 12 Kastanien-, 2 Walnussbäume und 6 Haselnusssträucher neben einer großen Menge an Obstbäumen und Beerensträuchern gepflanzt. Als nächstes geht es an die Regenwasseraufang-Becken sowie Kompost- und Terra Preta-Herstellung heran. Dank der vielen nützlichen Links von cb habe ich diesbezüglich schon viel gelernt.

  2. Hat der Verfasser schon mal was von Deutscher Bürokratie gehört ? Satzungen der Klein-und Erholungsgärten ? Hat der Verfasser ganz zufälligerweise schon mal was von Vandalismus und Diebstahl gehört ? Ist dem Verfasser auch nur ansatzweise bekannt, was solch eine Plantage kostet und welche Behörden sich da auch noch reinhängen ? Wir sind Landwirte und kennen uns da allerbestens aus.

    1. Hat der Verfasser schon mal was von Deutscher Bürokratie gehört ?

      Ja. Bin u.a. Zahnarzt und kenne das Problem. Aber ich habe z.B. auch das folgende Interview zum Thema übersetzt: https://www.freizahn.de/2014/11/kollaps-komplexer-gesellschaften-interview-joesph-tainter/ und ich denke, man kann auch mit Bürokraten vernünftig reden und diskutieren. Die wollen ja auch nicht in Zukunft verhungern. Ein Artikel der zeigt, das die Deutschen grundsätzlich auch anders können ist https://www.freizahn.de/2014/10/von-der-wehrmacht-lernen/ . Der Grund dafür, dass die Bürokratie der Wehrmacht so gut funktionierte waren übrigens die Niederlage bei Jena und Auerstedt im Krieg gegen Napoleon und sicher auch die Erfahrungen im 1. Weltkrieg.

      Hat der Verfasser ganz zufälligerweise schon mal was von Vandalismus und Diebstahl gehört ?

      Ja. Ich habe sogar einen Artikel zu dem Thema verfasst: https://www.freizahn.de/2017/04/die-symbiose-von-bauern-und-kriegern/ Und wenn ich ehrlich bin, ist DAS auch der Hauptgrund warum ich das Vorhaben der Übernahme einer Rinderherde aufgegeben habe, warum ich selber keinen Garten habe und warum ich mir große Mühe gebe so bald wie Möglich aus zu wandern.

      Ist dem Verfasser auch nur ansatzweise bekannt, was solch eine Plantage kostet und welche Behörden sich da auch noch reinhängen ?

      Kosten würde es so gut wie nichts solche Gärten ein zu richten. Wir haben Leute und Land genug.
      Es wird allerdings den größten Teil der Bevölkerung irgendwann in den nächsten vielleicht 3 bis 10, maximal 15 Jahren, das Leben kosten, weil wir solche Gärten nicht haben, und weil unsere Landwirte ohne moderne Technik usw. nichts mehr liefern können. Siehe meinen Artikel https://www.freizahn.de/2017/05/gedanken-zum-film-bauer-unser/ . Wenn das Leben futsch ist, sind auch die Vermögen nichts mehr wert.
      Ich hoffe ich bin dann weit genug weg, wenn sich die Szenen aus dem Winter 46/47, die der Spiegel gerade beschrieben hat ( http://www.spiegel.de/einestages/hungerwinter-1946-47-in-deutschland-das-ueberleben-nach-dem-krieg-a-1133476.html ) dank Zuwanderung, höherer Bevölkerungsdichte und höherer Technik- und Industrieabhängigkeit um eine Zehnerpotenz oder mehr verstärkt in Deutschland wiederholen.

      Es wird dann keine Tafeln mehr geben, obwohl die Leute, die meisten Landwirte und so gut wie alle Beamten, Politiker, Stadträte und Bürgermeister inbegriffen, nichts mehr zu essen haben werden und sich dann mit illegal sehr gut bewaffneten, skrupellosen Beispielen der Nachteile kultureller Vielfalt um nur noch für einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung reichende Lebensmittelbestände streiten werden. Alle Probleme von wegen Vorschriften usw. werden sich dann ganz von selbst erledigen, nach dem Motto von Jack Donovan, dass Gewalt nun mal der Goldstandart ist ( https://www.freizahn.de/2015/04/gewalt-ist-gold-wert/ ).
      Solche Kastanien-, Walnuss- und Haselnussplantagen, wie ich sie auch vorgeschlagen habe, sollten mit Hilfe einer Kooperation aus Forstbehörden und Landwirtschafts- und Naturschutzbehörden schnell und unkompliziert realisierbar sein. Kosten? Plantagen zu pflanzen ist doch genau dass was die vielen “Fachkräfte” die in unser Sozialsystem einströmen tatsächlich können, wenn man sie etwas anleitet. Was die Pflanzen kosten würden ist die Frage. Man könnte schließlich auch lokal von jeder Sorte einige tausend Nüsse bzw. Kastanien aussäen und damit eigene, lokal angepasste Sorten züchten und diese dann mit Hilfe unserer “Fachkräfte” aus Afrika und dem Orient vermehren. Ich habe das Buch “Restoration Agriculture” von Mark Shepard vor längerer Zeit ganz gelesen. Das Buch über die Zucht hybrider Haselnüsse von Phil Rutter habe ich nur etwas gelesen, weil sich das praktische Problem Haselnüsse zu züchten für mich derzeit nicht stellt. Nach Shepard wird man, soweit ich mich erinnere, am besten lokal viele tausend Nüsse bzw. Kastanien säen, Kriterien festlegen und dann sehen welche Pflanzen diesen am besten entsprechen und vermehrt diese dann entsprechend. Man wird eher NICHT zu einer Baumschule gehen und tausende von Pflanzen kaufen, weil die Baumschule vielleicht nach anderen Kriterien ausgewählt hat und weil das auch viel zu teuer wäre. Das heißt, ich würde mir schon einige Pflanzen bei Mark Shepard, Phil Rutter und anderen kaufen, aber eben nur einige. Die Kosten wären also eher gering. Allerdings würde ich mir eine Hofbesichtigung bei Phil Rutter und Mark Shepard genehmigen.

      1. …ich würde mir schon einige Pflanzen bei Mark Shepard, Phil Rutter und anderen kaufen…

        Ich war auf der Seite von Phil Rutter und hatte mir schon überlegt ob ich mir solche Multi-Hybrid-Kastanienbäume über Verwandte aus den USA mitbringen lasse, aber dann ist mir eingefallen, dass es ja Einfuhrbestimmungen gibt wonach der Import von Erde verboten ist und ohne Erde geht es ja nicht.

        1. Von meiner Reise, die ich zwecks Teilnahme an dem Workshop bei John Jeavons und zur Besichtigung der Singing Frogs Farm durchgeführt habe, habe ich einen ganzen Karton mit Saatgut von https://www.bountifulgardens.org mitgebracht. Der Verkäufer hatte gemeint es könnte ein Problem beim Zoll geben und ich müsste mich dann um ein Zertifikat bemühen, was ungefähr 50 Dollar kosten würde. Nach dem Motto “Wagen und Winnen” habe ich es darauf ankommen lassen und ich habe nicht schlecht gestaunt. Ich bin an Morgen eben jenes Freitags im November 2015 in Frankfurt gelandet, an dem abends das Attentat in Paris stattfand. Weder in San Francisco noch in Frankfurt hat sich jemand für meine Koffer interessiert. In Frankfurt war nicht einmal jemand vom Zoll zu sehen.

          1. Saatgut ja, das läßt sich gut verstauen, aber die Tublinge mit Erde und Frischpflanzen muß man offen tragen, damit sie überleben, vielleicht inmitten eines Blumenstraußes. Dass man bei Kartoffel-Saatgut kompromisslos ist versteh ich irgendwie nach den katastrophalen Auswirkungen der Kartoffelkäfer – obgleich diese ‘nun schon mal da sind’. (Ähnlichkeiten zu noch nicht mit Importverbot belegten ‘schädlichen Importgütern’ sind rein zufällig)

          2. Vielleicht könnte/sollte in einem konkreten Fall erst einmal mit der unteren Forst- oder/und Landwirtschaftsbehörde sprechen.
            Hier hat das Forstamt z.B. seit über 100 Jahren einen Versuch mit amerikanischen Tannen laufen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

  3. Garten, Pflanzen, Saatgut …
    Vorab: Ich möchte hier keine PR/Verkaufswerbung machen, habe das Buch selbst erworben und es ist für mich (neben den Anregungen von cb) sehr hilfreich bei der “Rekultivierung” unseres Gartens; zumal im Anhang auch Adressen von Bezugsquellen (DE/CH) genannt werden.
    “Das Lexikon der alten Gemüsesorten” ISBN: 978-3-03800-620-6 zu 59,90 Euros
    Zu den Themen Bürokratie und Ein- und Auswandern wäre einiges zu schreiben, z.B. zur Besiedlung einiger “Räume” in RU durch die lieben Chinesischen Nachbarn (am Baikalsee schon “zweisprachige Hinweisschilder”) … und Sicherheit? Gibt es nicht, es gibt nur unterschiedliche Stadien der Unsicherheit …
    Mit besten Grüßen,
    Ronin

    1. Danke für den Hinweis mit dem Buch über die alten Gemüsesorten.

      Zum Thema Ein- und Auswandern habe ich gerade einmal mit “russland ansiedlung deutscher” gesucht. Man findet damit einiges. Z.B. http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/56417/russlanddeutsche
      Ich hoffe, dass Putin die Wahl gut gewinnt und sich vielleicht eine moderne Version der russischen Anwerbungspolitik des 18. Jahrhunderts ausdenkt. Das Beste für Russland und die letzten richtigen Deutschen und Europäer vor dem Hintergrund der absehbaren Entwicklungen des 21. Jahrhunderts wäre es, wenn die Russen und andere Staaten der ehemaligen UdSSR möglichst viele von denen die noch zu gebrauchen sind auf Deutschland und anderen Teilen Europas anwerben und ansiedeln. Damit könnten man die verschiedenen Verirrungen der Postmodernisten und Linken in Europa geschickt nutzen um faktisch einen ethnischen und kulturelle Filtermechanismus zu schaffen. Deutschland und auch Frankreich, die Beneluxstaaten und England sind in Sachen Bodenschätze ausgelutscht. Die Qualität der Bevölkerung ist durch die Sozialsysteme und die Zuwanderung der letzten Jahrzehnte reduziert. Russland könnte sozusagen den Rahm abschöpfen und daraus Sahnehäubchen in Russland werden lassen, die das Leben und die Zukunftsperspektiven für die Russen und die auswandernden Westeuropäer erheblich verbessern.

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