Größter Ölfund in den USA seit 30 Jahren reicht global kaum für zwei Wochen

Der Focus meldete am 9. März 2017 mit der  Überschrift 1,2 Milliarden Barrel Riesiger Ölfund vor der Küste Alaskas.  Es handele sich um den größten Ölfund auf amerikanischem Boden seit 30 Jahre. Ich habe kurz recherchiert und nachgerechnet: Meine google-Suche mit “weltölverbrauch pro tag” führte u.a. zu Ölverbrauch weltweit täglich von 1980 bis 2030 (in Millionen Barrel)

Für 2015 wird dort ein täglicher Ölverbrauch von 88 Millionen Barrel angegeben. Für 2030 werden 105 Millionen Barrel geschätzt.

Eine Milliarde hat  1000 Millionen. 1,2 Milliarden Barrel sind also 1200 Millionen. Damit sieht man auch ohne Rechner, dass man bei einem globalen Ölverbrauch von 100 Millionen Barrel pro Tag mit diesem  “riesigen” Ölfund, der “der größte auf amerikanischem Boden seit 30 Jahren” ist,  also gerade mal für 12 weitere Tage Öl gefunden hat.

Mit Taschenrechner oder Smartphone und dem Verbrauch von 2015, also mit 1200 / 88 erhalte ich 13,64 Tage, also knapp zwei Wochen.

Ein einziges Jahr hat aber 52 Wochen. Das der Weltölverbrauch des Jahres 2015 entsprach 26 solcher “riesigen” Ölfelder”. Bezogen auf die Schätzung für 2030, also für 105 Millionen Barrel pro Tag, würde man knapp 32 solcher “riesigen” Ölfelder” benötigen, wie man in den USA nach 30 Jahren nun ein einziges gefunden hat.

Ein wirklich riesiges Ölfeld ist das Ghawar-Ölfeld in Saudi Arabien.

Zitat aus dem Wikipediaeintrag dieses 1948/49 entdeckten Ölfeldes:

Erste Schätzungen gingen davon aus, dass Ghawar insgesamt 170 Milliarden Barrel Öl enthält und etwa 60 Milliarden förderbar sind. Folgende Schätzungen über die förderbare Menge an Erdöl in Ghawar variierten zwischen 70 und 170 Gigabarrel. Saudi Aramco gab bekannt, dass in Ghawar bis April 2010 bereits 65 Milliarden Barrel Öl gefördert worden seien.[1] Gleichzeitig gab man bekannt, dass ursprünglich über 100 Milliarden Barrel an förderbaren Reserven in dem Feld enthalten gewesen seien.

Das Ghawar-Feld war ursprünglich also über 100 mal größer als das nun vom Focus gemeldete “riesige” Ölfeld.

Das vom Focus nun gemeldete Ölfeld soll ab 2021, also nach immerhin noch rund 4 Jahren wohl nicht ganz billiger Vorbereitung, 120.000 Barrel pro Tag liefern. Das Ghawar-Feld liefert ungefähr 5 Millionen Barrel pro Tag. Das ist mehr als das 41-fache dessen was dieses “riesige” neue Ölfeld in Zukunft voraussichtlich liefern kann.

Eine Frage die beim Lesen (und Schreiben!) von Berichten über die  Entdeckung und Erschließung neuer Ölvorkommen heute auch gestellt werden sollte ist die nach dem voraussichtlichen Netto-Energie-Ertrag und auch nach dem Netto-Öl-Ertrag.

Das so euphorisch vom Focus und anderen Quellen als “riesiges” neues Ölfeld gemeldete Feld liegt  “vor der Küste Alaskas”. Das heißt es liegt, im krassen Gegensatz etwa zum Ghawar-Feld,

  • im Salzwasser. Das heißt man muss korrosionsbeständigere, teurere Materialien verwenden. Teuerer heißt hier auch dass die Herstellung der Materialien und das Finden der Rohstoffe für diese Materialien mehr Energie und auch mehr Öl kostet.
  • unter Wasser. Das heißt, man muss sehr viel teurere Ausrüstung einsetzen. Mit Solarstrom und Windstrom, aber auch mit Kohle oder Erdgas, wird man dieses Ölfeld eher nicht erschließen und betreiben können. Vielmehr wird man jede Menge Diesel, Schweröl und andere Mineralölprodukte für die Erschließung des Ölfeldes und auch für die Förderung benötigen. Der Aufwand für Umweltschutzmaßnahmen und auch der Aufwand bei Unfällen wird in hohem Maße   Mineralölprodukte erfordern als z.B. bei einem Ölfeld in der Wüste von Saudi Arabien.
  • vor Alaska .  Das heißt, das Ölfeld liegt im hohen Norden und es liegt abseits. Kälte, Eis, Schnee und generell schlechtes Wetter, sowie lange Transportwege werden zusätzliche Energie und auch zusätzliches Öl kosten.

Wie die Ausführungen zum Ghawar-Feld auf Wikipedia zeigen, ist bei Schätzungen über die gefundene Ölmenge dann auch zwischen insgesamt in dem Ölfeld vorhandener und der insgesamt mit vertretbarem Aufwand förderbaren Ölmenge zu unterscheiden. Dabei ist dann noch zu beachten. Zum Beispiel pumpt man zunehmend Wasser in sich erschöpfende die Ölfelder, wodurch der Wassergehalt des geförderten Öls immer höher wird. Der Wassergehalt des geförderten Öls steigt damit ebenfalls, was auch den Energieaufwand für die Abscheidung des Wassers aus dem Öl steigert. In der in Erschöpfung – Das Schicksal des Ölzeitalters erwähnten Studie der Hills Gruppe ist die Zunahme des Wassergehaltes und der dadurch notwendige Aufwand ein wesentlicher Punkt. Ein Ölfeld wird demnach heute in der Regel aus wirtschaftlichen Gründen  aufgegeben,  wenn in dem geförderten “Öl” 40 mal soviel Wasser wie Öl enthalten ist.

Alles in allem ist der Artikel des Focus über diesen neuen, “riesigen” Ölfund also eher sehr beunruhigend.

Kelberg den 9.  und 10. März 2017

Christoph Becker

 

 

 

 

 

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