Eine Sekunde danach

Buchbesprechung zu dem auf den Tag genau 100 Jahre nach dem Beginn des 1. Weltkrieges in deutscher Sprache erschienenen Roman “One Second After – Die Welt ohne Strom. “One Second After” heißt auf Deutsch “Eine Sekunde danach” oder “Eine Sekunde später”. Der Roman  One Second After – Die Welt ohne Strom von William R. Forstchen ist ein Fiction Roman. Die Arbeit an dem Buch wurde im Juli  2008 beendet und es erschien 2009 in den USA. Im Juli 2008 erschien  etwa zeitgleich mit der Fertigstellung des Romans der abschließende, sehr umfassende Bericht der EMP-Kommision des amerikanischen Kongresses.  Der Roman wurde von einem Professor für Militärgeschichte geschrieben. Als Berater standen dem Autor sein Hausarzt, ein Apotheker, ein Polizeichef, der mit der  EMP-Problematik und dem Einsatz von Atomwaffen seit vielen Jahren befasste Kapitän zur See Bill Sanders und die beiden seit vielen Jahren mit Sicherheitspolitik befassten und für die Berufung der EMP-Kommission maßgeblichen Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses Newt Gingrich und Roscoe Bartlett zur Seite. Newt Gingrich hat das Vorwort zu dem Roman geschrieben.  Bill Saunders hat das Nachwort geschrieben. Roscoe Bartlet hat bei verschiedenen Reden die Romane One Second After von William Forstchen  und SS-18: The Satan Legacy
von Patrick Lowrie empfohlen. Er, Bartlett, lese zwar im Allgemeinen keine Romane, aber bei  diesen beiden sei das anders.

“One Second After – Die Welt ohne Strom” ist daher nicht einfach ein Roman, sondern faktisch ein in Romanform sehr gelungenes und spannend geschriebenes, inspirierendes, in die Problematik eines EMP-Angriffs oder extremen Sonnenstrum einführendes Lehrbuch für einfache Bürger  und Wähler ebenso wie für Politiker aller Ebenen, für Militärs und auch für Polizeichefs, Feuerwehrchefs, Ärzte und viele andere.

Die unserer westlichen Zivilisation drohende Katastrophe, die der Roman unter Bezug auf eine Vielzahl von Fakten schildert, könnte alleine in Deutschland mehr Tote fordern als beide Weltkriege zusammen an allen Fronten weltweit gefordert haben. Das heißt, es könnten ohne weiteres mehr als 10 mal soviele Bürger der Bundesrepublik umkommen wie durch die Massenmorde der Nazis an den Juden.

Der Roman erzählt das Leben und Sterben in einer kleinen Stadt in den Bergen im amerikanischen Bundesstaat Nord Carolina kurz vor, kurz nach und dann in den Tagen und Monaten nachdem eine Rakete mit drei Atomsprengköpfen von einem unscheinbaren Fachtschiff vor der amerikanischen Küste abgeschossen wurde. Die Sprengköpfe wurden in großer Höhe an drei gut gewählten Stellen der USA gezündet und haben die Stromnetze der USA vollständig und die Elektronik in den USA zum größten Teil zerstört.  Der Roman endet nach einem Jahr, als erstmals ein Militärkonvoi  die kleine Stadt erreicht und die ersten Nahrungsmittel und Medikamente seit dem Angriff bringt. In der kleinen Stadt in den Bergen sind bis dahin “nur” 8 von 10 Menschen an Hunger, Krankheiten und Gewalt gestorben.  Der den Konvoi mit den  Hilfsgütern führende Offizier bringt auch die ersten verlässlichen Nachrichten über die Gesamtlage.  Er sagt es gäbe in den USA wahrscheinlich nur 30 Millionen Überlebende (von  ca. 300 Millionen Einwohnern vor dem Angriff). New York hätte man nach dem Ausbruch einer Seuche vollständig abriegeln müssen und es gäbe dort wahrscheinlich nur noch 25-Tausend Einwohner.  In Florida gäbe es so gut wie keine Überlebenden. In den ländlichen Gebieten des  Mittleren Westens hätten aber mehr als die Hälfte der Bevölkerung überlebt.  Man habe nie herausgefunden, wer die Angreifer waren. Vermutlich wären es Terroristen gewesen.  Weltweit habe es drei solche Schiffe und entsprechende Angriffe gegeben. Einen  Angriff auf Japan und Südkorea, einer  sei aus dem Seegebiet um Island erfolgt und habe Russland getroffen. Man nehme aber an, es handele sich um eine technische Panne, und der Angriff habe eigentlich Westeuropa treffen sollen. Alle drei Schiffe seien unmittelbar nach dem Angriff explodiert, so daß es keine Spuren gäbe.

60 Tage nach dem Angriff seien an der amerikanischen Pazifikküste chinesische Soldaten gelandet um der hungernden amerikanischen Bevölkerung zu helfen. Die Chinesen hätten nun eine halbe Million Soldaten im Westen der USA stehen und von Abzug sei keine Rede. Mexiko habe weite Teile des Südens der USA besetzt um ein weiteres Vordringen der Chinesen zu verhindern. Die USA seien regelrecht zu Brei geschlagen worden.

Der Roman enthält sehr viele interessante Details und Geschichten aus der kleinen Stadt und auch von historischen Ereignisssen wie der Belagerung von Leningrad wird erzählt. Dem Leser wird dabei auf spannende, unterhaltsamme Weise ein Eindruck von die Tragik, der enormen Vielfalt der Probleme und auch von den menschlichen Abgründen vermittelt,  mit denen man es zu tun bekommt wenn eine moderne westliche Gesellschaft durch ein Großereignis wie einem EMP-Angriff ohne Vorbereitung kollabiert.

Insgesamt ist “One Second After – Die Welt ohne Strom” auch für jene, die normalerweise keine Romane lesen eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

Kelberg, den 6. August 2014

Christoph Becker

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4 Gedanken zu „Eine Sekunde danach“

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  2. Ich bezweifle das Szenario. Es unterschätzt bzw. negiert die Fähigkeit der Menschen, sich zu organisieren. Dies entspricht dem Wunschdenken der Machtelite, die damit ihre Herrschaft und an sich gerafften Privilegien legitimiert. Die Masche ist nicht neu: Durch Drohen mit Apokalypse und Hölle haben Adel und besonders Klerus schon immer ihre Herrschaft gefestigt -solange die Massen vor dem Weltuntergang bibbern, kommen sie nicht auf die Idee, die Gesellschaft zu verändern -ganz simples Prinzip. Dummerweise haben die Machteliten inzwischen -dank dummer Wissenschaftler, die aus Eitelkeit und Gier nicht an die Folgen dachten- tatsächlich Waffen bzw. Machtmittel, um viel Schaden für alle anzurichten. Die Machteliten reiben sich derweil die Hände, hetzen alle und jeden gegeneinander auf, besonders mit Markt-Rasse-Sozialdarwinismen, -und streichen die wachsenden Profite ihrer Mediendiktatur ein. Alter Spruch dagegen: Don’t mourn, organise! (Jammert nicht, organisiert euch -gegen eure Unterdrücker)

    1. Das Szenario ist ziemlich gut recherchiert. Der Autor, William Forstchen, ist Militärhistoriker. Er hat u.a. die Geschichte von der Belagerung Leningrads und ähnliches verarbeitet. Auch hat er Experten wie z.B. seinen Hausarzt, seinen Apotheker und die Chefs der Feuerwehr und der Polizei von Black Mountain (dem Ort wo der Roman spielt) befragt. Forstchen hat den Roman “One Second After: Die Welt ohne Strom, außerdem wohl auf Anregung von Roscoe Bartlet (Der Abgeordnete der vom Netz ging) geschrieben, der die EMP-Kommission ins Leben gerufen hat. Der Abschlussbericht der EMP-Kommission wurde fast zeitgleich mit dem Roman veröffentlicht. Die Kommission war ziemlich gut besetzt und der Bericht der EMP-Comission, an dem die einige Jahre gearbeitet haben, ist sehr lesenswert.
      Nicht vergessen sollten wir auch, dass wir heute in einer multikulturellen Gesellschaft leben, die es nur gibt weil und solange genug für alle da ist. Die Menschen werden bei Resourcenverknappung ethnozentrisch. Die eigenen Lebensmittelvorräte und Überlebenschancen zu steigern indem man die Menschen im Nachbarort oder im nächsten Tal überfällt ist zudem ein alte Klassiker der Menschheit. Wenn die Ressourcen knapp und die Bevölkerungsdichte zu hoch ist, dann gab und gibt es immer Krieg. Siehe auch William Sumners Essay On War. Die Bevölkerungsdichte in Deutschland ist heute doppelt so hoch wie vor der Hungersnot von 1917/18. Aus dem 19. Jahrhundert haben wir nur den Stand von 1834 (Liste der Volkszählungen in Deutschland). Demnach betrug die Bevölkerungsdichte 1834 weniger als ein Viertel des heutigen Wertes. Bei der Hungersnot 1816/1817 dürfte die Bevölkerungsdichte noch geringer gewesen sein. Wenn morgen ein EMP-Angriff mit ein bis zwei Atomsprengköpfen in Deutschland und Europa die großen Transformatoren und einen Großteil der Elektronik flächendeckend zerstören würde, während ein ähnlicher Angriff die USA lähmen würde, wäre unsere Landwirtschaft wesentlich weniger leistungsfähig als sie es 1816 oder 1916 war. Landwirtschaft, Gartenbau, Lebensmittelvorratshaltung und auch die Trinkwasserversorgung wären in keinster Weise für diesen Fall vorbereitet, so dass die Bevölkerungsdichte binnen eines Jahres wohl eher deutlich unter der nach dem 30-jährigen Krieg liegen würde. Damals, im Jahre 1648, hatte Deutschland eine geschätzte Bevölkerung von 10,5 Millionen Einwohnern, also etwa ein achtel des heutigen Wertes.
      Was will man anderes organisieren, als Raubzüge und Überfälle, wenn die Produktion von Lebensmitteln nicht mehr möglich ist, weil die Gerätschaften, das Wissen, das Saatgut und auch die Bodenqualität dazu fehlen, während man auch keine Lebenmittelvorräte mehr hat? Wenn man etwas anderes als Gewalt und Raubmord organisieren will, dann muss man es rechtzeitig tun. Man braucht mindestens 5 bis 10 Jahre um eine nachhaltige lokale Lebensmittelproduktion auf zu bauen und die Böden so zu verbessern, dass man solche Katastrophen wie einen EMP-Angriff, oder einen extremen Sonnensturm ohne Massensterben überleben kann. Ich habe ziemlich viel an Zeit und auch Geld investiert um herauszufinden, was zu tun wäre, wenn man vernünftig wäre. Ich habe auch gefunden was ich gesucht habe – und sogar viel mehr als ich erwartet habe. Auf meiner Webseite findet sich längst nicht alles dazu. Aber schlagen Sie das einmal Landwirten, Bürgermeistern oder Gemeinderäten oder auch Militärs vor. Die glauben letztlich alle sie seien nicht zuständig oder, das Essen käme für alle Zukunft auf wundersamme Weise auch weiter in die Supermärkte, das Trinkwasser komme aus dem Wasserhahn oder man könne es sonst bei Aldi oder Lidl kaufen, und Strom komme doch wie jedes Kind weiss, einfach aus der Steckdose. Wo Landwirte und Einzelpersonen die Gefahren sehen, haben sie zu recht den Einwand, dass es sich nicht lohnt irgendetwas zu tun, weil man dann im Ernstfall, wenn man noch etwas hat, ja doch geplündert und getötet würde. Anderseits bin ich aber meines Wissens in meiner gesamten Verbandsgemeinde der Einzige der z.B. Mitglied im Reservistenverband ist. D.h. ein Interesse aktiv etwas für die Verbesserung der lokalen Sicherheit zu tun ist bei über 99 % der Bevölkerung auch dann nicht vorhanden, wenn das eigentlich recht preiswert und einfach möglich ist.

      Die Bedrohung ist jedenfalls sehr real – aber mir scheint inzwischen es ist wie bei einem Reh, dass sich arglos im Fadenkreuz des Jägers befindet. Es erkennt die Gefahr nicht und dann kracht trotzdem der Schuss und es bricht ganz real tödlich getroffen zusammen.

      Ich für meinen Teil bibber übrigens nicht vor dem Weltuntergang. Ich sehe einfach nur kaltblütig was passiert, was für Möglichkeiten wer vielleicht hat, und was man tun könnte. Die Machteliten haben vielleicht gar nicht soviel Einfluss. Deren Lieblingstierchen, die Globalisierung, liegt seit Jahren im Sterben (sie The Collapse of Globalism: And the Rebirth of Nationalism von John Ralston Saul, dass immerhin schon 2005 erschienen ist). Die Niedrigszinspolitik der EZB, die Überschuldung verschiedener EU-Länder und auch das Entstehen und die Zunahme der Tafeln bzw. Suppenküchen, und vieles mehr zeigen, dass die Globalisierung und die Machteliten des Westen gescheitert sind. Die Machteliten des Westens haben zu lange auf den technischen Fortschritt gesetzt und sie haben dabei übersehen, dass dieser letztlich eben nicht von Aufklärung und Demokratie angetrieben und ermöglicht wurde, wie viele glauben, sondern von dem Zusammentreffen von rasantem Bevölkerungswachstum in Europa nach den Katastrophen des Mittelalters (Pest, 30-Jähriger Krieg), mit der Entdeckung neuer Kontinente und dann mit der Entdeckung der fossilen Energieträger. Dazu kam dann noch eine jahrhunderte lange genetische Selektion in einigen Ländern Europas, die wirtschaftlichen Erfolg und Disziplin belohnt hat. Nein, ich glaube nicht, dass sich die Machteliten des Westens die Hände reiben und die hetzen auch nicht alle und jeden gegeneinander auf. Was aufhetzt ist das Zusammentreffen von zunehmendem Wassermangel, Bodenerosion, Peak Soil, Peak Cheap Oil, Klimawandel und Bevölkerungsexplosion im Orient und anderen Teilen der Welt. In seinem Vortrag bei der MOSES Conference 2015 hat John Jeavons u.a. folgende Fakten aufgeführt:

    2. In nur 39 Jahren wird, wenn man so weitermacht wie bisher, keinen Mutterboden mehr haben um noch Nahrungsmittel an zu bauen
    3. Von 15 großen Fischbeständen der Weltmeere sind 5 nicht mehr produktiv. Die restlichen 10 werden es bald auch nicht mehr sein.
    4. Der größte Teil der Weltbevölkerung wird schon 2025 nicht mehr genug Wasser haben um genug Lebensmittel an zu bauen.
    5. Als er 1973 mit dem Gartenbau angefangen habe, habe der Kohlenstoffgehalt des Mutterbodens (Soil Organic Matter) bei 2,0 Prozent gelegen. Heute wären es nur noch 1,2 Prozent.
    6. Die Produktion von jedem kg Nahrungsmitteln kostet einige kg Mutterboden, und das nicht nur in der konventionellen Landwirtschaft sonder auch bei den üblichen Ökobauern.
    7. Gegen welche Unterdrücker sollen sich die Leute da organisieren? Die könnten sich organisieren um die Lebensmittel für ihre Dörfer und Gemeinden lokal mit den den Mutterboden und das Land wieder verbessernden Methoden von John Jeavons, Joel Salatin, Mark Shepard, P.A. Yeoamans zu produzieren. Die könnten sich organisieren um lokal Pflanzen zu züchten die an die Gegend angepasst sind und sie könnten lernen und damit anfangen sich unabhängig von Monsonato, Bayer-Crops und Co ihr Saatgut selber zu ziehen und verbessern. Und vieles mehr. Aber ich sehe nicht, dass sich da irgendwas irgendwie organisiert. Wenn alles zusammengebrochen ist, wie z.B. nach einem EMP-Angriff, dann hat man weder die Mittel noch die Zeit. Man müsste, wie oben schon erwähnt, 5 bis 10 Jahre vorher anfangen, aber dazu fehlt den meisten die Einsicht und die Motivation. Ich habe hier in und für Deutschland so gut wie keine Hoffnung mehr. Das Land und seine Bevölkerung sind verloren. Wir haben eine der am besten ausgebildeten Bevölkerungen, die Deutschland und die Welt jemals hatte, wir haben im Grunde einen phantastischen Wohlstand und ein phantastisches Wissen, aber es reicht nicht.
      Und noch etwas zu One Second After: Die Welt ohne Strom. Es geht nicht so sehr darum, dass genau dieses Szenarium eintreten kann. Es geht darum, dass dieses Szenarium die Zerbrechlichkeit unserer Zivilisation und die sich daraus ergebenden Gefahren
      sehr gut darstellt. Eine ganze Reihe anderer Ereignisse können ähnliche Folgen haben. Es geht mir darum, dass man mit einer vernünftigen Vorbereitung ein das Szenarium in One Second After die Gesellschaft insgesamt Resilienter und überlebensfähiger machen könnte und würde. Die Ernährung würde gesünder und sicherer. Und man könnte auch einen Krieg besser überleben. In Krieg, Ernährung, Völkermord. Forschungen zur deutschen Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg erwähnt Christian Gerlach auch das die deutschen Führung geplant hatte, die Bevölkerung im Gebiet der Sowjetunion weitgehend durch Hunger zu vernichten. Dieser Versuch ist zum Erstaunen der deutschen Planer fehlgeschlagen. Der ehemalige amerikansiche Konkressabgeordnete Roscoe Bartlett hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Russen durch ihre Gärten drastisch besser gegen Ausfälle der Lebensmittelversorgung gerüstet seien als etwa die Amerikaner. Das Buch von John Jeavons How to Grow More Vegetables (and Fruits, Nuts, Berries, Grains, and Other Crops) Than You Ever Thought Possible on Less Land ist bezeichnender Weise auch auf Russisch verfügbar, aber eben nicht auf Deutsch.

    8. Ich bezweifle das Szenario. Es unterschätzt bzw. negiert die Fähigkeit der Menschen, sich zu organisieren.

      Der Roman “One Second After: Die Welt ohne Strom” ist, wenn ich es mir genau überlege, im Wesentlichen eine Beschreibung der Organisation der Menschen bei einer solchen Katastrophe. Der Erzähler ist, wie der Autor, Oberst der Reserve und Dozent für Militärgeschichte. Er erzählt wie, zunächst unter der Leitung der gerade erst neu gewählten Bürgermeisterin, ein Krisenstab gebildet wird. Er erzählt wie der Arzt dort irgendwann vorträgt, dass und wie man die Lebensmittelreserven anders, nämlich nach Nützlichkeit der Empfänger für das Überleben der Gruppe, verteilen müsse, was dann auch gegen den Protest der danach nicht mehr erwähnten Bürgermeisterin, die gleiche Rationen für alle gefordert hatte, beschlossen wird. Er erzählt, wie die Verteidigung der Stadt organisiert wird und wie die aus der Küstenregion in die Berge, aufs Land strömenden Flüchtlingsströme behandelt werden. Auch da wird selektiert. Nur Menschen die wegen ihrer besonderen Qualifikation für das Überleben der Bürger der Stadt nützlich sein könnten, werden aufgenommen und bekommen auch etwas zu essen, die anderen werden abgewiesen. Dazu kommen dann tragische Einzelschicksale, wie die Frau mit den kaputten Stöckelschuhen, die eine hoch bezahlte Publikrelationberaterin eines Konzerns war, und die sich nun an der Straßensperre dem Kommandeur als Nutte anbietet und vergeblich um etwas zu Essen und um Aufnahme fleht, während eine zur Bürgerwehr gehörende Studentin sie mit dem Gewehr im Anschlag zurückweist. Der Kommandeur lässt sich nicht auf das Angebot und das Flehen der Frau ein und sie wird zurück in den Flüchtlingsstrom geschickt, obwohl alle wissen dass das ihr baldiges Ende bedeuten wird. Erzählt wird auch von einer gut organisierten Art Sekte, die sich irgendwo weiter weg gebildet hat und die nun die plündernd, mordend, vergewaltigend, brandschanzend und auch dem Kannibalismus huldigend durch das Land zieht und dabei eine Spur der Verwüstung hinter sich lässt. Als diese Gruppe auch die kleine Stadt Black Mountain erreicht, organisiert die Bürgerwehr unter der Führung des Erzählers den Abwehrkampf und es kommt zu einer Schlacht, bei der die Sekte besiegt wird und nach der die Überlebenden der Sekte hingerichtet werden. Bei Schlacht werden aber auch viele Bürger getötet und verwundet, und es wird erzählt wie die Versorgung der Verwundeten organisiert wird. Dabei wird, wie bei so etwas üblich, auch selektiert und entschieden wenn man vorsorgen und vielleicht retten kann und wen man mangels Ressourcen, auch wenn es schwer fällt, einfach sterben lässt.
      Erzählt wird auch wie man die Beschaffung von Nahrungsmitteln organisiert und dabei spezialisierte Gruppen bildet. Z.B. auch solche die essbare Wildpflanzen sammeln, oder solche die jagen. Behandelt wird ferner das Thema Trinkwasser. Black Mountain kann glücklicherweise zu einem großen Teil durch natürliches Gefälle trotz Ausfall der Stromversorgung weiter mit Trinkwasser versorgt werden. (Das Thema der für die Wasserqualität oft wichtigen Zusätze und Desinfektionsmethoden, die nach so einer Katastrophe nicht mehr verfügbar sind, wird nicht behandelt. Ebenso wird das Thema Rohrbrüche nicht behandelt.) Als die Nachbarstadt, weil sie nicht genug Nahrungsmittel hat, einen Teil ihrer Bevölkerung als Flüchtlinge nach Black Mountain schicken will droht man der Nachbarstadt erfolgreich mit der Zerstörung der auf dem Gebiet von Black Mountain befindlichen Trinkwasserspeicher der Nachbarstadt.
      Die staatliche Organisation in Form der amerikanischen Streitkräfte kommt zwischendurch nur einmal in Form eines vorbeifliegenden Hubschraubers vor. Erst nach genau einen Jahr nach dem EMP-Angriff kommt ein Konvoi der US-Army nach Black Mountain, der Medikamente und Lebensmittelrationen dabei hat und dessen Kommandeur berichtet was sich in den anderen Teilen der USA abgespielt hat. Dank der Organisation der Bürger von Black Mountain sind dann dort, nach einem Jahr “nur” 80 % der Bevölkerung umgekommen. Im Mittel sind in den USA, wie der Kommandeur des Armeekonvois berichtet, ca. 90 % der Bevölkerung umgekommen, wobei in einigen ländlichen Gegenden bis zu 50 % überlebt haben, während in anderen Gegenden und in den Städten nahezu die gesamte Bevölkerung umgekommen ist. Die Stadt New York habe man wegen einer Epidemie abgeriegelt und es gäbe dort nur ca. 30 Tsd. Überlebende.
      Wie der Oberstleutnant der USAF i.R, Albert Clark fast zwanzig Jahre früher, in seinem Roman “The Price of Peace” schreibt, kann man bei einem solchen Angriff noch mit einem anderen Effekt menschlicher Organisation rechnen: In “The Price of Peace” haben die Angreifer vor dem EMP-Angriff in großen Mengen leichte Waffen (Sturmgewehre und Pistolen) in die amerikanischen Städte geschmuggelt und sorgen dafür, dass diese nach dem Angriff an besonders gewaltbereite Bevölkerungsgruppen verteilt werden, womit man das Chaos und die Verluste unter der Bevölkerung maximiert.
      Zum Thema Organisation von Menschen in solchen Situationen wäre dann auch noch Jack Donovan zu beachten. Nach Donovan werden in einer solchen Situation, in der die staatlichen Strukturen faktisch zerstört sind, automatisch jede Menge Gangs junger Männer entstehen, wie wir sie jetzt schon in vielen Großstädten haben. Ich weise hier auf sein Interview “Sorgt für den Kollaps! ” in der Blauen Narzisse hin: http://www.blauenarzisse.de/index.php/gesichtet/item/4771-sorgt-fuer-den-kollaps

      Auch der andere Roman, SS18: The Satan Legacy, von Patrick Lowrie, erzählt im Wesentlichen von der Organisation der Menschen die zu einer solchen Katastrophe geführt hat und vor allem aber von der Organisation der Menschen bei und nach einer solchen Katastrophe. Bei Lowrie ist die Organisation und das Verhalten der einfachen amerikanischen Bürger nur ein Teil der Gesamtgeschichte. Lowrie erzählt verschiedene Geschichten parallel. Den größten Anteil hat dabei die Zusammenarbeit der amerikanischen Regierung und der Streitkräfte mit den Russen. Die Hauptfiguren sind ein Offizier der Navy Seals und eine russische Agentin, die zusammen mit der USAF am Ende in letzter Sekunde einen schon laufenden EMP-Angriff auf Europa verhindern. Später wird dann auch noch die Explosion einer von den Terroristen platzierten Atomwaffe in Israel in letzter Sekunde verhindert. Lowrie war bei der US-Navy und er war Elektroingenieur. Entsprechend ist der Schwerpunkt seiner Erzählung mehr technische, elektrophysikalische und militärische Aspekte. Z.B. behandelt er auch das Problem, dass die amerikanischen Atom-U-Boote einen Feuerbefehl haben, den sie automatisch ausführen wenn sie eine bestimmte Zeit lang keine Nachricht von der amerikanischen Regierung erhalten haben. Bei Ausführung dieses Feuerbefehls werden alle für einen Atomwaffenangriff auf die USA in Frage kommenden Länder angegriffen. An einer Stelle in dem dem Roman nur noch ein einziges Flugzeug mit der nötigen Spezialantenne im Einsatz, das dann in letzter Sekunde trotz technischer Probleme noch den Countdown für den Atomwaffeneinsatz stoppen kann.
      Ein weiterer Roman über die Organisation der Menschen in solchen Kriegsszenarien ist “Rohan Nation: Reinventing America After the 2020 Collapse”, von Drew Miller, einem Oberst d.R. USAF und PhD. Bei Miller kommt so ziemlich alles vor, was möglich ist. Ein von einem umgebauten Verkehrsflugzeug aus ausgeführter EMP-Angriff, Atomwaffenangriffe auf Verbände der US-Navy, Nuklearer Schlagabtausch mit strategischen Atomwaffen, B-Waffenangriffe, eine interessante Reflektion über die Vorteile von Atomartillerie und, wie auf der Umschlagseite zu sehen, auch richtige berittene Kavallerie, die bei ihm, im Jahr 2020, allerdings mit AR15 Gewehren bewaffnet ist, und natürlich auch eine Liebesgeschichte mit glücklichem Ausgang.

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