Überleben in der Eifel

Ich wohne mitten in der Eifel, und erwäge  auszuwandern, weil mir das Leben in der Eifel zu gefährlich ist.  Warum? Was müsste, was könnte, getan werden um die Eifel (und ähnliche Gebiete) zukunftssicherer zu machen?

Das größte Risiko ist die Lebensmittelversorgung. Bei einem Zusammenbruch der Infrastruktur, etwa bei Szenarien wie in dem Roman One Second After: Die Welt ohne Strom wäre man für Monate oder Jahre nicht mehr in der Lage, die Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Bevölkerungsdichte in der Eifel ist heute schon um ein Vielfaches höher als vor 200 Jahren, und selbst damals war man in schlechten Jahren kaum in der Lage die Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Siehe dazu z. B. den Artikel Naturkatastrophen und Notstände in der Eifel von Hans-Dieter Arntz.  Auch Naturkatastrophen, Kriege oder der Kollaps des Finanzsystems in anderen Teilen der Welt könnten die Versorgung der Bevölkerung in der Eifel verhindern.  Im ersten Weltkrieg gab es in Deutschland im Winter 17/18 eine Hungersnot weil im Land nicht genug Nahrungsmittel angebaut wurden. England hätte im 1. Weltkrieg wegen einer Hungersnot kapitulieren müssen, wenn der deutsche U-Bootkrieg etwas länger etwas erfolgreicher gewesen wäre. Im 2. Weltkrieg war die Aussicht auf eine die Kapitulation des Reiches und Aufstände der Bevölkerung provozierende Hungersnot im deutsche Reich einer der Gründe für den Angriff auf die UdSSR und sie war auch ein sehr wesentlicher Grund für die deutschen Massenmorde im Osten (siehe dazu das Buch Krieg, Ernährung, Völkermord. Deutsche Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg. von Christian Gerlach.

Es gibt jedenfalls gute Gründe, sich darüber Gedanken zu machen, wie man in einer kargen Gegend wie der Eifel bei einem lang andauernden Systemzusammenbruch die Bevölkerung ernähren kann. In der Eifel käme dabei noch dazu, dass insbesondere aus den Großstädten im Umkreis von 150 km hungernde Flüchtlinge zu erwarten wären.

Auch müsste man damit rechnen, dass Treibstoff, Ersatzteile, Düngemittel, modernes Hybridsaatgut und Pflanzenschutzmittel für die Landwirtschaft nicht mehr verfügbar sein könnten.

Generell sollte man sich in der Eifel darauf einstellen, dass der Tag kommt, an dem Benzin und Diesel so teuer werden, dass das Verkehrswesen mit Motorfahrzeugen nicht mehr so wie heute funktioniert oder völlig zusammenbricht. Auch dann wäre es sinnvoll, wenn man Strukturen hat, um die Bevölkerung lokal ernähren und beschäftigen zu können.

Was könnte man tun? Wie könnte man die Leute ernähren, wo doch vor 200 Jahren das Land für viel weniger Menschen nicht genug Nahrungsmittel hervorgebracht hat?

Ich habe eine Antwort gesucht und gefunden:
Man könnte rechtzeitig, das heißt ab 2015, Gärten im Umkreis der Dörfer und Kleinstädte der Eifel anlegen und man könnte dabei auf die Forschungsergebnisse und Erfahrung zurückgreifen, die insbesondere in den Büchern Mini-Farming – Autark auf 1000 Quadratmetern von Brett L. Markhem und How to Grow More Vegetables, Eighth Edition: (and Fruits, Nuts, Berries, Grains, and Other Crops) Than You Ever Thought Possible on Less Land Than You … (And Fruits, Nuts, Berries, Grains,) von John Jeavons erklärt werden.
Ein guter deutscher Artikel im Internet ist Grow – Biointensive – Mini – Farming .

Es dauert ungefähr 7 Jahre, um aus schlechtem Boden, wie wir ihn hier in der Eifel meistens haben, sehr gute, ertragreiche Beete zu machen.  Außerdem ist es noch immer schwere Handarbeit. So muss der Boden zunächst 60 cm tief, also zwei Spaten tief, gelockert bzw. umgegraben werden, und die Beete müssen so angelegt werden, dass man nicht mehr auf sie treten muss, sondern sie von der Seite bearbeiten und ernten kann.  Ich kann mich nicht erinnern, jemals in der Eifel eine derartige Vorbereitung und Aufbereitung von Beeten gesehen zu haben.
Das biointensive Gärtnern nach John Jeavons und Brett L. Markhem  beinhaltet aber noch viel mehr.  Es ist ein interessantes Gebiet. Ich würde mich gerne mehr damit befassen und selbst so einen Garten anlegen, aber was würde es nützen? Wenn es eine Hungerkatastrophe gäbe, würde man mich ausrauben und ermorden, wenn ich vorgesorgt hätte und die anderen nicht. Oder/und Gärten würde einfach geplündert oder ich würde enteignet. Also tue ich lieber nichts und setze mich höchstens rechtzeitig in ein anderes Land ab. Das heißt doch, ich tue schon etwas, etwa indem ich hier gerade Vorschläge mache, in der Hoffnung, vielleicht doch mit einer winzigen Wahrscheinlichkeit in dem Sinne Erfolg zu haben, dass sich in dem einen oder andere Dörfchen oder Städtchen in der Eifel oder sonst wo in Deutschland eine Mehrheit findet, dass sich Gemeinderräte oder Bürgervereine finden, um gemeinsam entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

Wie könnte man vorgehen? Man könnte im Umkreis der Dörfer und Kleinstädte von Seiten der Gemeinden oder durch Bürgervereine  Land kaufen, um dort allmählich eine lokale Lebensmittelversorgung aufzubauen.  Man könnte solche Tiefkulturbeete anlegen, Man könnte Brunnen in der Nähe der Gärten anlegen und mechanische, also von Strom und Elektronik unabhängige, mit Wind betriebene Wasserpumpen aufstellen, um die Gärten bewässern zu können. Man könnte die Bevölkerung schon in sicheren Friedenszeiten gesünder ernähren als heute und man hätte sehr gute Argumente, um gerade auch weiter denkende und damit meist qualifiziertere Menschen in die ländlichen Gemeinden zu locken oder dort zu halten. Wenn Mehrheiten, oder zumindest große Teile der Bevölkerung, in den Dörfern und Kleinstädten bei solchen Projekten mitarbeiten würden, dann könnte und würde man die Gärten und die Lebensmittel im Ernstfall auch schützen können.

Jedenfalls könnte man mit dem Wissen was man heute z. B. auch in Form der oben erwähnten Bücher über biointensiven Gartenbau hat, die Ernährung der Bevölkerung auch in der Eifel, auch in Notzeiten und trotz der heute viel höheren Bevölkerungsdichte sichern und Hungersnöte vermeiden, wenn man vorausschauend plant und rechtzeitig, d. h. bald mit den Vorbereitungen anfängt.

Auch wenn man das Glück hat, dass keine Katastrophe und Hungersnot kommt, würden die Bürger und die Orte davon profitieren, wenn sie in ihrem Umkreis solche hoch ertragsfähigen, gesunden Lebensmittel produzierende Gärten und Mini-Farmen realisieren und betreiben würden. Der oder die ersten Orte die damit anfangen, hätten eine Attraktion und einen Wettbewerbsvorteil mehr, und sie könnten vielleicht auch öffentliche Fördermittel bekommen.

 

Kelberg , den 7.12.2014

Christoph Becker

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5 Gedanken zu „Überleben in der Eifel“

  1. Guten Abend Herr Becker,

    Ihren Blog lese ich ja schon lieber als die FAZ oder die SZ 😉

    Nun, ich habe mir schon oft ähnliche Gedanken über dieses Thema gemacht. So sehr ich mich mit Rationierung, Lebensmittelanbau, Notfallmedizin und und und beschäftigt habe, bin ich doch immer auf das gleiche Ergebnis gekommen:

    Sämtliche Pläne bedürfen einer gewissen zivilisatorischen Vorarbeit, die von anderen gemacht werden muss (i.e. Wertschöpfungskette). Das wird es dann aber nicht mehr geben, weder hier in DEU noch in anderen Ländern. Was Sie oder mich oder wen auch immer am Leben halten wird ist meiner Meinung nach:
    -Waffen + sicherer Umgang (Raubmord wird an der Tagesordnung sein)
    -Eine Gemeinschaft die sich gegenseitig unterstützt, aushilft und beschützt

    Ersteres für das Ü b e r leben. Letzteres für das Leben.
    Ehemalige Erkennungszeichen einer Gemeinschaft wie Kultur, gemeinsame Werte o.ä. haben wir nicht mehr.
    Ich stelle mir daher eher die Frage, wie man eine funktionierende Organisation aus dem nichts erschaffen kann, die auch anziehend für andere, gleichgesinnte Menschen ist.

    Da ist auswandern kontraproduktiv 😉

    1. Danke für Ihre Kommentare.
      In “Katastrophenschutz-Genossenschaften” finden Sie fast unverändert den Vorschlag, den ich bei der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel für den Zukunftspreis Heimat 2014 eingereicht habe. Meine Hoffung ist, dass sich hier und da in Deutschland jeweils lokal einige vernünftige Menschen zusammenfinden und solche Genossenschaften gründen, und dass man so die auch von Ihnen für nötig gehaltenen Gemeinschaften aufbauen kann, die vorsorgen, die sich gegenseitig unterstützen, aushelfen und beschützen. Das Thema Waffen und Training mit Waffen habe ich nicht offen angesprochen, aber es ist in meinem Vorschlag der Katastrophen-Schutzgenossenschaften eingearbeitet:

      Die Genossenschaft würde im Katastrophenfall mit ihren Vorräten und Vermögen große Gewinnen machen können – wenn sie auch das Sicherheitsproblem im Griff hat. Das Sicherheitsproblem sollte ein weiteres wichtiges Projekt der Katastrophenschutzgenossenschaften sein. Polizei und Justiz sind selbst jetzt, in ruhigen Friedenszeiten überfordert, wie z.B. das Buch Das Ende der Sicherheit: Warum die Polizei uns nicht mehr schützen kann
      von Franz Solms-Laubach, aber auch persönliche Gespräche mit Betroffenen zeigen.

      Eine praktikable Lösung, die ich inzwischen entdeckt habe sind die Reservistenkameradschaften (genauer die zugehörigen RAGs für Schießsport, d.h. Reservistenarbeitsgemeinschaften). In einer Reservistkameradschaft kann man auch Mitglied werden ohne dass man Wehrdienst geleistet hat (ich selber habe Wehrdienst geleistet und diesen als OStA d. R. beendet). Diese Kameradschaften bieten eine ganze Menge, einschließlich dem Kontakt zur BW und damit fachkundige Betreuung und Kameradschaft mit professionellen Soldaten. Die BW bietet damit eine Möglickheit für Einzelpersonen und lokale Gruppen etwas für die Heimatverteidigung und die Verbesserung der Sicherheit in Katastrophenfällen zu tun. Faktisch sind wir damit garnicht soviel schlechter gestellt als die Schweizer. Über den Schießsport der Reservistenkameradschaften sind auch Erwerbserlaubnisse für Pistolen, Revoler und halbautomatischen Gewehre erhältlich. Unter anderem für aktive Mitglieder des BDS gibt es das natürlich auch, aber passende Schießstände des BDS sind seltener, vorallem über 300 m. Dafür bieten der BDS und auch viel Jagdvereine die Möglichkeit des auch viel Freude machenden, das Koordinations und Reaktionsvermögen übenden Wurfscheibenschießens.
      Ist auswanderen kontraproduktiv?
      Ich glaube das kommt auf den Fall an. Ich bin z.B. beruflich sehr mobil, aber ein Beamter und viele andere sind es nicht.
      Deutschland ist unter anderem wegen seiner zentralen geographischen Lage, wegen der Unfähigkeit seiner Politiker und wegen des fehlenden Poblembewußtseins der Mehrheit seiner Bevölkerung ein zunehmend gefährlicher und ungemütlicher Ort. http://www.freizahn.de ist ein Versuch zumindest lokal positive Veränderungen zu erreichen, die ein Auswandern vielleicht überflüssig machen, aber die Chancen dass dies gelingt sind meines Erachtens gering.

  2. Hallo Herr Becker,
    ich bin gestern auf Ihre Seiten gestoßen und möchte Ihnen zunächst Danke sagen für die vielen wesentlichen Informationen und Standpunkte, die Sie zusammengetragen haben.
    Ich habe mich mit dem Thema Katastrophenschutz schon einmal beschäftigt, es dann auf Grund beruflicher Belastung wieder ad acta gelegt. Ich bin gerade sehr bewegt von diesem Artikel, weil ich an die vielen Menschen denke, die unter einer Katastrophensituation leiden werden. Ich hoffe sehr, dass sie nicht eintritt, aber viele Zeichen sprechen dagegen.
    Danke für Ihren Weckruf, ich werde jetzt überlegen, as ich in meinem Umfeld knkret tun kann.
    Im übrigen ist es herrlich zu sehen, wie Sie Ihren Beruf “nur” als Lebensgrundlage einordnen und darüber hinaus sich in so viele Themen einarbeiten.
    Frohe Ostern
    Jean

  3. Man kann auch einfach bei einem Biohof in seiner Nähe eine Hofkiste abonnieren. Das stärkt die lokale Agrarwirtschaft und verringert die Abhängigkeit vom agroindustriellen Komplex. Das kostet keine Zeit, Essen kaufen muss man eh und jeder kann es tun, ohne selbst aktiv gärtnern zu müssen. Außerdem haben dann andere Leute (der Biogärtner) einen finanziellen Anreiz, sich professionell mit nachhaltigem Gartenbau zu beschäftigen.

    1. Die Frage die mich interessiert ist, wie man an Essen kommt wenn man es nicht mehr kaufen kann. Ein alter Mann der die Notzeit nach dem 2. Weltkrieg in der Eifel als Kind erlebt hatte und dem ich meine Bedenken etwa wegen des EMP-Risikos erklärt habe meinte, dann, also nach einem Zusammenbruch unserer Infrastruktur, bekomme nur noch etwas zu essen wer eine Pistole hat. Mein Einwand dagegen ist, dass man mit Waffen nur die Verteilung der noch verfügbaren Lebensmittel und nicht die insgesamt verfügbare Menge regeln kann. Wenn viele eine Pistole haben und insgesamt nur wenig zu Essen da ist, dann wird es zudem auch für die Besitzer von Pistole sehr gefährlich, denn in einer solche Situation sind auch die Mittel und Möglichkeiten zur Behandlung von Schusswunden nur noch minimal bis nicht vorhanden, und außerdem muss auch jemand mit Pistole damit rechnen, dass ein anderer schneller und genauer schießt.
      Zur lokalen Agrarwirtschaft muss ich leider feststellen, dass diese alles andere als nachhaltig und krisenfest ist. Selbst die deutschen Biobauern sind süchtig nach aus fossilen Brennstoffen hergestellten Produkten und würden bei einem Systemcrash nicht mehr produzieren können.
      Inzwischen bin ich mit meinen Erkundungen im übrigen sehr viel weiter als damals, als ich den Betrag “Überleben in der Eifel” geschrieben habe. Ich habe z.B. inzwischen ein dreitägiges Seminar bei Sepp Holzer absolviert, den inzwischen von Holzers Sohn geführten Kramterhof besichtigt, und wie man an der im Juni überarbeiteten und erweiterten Version meines Beitrags über das Yeomansche Hauptliniensystem sieht.

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