Weihnachten 2016

An Weihnachten 2016 habe ich die schon über 100 Jahre alten Essays Religion and the Mores (dt. Religion und die Sitten, Gebräuche und Werte) und The Mores of the Present and the Future (dt. Die Sitten, Gebräuche und Werte der Gegenwart und Zukunft) von William Graham Sumner gelesen. 

In Religion and the Mores erklärt Sumner, dass die Religionen sich im Wesentlichen an die Sitten und Gebräuche anpassen, die sich wiederum an die Interessen und an die durch Klima, Ressourcen, technische Möglichkeiten,  Bevölkerungsdichte und andere Umweltfaktoren gegebenen Umstände anpassen.

Die Religion wirkt bei diesen Anpassungen an die sich ändernden Umstände verzögernd, aber sie verhindert diese Anpassungen nicht. Es gab wenige Ausnahmen, wo sich zeitlich und lokal begrenzt die Sitten und Gebräuche an die Religion angepasst haben, aber im Wesentlichen folgt die Religion den Sitten und Gebräuchen. Das Englische Wort “Mores”, das im man im Deutschen teilweise auch kannte (“jemanden Mores lehren”), bedeutet auch Werte, wie man dem Umstand entnehmen kann, dass “mores-setting”   mit wertstiftend übersetzt werden kann.

Mir war schon länger aufgefallen,  dass sich insbesondere die evangelische Kirche auf geradezu unerträglich penetrante Weise an den Zeitgeist anzupassen versucht. Die katholische Kirche hat da sehr viel mehr Rückgrat und Selbstbewusstsein. Aber auch die katholische Kirche passt sich zunehmend an den Zeitgeist an, und sie hat sich auch in der Vergangenheit immer wieder an diesen angepasst.

Die Lage beim Islam um beim Judentum kann ich nicht beurteilen.

In seinem Essay  The Mores of the Present and the Future (dt. Die Sitten, Gebräuche und Werte der Gegenwart und Zukunft) erklärt Sumner, dass die Sitten und Gebräuche und damit auch die Werte, wie oben schon erwähnt, an gesellschaftlichen Möglichkeiten und Lebensumstände anpassen. Letztlich sind Werte, Sitten und Gebräuche im Idealfall eben nichts weiter als der Versuch insgesamt die Interessen Bevölkerung optimal zu befriedigen. So gesehen wäre es eine Unsitte und abzulehnen, was einer Gesellschaft eindeutig schadet – wie z.B. die heutige “Willkommenskultur”.

An dieser Stelle fällt mir ein Abschnitt aus dem Essay Earth Hunger or the Philosophy of Land Grabbing ein, das ich in meinem Blogbeitrag Landhunger teilweise übersetzt hatte:

Wir hatten in unserer Geschichte viele Doktrinen …… Manchen von ihnen sind obsolet und vergessen. Andere haben uns schreckliche Opfer gekostet. ….

Wir würden gut daran tun unsere Emanzipation von allen Doktrinen zu erklären und selber zu  denken und unsere eigenen Fragen zu stellen, und entsprechend unserem eigenen Verstand und Gewissen zu handeln, und nicht nach irgendjemandes Tradition oder Formel. Es gibt jede Menge mehr Gründe dafür, weil man beobachten wird, dass Menschen, die versuchen uns dazu zu zwingen das zu tun was sie vertreten, in dem sie den Namen der … Doktrin rufen, diese  Doktrin  fallen lassen sobald   sie sich   von der Geschichte und durch die Berichten als falsch erwiesen hat – aber sie lassen ihre Pläne nicht fallen, die sie in dieser Sache vorgeschlagen haben.  Wenn,  dann halten sich sich nicht an die … Doktrin, sondern benutzen ihren Namen als Knüppel ,um uns zu betäuben, …..

Wenn ich ein jetzt aufwachsender junger Mann wäre, würde ich niemandem erlauben mir irgend eine Formel  aufzubürden, die mein Urteilsvermögen für Fragen und Fälle fesselt, mit denen ich konfrontiert werden könnte.

Zurück zu Sumners Essay  The Mores of the Present and the Future (dt. Die Sitten, Gebräuche und Werte der Gegenwart und Zukunft).  Gegen Endes dieses Essays stellt sich Sumner die Frage, was man aus der langen  Geschichte der Anpassungen der Sitten, Gebräuche und Werte an die  Umstände, für die Zukunft lernen kann.

Sumner stellt dann fest, dass sich die Welt in seiner Zeit, also am Anfang des 20. Jahrhunderts, in einem Zustand der Unterbevölkerung befindet und dass die zunehmende Kontrolle der Naturkräfte und die technischen Entwicklungen der Menschheit Möglichkeiten und Freiräume schaffen, die sich zunehmend in den Sitten, Gebräuchen, Werte und der Gesetzgebung widerspiegeln werden.

Sumner weißt dann darauf hin, dass es sich aber nur um eine temporäre Entwicklung und Ausnahmesituation handele. In nur wenigen Generationen würden sich die Menschen in einer überbevölkerten Welt mit härteren Konditionen wiederfinden, während man dann aber Sitten, Gebräuche, Werte und Gesetze haben werde, die für die dann vergangene Zeit des Überflusses und der Unterbevölkerung ausgelegt sind. Eine Zeit lang wird man damit dann unpassende, den Interessen der Bevölkerung eher schadende als nützende Sitten, Gebräuche und Werte haben.  Die logische Folge ist dann eine Zeit der  Konflikte, Unruhen und Kriege in denen die Sitten, Gebräuche, Werte und auch die Gesetze und die Religionen wieder an die neuen Umstände angepasst werden. Natürlich stellt sich die Frage ob und wie man diesen Anpassungsprozess möglichst erträglich und effizient gestalten kann.

Diese von Sumner vorausgesehene Zeit des Wandels hat längst begonnen. Aber die Weihnachts- und Neujahrsansprachen und Wünsche, vom Ortsbürgermeister über Lokalzeitungen bis wohl auch zur Regierung (die ich mir nicht anhöre, weil ich Gauck und Merkel für unerträglich halte), zeigen mir, dass man sich dessen nicht wirklich bewusst ist und weiter an die Religion des Fortschritts und an sogar an einen linearen Verlauf  der Geschichte glaubt. Man hält es sogar für gesichertes Wissen, dass sich die Menschheit immer höher und weiter entwickelt. Aber wenn ich aus dem Fenster meines Praxisbüros sehe, sehe ich dass die Menschen vielleicht schon in wenigen Jahren elend verhungern werden, weil im Gemeinderat genauso wie allen höheren Ebenen der Regierung  und Verwaltung die selbe, am Ende wohl tödliche Naivität und Blindheit vorherrscht, so dass man die Chancen die man vielleicht noch hat nicht nutzt.

Am 1. Weihnachtstag abends habe ich begonnen meine vielen Bücher über Landwirtschaft, Gartenbau, Jagd, Ökologie, Geschichte usw. aus den Regalen zu nehmen und in Kartons zu packen. Ich werde mich in der nächsten Zeit auf eine ziemlich revolutionäre und extrem effiziente zahnärztliche Implantationstechnik konzentrieren (www.simpladent.de).

Beim Wegräumen der Bücher fiel mir Not The Future We Orderd – Peak Oil, Psychology, and the Myth of Progress von John Michael Greer auf. Ich hatte es schon in meinem Artikel  Energielage 2015/2016   berichtet, dass ich es gelesen hatte und dass es einen eigenen Artikel verdiene – zu dem ich aber dann wohl nicht gekommen bin. Zur Frage ob die  Geschichte zyklisch ist, oder ob sie, linear ist, habe ich in verschiedenen Artikeln etwas geschrieben:

Die Antwort hängt wohl davon ab wie kleinkariert man denkt und wie gut man Muster erkennen kann. Für Leute die gut Muster und Ähnlichkeiten erkennen können ist die Geschichte zyklisch. Unsere Zeit ist zwar besonders und einmalig, weil wir die fossilen Energieträger entdeckt und mit deren Hilfe auch einen großen Teil der anderen  Rohstoffe dieser Erde verprasst haben – was keiner Zivilisation vor uns gelungen ist und was nie wieder möglich sein wird. Aber gerade dadurch ist auch das Ende unserer Zivilisation absehbar und mit  sehr hoher Wahrscheinlichkeit unvermeidbar.

Insbesondere meine Artikel

sollten zu denken geben.  Im besten Fall in 10 bis maximal 14 Jahren wird die Suche und Förderung  von Erdöl im Mittel mehr Energie kosten als in dem geförderten Öl enthalten ist. Das heißt, dass Erdöl dann für die Ölförderung andere, ebenfalls nur endlich vorhandene  fossile Energieträger wie Kohle, Erdgas oder aber die Energie von Atomkraftwerken genutzt werden müsste. Gleichzeitig schließt aber 2018 die letzte deutsche Zeche: FAZ, Die Zechen sterben aus

Bei der Suche nach eine Artikel zu Saudi Arabien und der Entwicklung von dessen Eigenverbrauch fand ich gerade diesen schon über ein Jahr alten, aber immer noch sehr aktuellen Artikel:  Ein Schwarzer Schwan im Nahen Osten

Zum Thema Schwarze Schwäne, Drachenkönige usw. hatte ich schon den Artikel  Truthahn, schwarzer Schwan, Drachenkönig und Phönix  geschrieben. Saudi Arabien ist für mich, genauso wie ein 3. Weltkrieg, ein Kollaps unserer Industriegesellschaft und eine daraus resultierende Hungersnot kein Schwarzer Schwan, sondern ein Drachenkönig mit dem man durchaus fertig werden könnte, wenn man rechtzeitig vernünftig reagieren und die Gesellschaft vorbereiten würde.

Beim Wegräumen der Bücher habe ich auch in einigen Heimatbüchern aus meiner Gegend geblättert. Hier in der Eifel gab es vor genau 200 Jahren, im Winter 1816/17 eine ziemlich schlimme Hungersnot. Eine Hungersnot gab es auch 1830. Wölfe, die man jetzt irrer Weise wieder ansiedelt und willkommen heißt, hat man bis weit ins 19. Jahrhundert aus gutem Grund als Schädlinge betrachtet und ausgerottet. Für einen einzigen toten Wolf bekam der Erleger vom Staat eine Prämie in der Höhe eines Jahreslohnes eine Magd. Die Sitten, Gebräuche, Werte und Gesetze ändern sich halt mit der Zeit und vor dem Hintergrund der Möglichkeiten und Ressourcenverfügbarkeit der jeweils neusten Vergangenheit. Zum Thema Wölfe hatte ich mit Warum ich gegen Wölfe bin gerade auch mit Blick auf die Vergangenheit und die der Vergangenheit zumindest wohl sehr ähnliche Zukunft argumentiert. Derzeit sind die Regierung und die Bevölkerung in Deutschland offenbar noch im Vollrausch des Ölzeitalters, wozu sich in Deutschland und Europa dann auch noch ein phantastischer Regulierungswahn addieren.

Dazu fallen mir hier zunächst die folgenden Artikel meiner Webseite ein:

In dem Heimatbuch eines kleinen Dorfes in dem ich einige Jahre gelebt habe, habe ich  neben Geschichten über die Zeit des 30-jährigen Krieges und die Notzeiten in den Weltkriegen auch die folgenden Daten über die Bevölkerung der Stadt Daun und der Dörfer Nerdlen und Sarmersbach gefunden:

Einwohner in 1625 1654 heute
Daun 236 110 7941
Nerdlen 88 33 220
Sarmersbach 44 22 193

Der 30-jährige Krieg dauerte von 1618 bis 1648. Zur Stadt Daun gehören heute auch  einig früher selbstständige Dörfer. Die Zahlen zeigen dennoch, dass die Bevölkerungsdichte heute in der Eifel drastisch größer ist als im Mittelalter.  In  meiner Geburtsstadt Oberhausen  ist  die Bevölkerungsdichte ,  ähnlich wie  in  anderen  Städten des Ruhrgebiets  seit dem  30-jährigen Krieg  wohl sogar eher um mehr als das 1000-fache  gewachsen.

So wie Regierung, Gemeinderäte, Bürgermeister und Bevölkerung in der Eifel und anderswo heute handeln oder besser die Augen vor der Zukunft und den mit ihr kommenden Drachenkönigen verschließen, wird man sich glücklich schätzen können, wenn man in 20 Jahren noch die Bevölkerungsdichte hat und ernährt bekommt, die man  nach dem 30-jährigen Krieg hatte. Wer es nicht glaubt kann in Weitere Literatur zum Thema EMP Simulationen, Szenarien und Anregungen finden.

Während ich meine Bücher über die Landwirtschaft, Gartenbau usw. wegräume, habe ich nun aber doch die Artikel wieder frei zugänglich geschaltet, die ich insbesondere über die Themen Landwirtschaft und Gartenbau auf meiner Suche nach Antworten auf die Frage geschrieben hatte, wie man die Bevölkerung im postfossilen Zeitalter nachhaltig ernähren und wie man die Ausmaße der zu erwartenden künftigen Hungersnöte reduzieren könnte.

Wenn ich 30 oder 40 Jahre jünger wäre, würde ich Landwirt oder/und Gärtner, weil ich das für die zukunftsträchtigsten Berufe halte und weil beides wirklich sehr interessante Berufe sind. Hier einige Bücher die mir zur Landwirtschaft einfallen, weil ich Sie im Rahmen meiner Räumaktion in der Hand hatte:

Zu den beiden ersten Büchern, also zum Thema Weidemanagement, siehe auch meine Artikel

die ich wieder auf öffentlich sichtbar geschaltet habe.

Ich habe Deutschland, die Deutschen und Europa aufgegeben.  Ich glaube nicht mehr, dass dieses Land und seine Bevölkerung eine Zukunft haben. Der Grund ist, wie dass man aus der historischen Ausnahmesituation des Überflusses an billiger Energie und auch an freien Nutzflächen, und des damit möglichen technischen Fortschrittes der letzten 200 Jahre kommend auf eine Seneca-Klippe zurast, und so wie es aussieht wohl nicht in der Lage sein wird Sitten, Gebräuche, Werte, Gesetze und Religion rechtzeitig an die neuen Erfordernisse anzupassen. Die typische deutsche Politiker-Reaktion, nach jedem Zwischenfall oder Terror-Anschlag wie kleine, unwissende Kinder zu handeln, die völlig unfähig waren und sind das was passiert ist vorauszusehen und die immer nur im Nachhinein regieren wird bei den Drachenkönigen mit denen man es zu tun haben wird nicht ausreichen.  Deutschland ist, von meiner Ortsgemeinde bis hin zum ganzen Staat, wie ein großes Schiff, das ohne Rettungsboote und mit auf den Seenotfall in keinster Weise vorbereiteten und geschultem Personal in ein sehr gefährliches Seegebiet aufbricht. Aber fast alle fühlen sich sicher wie die Passagiere, der Kapitän und die Besatzung der Titanic. Es ist dieser Titanic Effekt, auf den ich schon in Weltbevölkerung, Wasser und Wintergemüse hingewiesen hatte.

Zitat von Edward John Smith, dem Kapitän der Titanic:

In meiner ganzen Berufserfahrung habe ich kein einziges Mal ein Schiff in Seenot gesehen. In all meinen Jahren auf See bin ich niemals schiffbrüchig gewesen, und niemals war ich in einer Situation, die drohte in irgendeiner Art von Desaster zu enden.

Hier aus dem deutschen Wikipediaeintrag zur Titanic

Sicherheitsausstattung

Besonderes Interesse galt der Sicherheitsausstattung der beiden Schwesterschiffe [Titanic und Olympic]. Sie galten als Wunder der Technik und wurden aufgrund der vollautomatischen Wasserschutztüren zwischen den 16 wasserdicht abschottbaren Abteilungen im Juni 1911 in der Zeitschrift The Shipbuilder als „praktisch unsinkbar“ bezeichnet.

und

Auf ihrer Jungfernfahrt kollidierte die Titanic am 14. April 1912 gegen 23:40 Uhr[1]etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland seitlich mit einem Eisberg und sank zwei Stunden und 40 Minuten später im Nordatlantik. Obwohl für die Evakuierung mehr als zwei Stunden Zeit zur Verfügung standen, starben 1514 der über 2200 an Bord befindlichen Personen – hauptsächlich wegen der unzureichenden Zahl an Rettungsbooten und der Unerfahrenheit der Besatzung im Umgang mit diesen. Wegen der hohen Opferzahl zählt der Untergang der Titanic zu den großen Katastrophen der Seefahrt.

Zumindest in dem Film über den Untergang der Titanic, den ich vor einigen Jahren gesehen habe, waren  Wind und  Seegang sogar ausgesprochen ruhig, so dass man sehr bequem alle an Bord befindlichen Menschen hätte retten können, wenn man genügend Rettungsmittel gehabt hätte.

Wie heute auch, hat man NACH dem Untergang der Titanic  reagiert .  In meiner Seefahrtzeit  hatten deutsche Schiffe   von Gesetz wegen  für das Dreifache  der an Bord befindlichen Menschen Rettungsmittel dabei, obwohl Schiffsunglücke sehr unwahrscheinlich waren. Gesunken ist in meiner Seefahrtzeit ein großes deutsches Schiff, nämlich die München. Beim Untergang der München gab es keine Überlebenden. Deren Rettungsmittel waren also sinnlos.   Alle Schiffe auf denen  ich gefahren sind,  sind immer gut angekommen.  Auch deren Rettungsmittel und alle die  Seenotübungen  auf diesen Schiffen waren also  objektiv betrachtet sinnlos. Die Schiffe hätten  weniger gekostet und mehr Ladung mitnehmen können, wenn man auf die Rettungsmittel verzichtet hätte. Aber  wäre  es vernünftig  deshalb auf   Rettungsmittel zu verzichten, wie  man es  unter anderem in  Deutschland   heute im Bezug auf die Sicherheit und Ernährung der Bevölkerung allen Ernstes tut? Wenn Deutschland – z.B. mit einem Szenarium wie in One Second After: Die Welt ohne Strom – untergeht, werden mehr Menschen in den Tod gerissen wie die beiden ersten Weltkriege und die Verbrechen der Nazis zusammen gekostet haben.

Kelberg, 27. Dezember 2016

Christoph Becker

 

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4 Gedanken zu „Weihnachten 2016“

  1. Hallo Christoph,

    einfach nur traurig, was uns die nächsten Jahre erwartet.
    Aber vielen Dank für das Teilen deines Wissens.

    Vielleicht muss die ganze Entwicklung so sein wie sie jetzt ist,
    weil der Wegfall der fossilen Energien nur die logische Konsequenz des Massensterbens zur Folge hat.

    Schade für meine Kinder.

    Gruss

    Grete

    1. Hallo Grete,
      es muss keinesfalls so schlimm kommen wie es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kommen wird.
      http://www.freizahn.de war und ist eben auch ein Projekt und ein Reisebericht der Suche nach Auswegen und Lösungen. Was das Suchen und Finden angeht, war ich zu meinem Erstaunen wirklich sehr erfolgreich.
      Mein Fazit ist, dass das was auf uns zukommt Drachenkönige sind, mit denen man sehr wohl fertig werden könnte, wenn die Bevölkerung und das Führungspersonal hinreichend vernünftig, gescheit und gebildet wären. Es ist aber wohl eher wie auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges, als die jungen Soldaten massenhaft, gute Zielscheiben abgebend, von dämlichen Generälen und Offizieren geleitet, in das Maschinengewehrfeuer und Geschützfeuer der Gegenseite gelaufen sind. Intelligente Offiziere und Generäle hätten sich vorher anhand der bekannten Daten der Waffen ausrechnen können, dass die früher, im 19. Jahrhundert erfolgreichen Methoden 1914 zur Katastrophe führen würden. Aber das Führungspersonal war nicht nur in der Politik sondern auch beim Militär ähnlich eingebildet, naiv und dumm wie heute. Wenn die gesehen haben, dass etwas nicht funktioniert haben sie dasselbe einfach nur intensiver versucht, anstatt andere, bessere Wege und Methoden zu suchen. Heute ist es ähnlich – auch Leute wie Chris Martenson, John M. Greer und andere finden das.
      Aber auch wenn die politische und militärische Führung auf Staatsebene nur aus nur einseitig begabten und für ihre Aufgaben zu schmalspurig und zu schlecht ausgedildeten Nieten besteht, könnte die Bevölkerung lokal etwas tun. Man könnte die Böden verbessern – wie z.B. Gabe Brown, Rayarchelut, Joel Salatin, Greg Judy und viele andere es vorgemacht und gezeigt haben, man könnte statt Fichten auch bei einem Totalausfall der Infrastruktur noch Nahrungsmittel wie Nüsse, Kastanien und Beeren tragenden Bäume bzw. Sträucher pflanzen, wie es schon vor über 80 Jahren J. Russel Smith in dem Klassiker Tree Crops: A Permanent Agriculture vorgeschlagen hat. Siehe auch meinen Artikel Restaurierende Landwirtschaft. Man könnte die Viehhaltung so optimieren, dass hohe Erträge und hochwertige, gesunde Nahrungsmittel nachhaltig, auch ohne Chemie, Elektronik, Strom und Diesel produziert werden können. Siehe meinen Artikel Optimierung im Getreideanbau und Hochwasserschutz durch Integration der Mutterkuhhaltung und dort verlinkte weitere Artikel. Man könnte Pflanzen und Tiere züchten, die für die lokalen Verhältnisse optimiert sind und die auch ohne Chemie überleben und gute Erträge liefern. Man könnte den noch gut bezahlbaren und noch gut erhältlichen Treibstoff nutzen um den Wasserhaushalt zu optimieren. Man könnte lernen und üben Lebensmittel lokal so zu produzieren, dass auch nach einem Totalausfall der Infrastruktur die Nahrungsmittelproduktion weiter funktionieren kann – auch wenn man dann viele Maschinen durch Sachbearbeiter, Beamte usw. ersetzen müsste. Man könnte Lebensmittelvorräte anlegen und lernen Lebensmittel zu konservieren.
      Man könnte die vorhandenen Strukturen der Reservistenverbände und der Bundeswehr nutzen um kurzfristig lokal Heimatschutzverbände auf zu stellen, die im Krisenfall Sicherheit, Ordnung und ggf. auch für die lokale Heimatverteidigung gewährleisten, so dass die sonst völlig überforderte, eigentliche Bundeswehr und die Polizei dann nur noch als “Feuerwehr” nötig sind.
      Man könnte die Wasservorsorgung und die Abwasserentsorgung auf ihre Krisentauglichkeit hin untersuchen und ggf. optimieren und Notfallpläne erstellen. Das sind alles Sachen die hier und heute auch auf Gemeindeebene von der lokalen Bevölkerung angegangen werden könnten, und die im Ernstfall unvorstellbar viel Leid, Elend und Tod verhindern oder zumindest sehr effizient mildern könnten. Aber erzähl das den Leuten. Die wollen ihre dicken SUVs und BMWs fahren und, wie ich es erst kürzlich in einer Weihnachts- und Neujahrsbotschaft gelesen habe, “den gewohnten Lebensstandart” erhalten und ansonsten glauben und meinen die zu möglichen Gefahren die ihren gewohnten Lebensstandart und ihr Leben zu vernichten drohen, wie die jüdische Mutter in dem Film Shoa, über die Judenmorde, den ich vor vielen Jahren einmal gesehen habe, “das kann nicht sein”, man solle nicht so pessimistisch sein, es würde schon alles gut werden. Die Mutter dieser jüdischen Familie endete dann, wenn ich mich recht erinnere, zusammen mit anderen Familienangehörige im Vernichtungslager.
      Gesunder Pessmismus kann halt Leben und Gesundheit retten, auch wenn er den gewohnten Gang der Dinge und die maximierung und Erhaltung des gewohnten Lebensstandards bedroht oder beeinträchtigt. Naiver Optimismus dagegen kann tödlich sein, alles zerstören und überhaupt sehr schreckliche Folgen haben.

      Gruss
      Christoph

  2. Hallo Herr Becker,
    zunächst Chapeau für dieses Blog und Ihre Beiträge.

    “Wenn ich 30 oder 40 Jahre jünger wäre, würde ich Landwirt oder/und Gärtner, weil ich das für die zukunftsträchtigsten Berufe halte und weil beides wirklich sehr interessante Berufe sind.”
    Nun, interessant – auf alle Fälle. Zukunftsträchtig -möglich bis fraglich. Denn leider hat auch im grünen Bereich, wie wahrscheinlich überall, ein stringent lineares Denken, zunächst von administrativer Seite, Einzug gehalten. Eine Form davon haben Sie sehr schön im Beitrag “die irre Logik des Establishments…” herausgearbeitet. Echte Innovationen, welche die Bezeichnung nachhaltig auch verdienen und der absehbaren Entwicklung Rechnung tragen, lassen sich vermutlich nur im Non-profit Bereich und im Windschatten der Beobachtung realisieren. Es würde Ihnen alles vergällen, da bin ich mir sicher.

    Beste Grüße
    MI ein ehem. Parktiker

    1. Hallo Herr Ise,

      ich denke bei Landwirtschaft wie ich sie umsetzen würde, an Leute wie Greg Judy von der Green Pasture Farm, Joel Salatin von den Polyface Farms, Gabe Brown von der Browns Ranch, Jim Gerrish von American Grazing Land Service oder an Allan Savory und beim Gartenbau an die Familie Kaiser von der Singing Frogs Farm. Alle oder die meisten der gerade aufgezählten Betriebe kommen ohne Subventionen aus UND sie machen Gewinn.
      Oder ich denke an Dr. Allen Williams der im Frühjahr 2016, mit seinem Vortrag “Growing Soil the Southern Way” bei der Grass Feed Exchange 2016 gezeigt hat wie man die Bodenqualität mit geringem Aufwand verbessern kann.

      Ich bin mir jedenfalls sehr sicher, dass man mit Landwirtschaft auch hier und heute in Deutschland sehr ordentliche Gewinne einfahren kann – und das mit einer Landwirtschaft die nachhaltig und zukunftsfähig ist. D.h., in Sachen Zukunftsfähigkeit sehe ich wohl das sehr abschreckende Sicherheitsproblem: Wenn es zum Kollaps unserer Gesellschaft kommt wird man beklaut, geplündert, gefoltert und ermordet werden. Aber auch das Problem wäre grundsätzlich lösbar, wenn die Leute zumindest auf Gemeindeebenen vernünftig würden.

      Auch mit den Behörden könnte man reden, wenn man denen ein Beispiel zeigt und vernünftig erklärt was man vorhat. Die eigentlichen Ziele der Agrarförderungsprogramme sind letztlich genau das was ich erreichen wollte und auch erreichen würde.

      Ich würde aber auch einen ziemlichen Studienaufwand betreiben. Paul Kaiser von der Singing Frogs Farm, der von seinen 4,5 ha nur 1,2 bis 1,5 ha bewirtschaftet und damit rund 240 Tsd. Dollar Umsatz rund 80 bis 100 Tsd. Dollar Gewinn macht und keine Subventionen bekommt, hat mir am Ende der Betriebsführung gesagt, “das was sie hier gesehen haben ist auch das Ergebnis des Studiums von einigen Tausend Artikeln und Büchern”. Als ich einem deutschen Gemüsebauern neulich die Betriebsergebnisse der Kaisers genannt habe, hat er gemeint das könne gar nicht wahr sein und ist ärgerlich geworden. Zuhause hatte meine Frau gerade einen Blumenkohl gekauft und ich habe mal nachgerechnet. Die Kaisers fahren 5 bis 6 Ernten pro Jahr ein, gegenüber nur 1 bis 2 Ernten in anderen Betrieben der selben Gegend. Und dann pflanzen die nicht so wie deutsche Bauern fein säuberlich in Reihen, sondern wie John Jeavons (dessen Buch Paul Kaiser mehrfach gelesen hat), mit Blick auf das Mikroklima optimal hexagonal dicht und zum Teil auch gemischt in Beeten. Wenn man dazu bedenkt, dass die dann auch noch selbst vermarkten ist klar, dass die den Umsatz den sie angeben tatsächlich erwirtschaften können.

      Gruß
      Christoph Becker

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