Auf dem Weg zum großen Krieg?

Am Do., dem 6. Oktober 2016 abends habe ich in den Nachrichten auf RussiaToday einige sehr beunruhigende, schon ein wenig eine Gänsehaut  verursachende Kommentare und Sichtweisen amerikanischer Offizieller gehört und gesehen.  Heute, am 7. Oktober fanden sich auch in deutschen Medien entsprechende Meldungen – und ich habe noch etwas mehr gefunden.

Doch hier nun zunächst der Nachrichtenbeitrag von RussiaToday vom 6. 10.2016, in dem die Amerikaner meines Erachtens den Russen ziemlich unverblümt mit Krieg drohen und in dem der Chef der amerikanischen Armee sich für meinen Eindruck deutlich zu siegessicher und zu selbstbewusst gibt.

Dazu hier zunächst am 7.10.2016 auf dem deutschen Kanal von RussiaToday veröffentlichte russische Antwort: „Haben alle Maßnahmen ergriffen“ – Russland warnt „Hitzköpfe“ in den USA vor Angriffe auf Syrien.

(Nachtrag 8.10.16, vom deutschen Kanal von RussiaToday schon am 5.10.16 hochgeladen: Nach gescheitertem Friedensprozess: Eskaliert der Syrien-Krieg?  Demnach gibt es in der amerikanischen Führung unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen, sich dazu auch noch oft verändernden Meinungen.)

Auf Focus.de  dazu ebenfalls am 7.10.2016:  Angespannte SicherheitslageUS-Militärchefs prophezeien: “Der Dritte Weltkrieg wird extrem tödlich und schnell”.

Ebenfalls auf Focus am 6.10.2016 abends: Die Bedrohung des elektronischen ZeitaltersAnti-Viren-Guru McAfee warnt: Diese Waffe könnte 90 Prozent aller US-Amerikaner auslöschen.  Diese Meldung von McAfees Bedenken wegen eines EMP-Angriffs und seiner möglichen Folgen hat Focus fast identischen, schon ein Jahr früher, am 7.10.2016 gebracht.

Was mich nun wirklich beunruhigt ist, dass heute, am 7.10.2016 auch Chris Martenson auf peakprosterity.com einen Artikel mit dem Titel  Do We Really Want A War With Russia?  Because we’re in danger of getting exactly that  (dt.: Wollen wir wirklich Krieg mit Russland? Wir sind nämlich in Gefahr genau das zu bekommen) veröffentlicht.

Ich übersetze hier nur die ersten beiden Sätze seines Artikels:

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass sich die Dinge zwischen den USA und Russland verbessern, aber sie tun das nicht. Sie verschlechtern sich rasant.

Es passiert gerade viel, ich kann nur eine Zusammenfassung von einigen der interessanteren und beunruhigenderen Entwicklungen geben.

und die letzten beiden letzten Sätze seines Artikels:

Also, bedauernswerterweise, verfolgen sie die Aktionen der Deutschen und der Russischen Regierung und bereiten Sie sich selber auf einen Krieg vor. Während wir alle hoffen, dass dies auch vorbeigeht und kühlere Köpfe die Oberhand gewinnen, ist Hoffnung alleine eine schrecklich schlechte Strategie.

Was ich heute auch noch einmal gelesen habe, war der Artikel  Schutz vor einem EMP-Angriff von Florian Rötzer auf Telepolis, bei Heise.de.

Am 18. Mai 2016 gab es beim US-Senat eine Anhörung mit dem Titel: Assessing the Security of Critical Infrastructure: Threat, Vulnerabilities, and Solutions. Ich habe mir nicht die ganzen 2 Stunden und 21 Minuten dauernde Veranstaltung angehört, sondern nur einen Teil. Aber das reicht, um zu verstehen, dass die USA auf einen modernen Krieg mit einer Großmacht wie Russland, die in der ersten Runde, wenn es richtig zur Sache geht,  voraussichtlich die technische Infrastruktur des Gegners angreifen wird,  nicht wirklich vorbereitet sind.  Es darf angenommen werden, dass Deutschland erst recht nicht auf einen solchen Krieg, bei dem unter anderem sämtliche großen Transformatoren zerstört werden, so dass die Stromversorgung für Jahre ausfällt, und vermutlich nie mehr ganz hergestellt werden wird, vorbereitet ist.

Dazu passt auch der offene Brief amerikanischer Sicherheitsexperten an Präsident Obama, vom 14. Mai 2015, von dem ich eine Übersetzung angefertigt hatte:  OFFENER BRIEF AN OBAMA WEGEN EMP-RISIKO.

Zum Thema EMP siehe auch meinen schon etwas älteren Beitrag Weitere Literatur zum Thema EMP, in den auch eine Fernsehdokumentation eingebunden ist, die recht gut erklärt wie so ein Angriff aussehen könnte und warum er so gefährlich ist.

Man kann nur mit Chris Martenson hoffen, dass nüchterne, sich der Gefahr und der Risiken bewusste Leute durchsetzen. Weder die USA noch Deutschland und Europa sind für einen großen Krieg gerüstet.

Im Grunde haben die USA, aber auch Deutschland und der Rest Westeuropas den nächsten Krieg bisher zumindest schon im Voraus verloren und sind damit ein Beispiel dafür, wie Verteidigungspolitik eben nicht aussehen sollte.

Ein Angriffe  auf die Infrastruktur und Nahrungsmittelversorgung ist nicht nur heute die verwundbarste Stelle der westlichen Länder. Im Gallischen Krieg, vor über 2050 Jahren  haben die  Kelten unter  Vercingetorix  versucht durch Zerstörung von Nahrungsmittelvorräten und Versorgungsmöglichkeiten den Krieg zu gewinnen:

Nach dieser Niederlage entschloss sich Vercingetorix zur Taktik der Verbrannten Erde: Die Gallier zerstörten Siedlungen und Nahrungsvorräte, nur die gut befestigte Stadt Avaricum (Bourges) wurde verschont. Caesar belagerte die Stadt, Vercingetorix ließ sich mit seinen Truppen 20 Kilometer entfernt von Avaricum nieder. Caesars Heer litt unter Versorgungsproblemen, trotzdem errichteten die Legionen zahlreiche Belagerungswerke, mit deren Hilfe sie Avaricum an einem regnerischen Frühlingstag erstürmten. Nach Angaben Caesars überlebten die Erstürmung Avaricums 800 von 40.000 Einwohnern.

Und dann kam die letzte große Schlacht , die  von Alesia, die das  Schicksal  Galliens besiegelte:

Caesar ließ ein umfangreiches System von Wällen, Gräben und Palisaden um die Stadt errichten, das sowohl gegen eventuelle Ausbrüche aus der Stadt als auch gegen eine Entsatzarmee gerichtet war. Die absehbare Nahrungsmittelknappheit trieb Vercingetorix dazu, Frauen und Kinder aus der belagerten Festung auf die Römer zuzutreiben, die diese weder ernährten noch abziehen ließen. Da ihre Männer sie ebenfalls nicht wieder einließen, starben sie vor deren Augen den Hungertod. Als sich ein gallisches Entsatzheer der Stadt näherte, wagte Vercingetorix den Ausbruch, der an den Verteidigungsanlagen der Römer scheiterte.[13]

Angesichts der hohen Verluste vor den Verteidigungslinien der Römer riet Vercingetorix seinen Truppen angeblich, sich zu ergeben und ihn an den Sieger auszuliefern, um bessere Bedingungen zu erlangen.

Das war vor über 2050 Jahre. Was ist heute, wenn man Frankreich und Deutschland  den Strom abstellt oder/und auf die eine oder andere Weise den Nachschub für die Landwirtschaft unterbricht.

Vor knapp 100 Jahren, im 1. Weltkrieg hat es in Deutschland trotz der gegenüber heute um die Hälfte niedrigeren Bevölkerungsdichte eine Hungersnot  gegeben: Rationierung und Lebensmittelknappheit im 1. Weltkrieg und Steckrübenwinter.  Insgesamt sollen im 1. Weltkrieg in Deutschland ca. 800.000 Menschen an Hunger und Unterernährung gestorben sind. Dabei war die Abhängigkeit der Landwirtschaft damals von Technik, Treibstoff, Strom, Ersatzteilen und Chemieprodukten auch von dazuzukaufendem Saatgut drastisch geringer als  heute. Die pro Kopf verfügbare landwirtschaftlich nutzbare Fläche war viel größer  und man hatte das Wissen und die Hilfsmittel um  mit den vorhanden Mitteln  Nahrungsmittel  zu produzieren. Würde es in nie dagewesenem Umfang an Mitteln und Wissen zu Nahrungsmittelproduktion fehlen, wenn die industrialisierte Landwirtschaft in Folge von direkten oder indirekten Kriegseinwirkungen ausfallen würde. Es würden sogar noch vorhandene Ernten auf den Feldern verderben und ein großer Teil der Tierbestände in den Massentierhaltungsbetrieben würde verenden und ungenießbar werden. Es  wäre  ein Elend,  ähnlich dem  von  damals vor 2050 Jahren ,  zwischen den  Fronten  vor Alesia.

Kelberg, den 7.10.2016

Christoph Becker

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