Die Bergpredigt

Durch Gegenüberstellung von Ausschnitten aus drei Bibelübersetzungen möchte ich hier auf eine weithin unbekannte Version des Neuen Testamentes hinweisen, die Jesus und das Christentum in einem deutlich anderen, wie ich meine besseren und vernünftigeren Licht erscheinen lässt.

Im nachstehenden Text habe ich folgende Bibelübersetzungen verwendet:

  1. Die Lutherbibel der evangelischen Kirche in der Fassung von 1984, mit neuer Rechtschreibung.
  2. Die Übersetzung der Heiligen Schrift von Hermann Menge. Diese gilt als besonders zuverlässig und genau.
  3. Das Neue Testament nach Pfarrer Johannes Greber. Die Entstehungsgeschichte und der Hintergrund des Autors sollten hier zunächst nicht weiter interessieren. Ich bitte darum, einfach die Unterschiede zu den beiden anderen Übersetzungen zu betrachten und auf sich wirken zu lassen. In späteren Beiträgen werde ich auf Johannes Greber und seine Geschichte und auch auf die möglichen Ursachen und den Nutzen von Religion im Allgemeinen näher eingehen. Zunächst möchte ich aber hier die Bergpredigt und danach noch einige weitere für die Glaubwürdigkeit des Neuen Testamentes und des Christentums wichtige Passagen der verschieden Übersetzungen gegenüberstellen.

Die Bergpredigt umfasst das Evangelium nach Matthäus Kapitel 5 – 7 und und das Evangelium nach Lukas Kapitel 6:20 – 49.

Ich möchte mit Matth. 5, 17 – 19 beginnen. Den meisten Christen dürfte nicht bewusst sein, dass Jesus nach den Seeligpreisungen (Matth. 5, 1 – 12) und dem Salz- und Lichtabschnitt (Matth 5, 13 – 16) das Folgende, mit den bekanntesten Teilen der Bergpredigt und mit den meisten Lehren der heutigen Kirchen völlig Unvereinbare gesagt hat:

Lutherbibel Hermann Menge Johannes Greber
17 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.
19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.
17 »Denkt nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen (= aufzuheben)! Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen (d.h. zur Erfüllung zu bringen).
18 Denn wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird vom Gesetz nicht ein einziges Jota (d.h. der kleinste Buchstabe) und kein Strichlein vergehen (= aufgehoben werden), bis alles in Erfüllung gegangen ist.
19 Wer also ein einziges von diesen Geboten – und wäre es das geringste – auflöst (= aufhebt) und die Menschen demgemäß lehrt, der wird der Geringste (oder: Kleinste) im Himmelreich heißen; wer sie aber tut und (die Menschen), so lehrt, der wird groß im Himmelreich heißen.
17 Denkt ja nicht, daß ich gekommen sei, um abzuschaffen, was das Gesetz und die Propheten lehren. Nein, ich bin nicht gekommen, um abzuschaffen, sondern um zu erfüllen. 18 Und ich versichere euch mit aller Bestimmtheit: Bis zu dem Augenblick, wo das Himmelsgewölbe und die Erde ihre jetzige Darseinsform verlieren, wird am Gesetz nicht ein einziges Strichlein geändert werden. 19 Alles muß erfüllt sein. Wer also ein einziges von diesen Geboten – und wäre es das kleinste – aufhebt und die Menschheit die Aufhebung lehrt, der wird als der Geringste im Jenseits gelten. Wer aber alles erfüllt und die Menschheit entsprechend lehrt, der wird im Jenseits groß dastehen.

Halten wir fest. Nach drei Übersetzungen hat Jesus ziemlich am Anfang der Bergpredigt ganz klar gesagt, dass er nicht gekommen ist das Gesetz des Moses zu ändern, sondern um es zu erfüllen. Das heißt er sieht seine Aufgabe – und die des Christentums – nicht in der Aufhebung der Gesetze des Moses, sondern nur in deren Ergänzung und Erweiterung der alttestamentlichen Gesetze.

Lassen Sie uns nun zum berühmtesten Teil der Bergpredigt kommen, dem Abschnitt über die Vergeltung. Die Übersetzung von Johannes Greber weicht hier fundamental von den anderen Übersetzungen ab. Sie passt aber als einzige zum Kontext und auch zu dem was Jesus vorher über die weitere Gültigkeit der alttestamentlichen Gesetze gesagt hat. Der für das Verständnis wichtige Trick ist hier die Ausführungen über das Schwören und über die Vergeltung zusammenzufassen und sich dann zu vergegenwärtigen, dass Bibeln früher durch Abschreiben vervielfältigt wurden. Offensichtlich hat da jemand in der Anfangszeit der Weitergabe des Neuen Testamentes einige Worte aus Müdigkeit oder warum auch immer einfach weggelassen. Hier also nun die Abschnitte über das Schwören und die Vergeltung, nämlich Matth. 5: 33 – 42:

Lutherbibel Hermann Menge Johannes Greber
33 Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist (3.Mose 19,12; 4.Mose 30,3): »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.«
34 Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron;
35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs.
36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen.
37 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«
39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.
42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.
33 Ihr habt weiter gehört, daß den Alten geboten worden ist (3.Mose 19,12; 4.Mose 30,3-4): ›Du sollst nicht falsch schwören‹, ›sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen!‹
34 Ich dagegen sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,
35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs (d.h. Gottes).
36 Auch bei deinem Haupte sollst du nicht schwören, denn du vermagst kein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen.
37 Eure Rede sei vielmehr ›ja ja – nein nein‹; jeder weitere Zusatz ist vom Übel (oder: stammt vom Bösen).
38 Ihr habt gehört, daß (den Alten) geboten worden ist (2.Mose 21,24; 3.Mose 24,19-20): ›Auge um (= gegen) Auge und Zahn um (= gegen) Zahn!‹
39 Ich dagegen sage euch: Ihr sollt dem Bösen (= der Bosheit) keinen Widerstand leisten; sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin,
40 und wer mit dir einen Rechtsstreit anfangen und dir den Rock nehmen (= pfänden) will, dem überlaß auch noch den Mantel,
41 und wer dich zu einer Meile Weges nötigt (= preßt), mit dem gehe zwei.
42 Wer dich (um etwas) bittet, dem gib, und wer (Geld) von dir borgen will, den weise nicht ab!.
33 “Ihr habt ferner gehört, daß zu den Urvätern gesagt wurde: ‘Ein eidliches Versprechen darfst du nicht brechen, sondern mußt das halten was du unter der Anrufung des Herrn versprochen hast.’ 34 Ich aber lehre euch: Ihr dürft eure Versprechen überhaupt nicht durch einen Eidschwur bekräftigen; nicht durch einen Schwur bei dem Himmel; denn er ist der Thron Gottes; 35 nicht durch einen Schwur bei der Erde; denn sie ist seiner Füße Schemel; nicht durch einen Schwur bei Jerusalem; denn sie ist die Stadt des großen Königs. 36 Nicht einmal bei deinem Haupte sollst du einen solchen Schwur leisten, denn du vermagst kein einziges deiner Haupthaare weiß oder schwarz zu machen.37 Aber euer einmal gegebenes Ja-Wort soll auch ein Ja-Wort bleiben und darf nicht in ein “Nein” umgeändert werden; denn Leute die ihr Wort nicht halten, haben ein überreiches Maß an Unannehmlichkeiten von dem zu erwarten, dem sie durch ihren Wortbruch Mühsal bereitet haben. 38 Wenn ihr auch gehört habt, daß man den Satz geltend machte: ‘Aug um Auge, – Zahn um Zahn’ – 39 so lehre ich euch jedoch, demjenigen nicht feindlich entgegenzutreten, dem ihr durch euren Wortbruch selbst Mühsal bereitet habt; sondern wenn dich ein solcher auf die eine Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin. 40 Und will er mit dir wegen deines Gewandes, das du ihm versprochen hattest, einen Prozeß führen, dann überlasse ihm auch den versprochenen Mantel. Und zwingt er dich, eine Meile weit sein Gepäck zu tragen, wie es vereinbart war, dann begleite ihn lieber noch zwei weitere Meilen. Wer dich um das Versprochene bittet, dem gib es; und wer zu dir kommt um das zugesagte Darlehn in Empfang zu nehmen, dem kehre nicht den Rücken.

Wenn Jesus bei der Bergpredigt tatsächlich das gesagt hätte, was die Lutherbibel und auch der Übersetzung der Heiligen Schrift von Herrmann Menge vermuten lassen, dann hätte Jesus schon ziemlich früh an Demenz gelitten, weil er schon nach wenigen Minuten bei der Bergpredigt nicht mehr gewusst und beachtet hätte, was er vorher in der selben Rede gesagt hat.

Johannes Greber bietet an dieser kritischen Stelle aber eine sehr elegante Version an, die uns zeigt, dass Jesus sich tatsächlich an das gehalten hat was er gesagt hat. Er hat das Gesetz des alten Testamentes nicht aufgehoben oder geändert, sondern nur sinnvoll ergänzt. Offenbar gab es nämlich Fälle, wo durch Schwüre und mündliche Zusagen geschlossene Verträge entgegen der Forderung des alten Gesetzes, nicht gehalten wurden, und wo dann der dadurch Geschädigte und zurecht erboste Vertragspartner gewalttätig geworden ist. Für diese, also für durch Verstöße gegen das alttestamentliche Gesetz ausgelöste Gewaltaten, sollte das Recht auf Vergeltung nicht gelten. Das ist vernünftig und verändert das alte Gesetz nicht, sondern verbessert es.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es dann auch nicht mehr, dass Jesus nach dem letzten Abendmahl seine Jünger dazu aufgerufen hat sich zu bewaffnen: Evangelium nach Lukas (Lk 22:36 – 38)

Lutherbibel Hermann Menge Johannes Greber
66 Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Geldbeutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche, und wer’s nicht hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe ein Schwert.
…. 38 Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.
36 Er fuhr fort: »Jetzt aber – wer einen Beutel (mit Geld) hat, der nehme ihn mit sich, ebenso auch einen Ranzen, und wer nichts (derartiges) hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe sich ein Schwert!A
A) Wahrscheinlich ist zu lesen: Und wer kein Schwert hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe sich eins.
…. 38 Da sagten sie: »Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter!« Er antwortete ihnen: »Das genügt.«A
A) A.Ü.: Genug davon! (oder: Es ist gut so).
36 “Jetzt aber” – sagte er – “soll derjenige, der einen Beutel Geld hat, ihn mitnehmen und auch eine Reisetasche; und wer nichts besitzt, verkaufe seinen Mantel und kaufe sich ein Schwert. ….. 38 “Herr”, erwiderten sie – “wir haben hier zwei Schwerter!” Er antwortete: “Es ist schon genug.”

 

Etwas später, bei der Gefangennahme Jesu hat dann auch tatsächlich einer seiner Jünger von seinem Schwert Gebrauch gemacht : Evangelium nach Lukas 22:49 – 51

Lutherbibel Hermann Menge Johannes Greber
49 Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?
50 Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab.
51 Da sprach Jesus: Lasst ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.
49 Als nun die Begleiter Jesu sahen, was da kommen würde, sagten sie: »Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?«,
50 und einer von ihnen schlug (wirklich) nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab.
51 Jesus aber antwortete: »Laßt ab! Bis hierher und nicht weiter!« Dann rührte er das Ohr an und heilte ihn.
49 Als die Begleiter Jesu erkannten, was vorging, fragten sie: “Herr, sollen wir mit dem Schwerte dreinschlagen?” 50 Und einer von ihnen schlug auch wirklich dauflos und traf den Knecht des Hohepriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. 51 Jesus aber sagte zu ihnen: “Laßt es dabei bewenden!” Dann streckte er seine Hand nach dem Knechte aus, erfaßte ihn und heilte ihm das Ohr wieder an.

 

Zusammenfassung:

Die Bergpredigt  wurde offensichtlich sinnentstellend überliefert. Der ehemalige katholischen Pfarrer Johannes Greber, hat eine Übersetzung des Neuen Testamentes anfertigt, die drastisch logischer und realistischer ist, als die offiziellen Übersetzungen und Lehren der christlichen Kirchen. Johannes Grebers Übersetzung könnte eine Reformation und Wiederbelebung des Christentums ermöglichen.

Wenn jemand einem guten Christen unbegründet auf die rechte Backe schlägt, dann gilt das alttestamentliche Recht auf Vergeltung auch für Christen und der Christ darf und soll zurückschlagen, und dem Bösen entschieden entgegentreten.

Noch wichtiger war für mich die Einsicht, dass alle verfügbaren Übersetzungen des Neuen Testamentes ganz klar zeigen, dass Jesus in der Bergpredigt gesagt hat, dass das Gesetz des Alten Testamentes weiter gilt, und dass er lediglich gekommen ist, um dieses zu Erfüllen und – wie die weitere Bergpredigt zeigt – auch zu ergänzen. Die offiziellen Überlieferungen der Bergpredigt haben allerdings den Eindruck suggeriert, dass Jesus selber in eben dieser Rede sich selbst widersprochen und grundlegende Abweichungen von der Lehre des alttestamentlichen Gesetzes gelehrt habe.  Damit konnte die Glaubwürdigkeit Jesu und die Bedeutung seiner Lehre relativiert werden. Wenn Jesus sich scheinbar schon selbst so grundlegend in der Bergpredigt widersprochen hatte und zudem so völlig weltfremde Forderungen aufgestellt hatte, dann hatten damit spätere Kirchenfürsten nahezu jeden Freiraum für weitere Verdrehungen und Veränderungen der Lehre Jesu und waren faktisch nicht mehr an das Gesetz gebunden.  Um so erstaunlicher ist, dass Pfarrer Johannes Greber unter anderem diese Änderungen der Bergpredigt schlüssig ausgleichen konnte, und dass ich damit heute die Möglichkeit habe diese Änderungen für jedermann zugänglich im Internet, in wie ich hoffe leicht verständlicher Weise sichtbar aufzuzeigen.

Kelberg, den 1. Advent 2014

Christoph Becker

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5 Gedanken zu „Die Bergpredigt“

  1. Greber hat sich die Bibel zurechtgelegt.
    Das kann jeder.
    Und jedes historische Dokument kann missverständliche Stellen enthalten. Das berechtigt aber nicht jedermann dazu, es “verbindlich” zu “korrigieren”.

    1. Nein, dass Greber sich die Bibel zurechtgelegt hat ist eher unwahrscheinlich. Die Logik seiner Erklärungen bzw. seiner Übersetzung geht sehr, sehr weit über das hinaus was man von Theologen erwarten kann und gewohnt ist. Greber war aber nur ein relativ schlecht ausgebildeter, einfacher katholischer Pastor. Sein Argument, dass die entscheidenden Änderungen nicht von ihm, Greber selbst, sondern von einer ganz anderen Quelle stammen kann ich für mich zumindest im Raum stehen lassen und ich finde es zudem glaubwürdig.
      Greber gibt als Quelle für die, im Bezug auf die bekannten Übersetzungen der Kirchen erfolgten Änderungen seiner Übersetzung des Neuen Testamentes, Belehrungen durch einen “heiligen Geist” an. Also grundsätzlich die selbe Quelle die auch Jesus, Moses, die Propheten und ja, auch Mohammed, als Quelle angeben. Um was es sich dabei genau handelt und ob und wie weit es sich bei allen tatsächlich um die vermutete göttliche Quelle handelt ist mir zumindest nicht ganz klar (die Bandbreite der möglichen Erklärungen die ich heute sehe, ist ziemlich groß). Greber hat, bevor er das Neue Testament neu übersetzt hat zunächst das Buch “Der Verkehr mit der Geisterwelt – Seine Gesetze und Sein Zweck” geschrieben. Die meines Erachtens empfehlenswerteste Quelle ist, wegen der vielen verschiedenen Versionen http://www.ih-verlag.de/SC_Buecher.html wo es auch eine Biographie von Johannes Greber gibt. Von dem Verfasser der Biographie Grebers, Herrn Dr. Werner Schiebeler, gibt es bei dem selben Verlag ebenfalls eine Reihe sehr interessante, weitere Bücher http://www.ih-verlag.de/WerSch_Verlag.html.
      Alles in Allem halte ich Johannes Greber für sehr viel glaubwürdiger als alles was ich von katholischen und erst recht von evangelischen Theologen sonst vernommen oder gelesen habe. Ich habe auch an Johannes Grebers Werk einige Ungereimtheiten gefunden, aber insgesamt hat es mich davon überzeugt, bzw. hat Johannes Greber mir gezeigt, dass das Christentum durchaus eine wertvolle, brauchbare Religion sein kann, auf die man sich – wenn auch nur vorsichtig – einlassen kann, ohne dass man seinen Verstand dabei abgeben muss. Die normalen christlichen Kirchen konnten und können mir nichts bieten. Für deren degeneriertes, unlogisches Glaubensgebäude hatte ich früher nur Spott und Verachtung übrig. Heute denke ich das sie hier und da vielleicht wirklich noch Menschen etwas Halt- und inneren Frieden geben können, und dass man das respektieren sollte. Bei Grebers Christentum darf und soll der Mensch seinen Verstand anstrengen. Er kann, darf und soll sogar logisch denken und er kann darf und soll auch eine vernünftige Realpolitik gut finden. Mit Grebers Christentum kann man zudem notfalls auch Kriege führen und gewinnen. Das ist wirklich ein Christentum welches dem Islam überlegen ist und mit dem man auch die ökologischen Probleme unserer heutigen angehen und meistern kann. Der gerade auch für unsere Zeit interessante Trick des von Johannes Greber propagierten Christentums ist dabei, dass jeder damit rechnen muss in naher oder ferner Zukunft auf diese Erde zurück zu müssen und dabei dann an einen Ort, in eine Familie, in eine Gesellschaft und in ein Schicksal hinein geboren zu werden die ein göttlicher Richter angesichts der Taten und Unterlassungen der jeweiligen Person im heutigen Leben für angebracht und gerecht hält, wobei das beliebig oft, auf dieser Erde oder auf irgend einem anderen Planeten in den Weiten des Weltalls wiederholt werden kann. Damit wird man weder zu einen idiotischen, die westliche Zivilisation vernichtenden, Europa dem Islam preisgebenden, Frieden verpflichtet, noch dazu die vor dem Hintergrund der Realität und der Geschichte völlig irre Asyl- und Einwanderungspolitik Angela Merkels gut zu finden. Man wird eher dazu angehalten, etwa im Sinne von Frank Salter (siehe Krieg gegen die menschliche Natur, Bevölkerungsaustausch durch Migration & Verbrechen der Vielfalt für eine Welt ein zu treten, in der jedes Volk sein eigenes Land hat (ähnlich wie in Mark Twains Käptn Stormfields abenteuerliche Himmelsreise. Nach seinen eigenen Erzählungen und Aufzeichnungen.), und für eine Welt in der möglichst viele möglichst gut und zufrieden leben können, etwa auch weil man die Methoden und das Wissen von Sepp Holzer, John Jeavons und anderen sinnvoll genutzt hat.
      In Johannes Grebers Übersetzung des Neuen Testaments ist Jesus, anders als in allen anderen mir bekannten Übersetzungen, vor allem kein dementer Idiot, der am Ende der Bergpredigt etwas sagt, was nicht nur dem von ihm nie verurteilten Alten Testament widerspricht, sondern das auch ganz klar dem widerspricht was er kurz zuvor, am Anfang der Bergpredigt, gesagt hat. Jesus war zudem einer, dessen Jünger zumindest teilweise, auch nach der Bergpredigt, bewaffnet waren. Er war jemand, der Jerusalem die Zerstörung vorausgesagt hat, obwohl er das, mit all dem damit verbundenen Elend, locker hätte verhindern können, wenn er der war für den er sich gehalten und ausgegeben hat – und für den ihn die Christen definitionsgemäß halten. Und dann ist da noch die Offenbarung des Johannes, auch Apokalypse genannt, die doch ziemlich kriegerisch ist.
      Das Christentum nach Johannes Greber und seiner Übersetzung des Neuen Testamentes passt jedenfalls recht gut und zeitlos zur Realität dieser Welt und es kann besser als jede Version der heutigen christlichen Kirchen und auch besser als der Islam zumindest nachdenklichen und Fragen stellenden Menschen eine Religion bieten, wenn die derzeit vorherrschende Zivilreligion der westlichen Industriestaaten, nämlich der Glaube an den Gott des Fortschritts, etwa im Sinne von John Michael Greers After Progress: Reason and Religion at the End of the Industrial Age zerbricht (siehe auch meinen Artikel Nach dem Fortschritt.

      Ansonsten, von wegen historischem Dokument. Wir haben keinesfalls eine komplette Originalbibel von vielleicht 70 n. Chr vorliegen. Das älteste was wir haben sind Abschriften von Abschriften die alle Handschriften waren und die von Menschen bei außerdem oft schlechtem Licht und mit Vorurteilen und Freudschen Fehlleistungen erstellt wurden. Der Wunsch die Geschichte und auch die Bibel im Sinne des aktuellen Zeitgeistes, der aktuellen Politischen Korrektheit und des aktuellen Gutmenschenwahns zu verdrehen und zu verfälschen dürfte auch bei dem einen oder anderen die Bibel abschreibenden Mönch dazu geführt haben, dass die Abschrift gezielt von der Vorlage abwich. Damit ist zumindest zu rechnen. Ganz sicher können wir aber annehmen, dass Jesus am Ende der Bergpredigt noch wusste was er am Anfang gesagt hat, dass er sich nicht derart grundlegend widersprochen hat, und dass deshalb die üblichen Übersetzungen und Interpretationen der Bergpredigt heute eindeutig falsch und dass Johannes Grebers Version mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit richtig ist.
      Was mich bei allem am meisten interessiert ist aber letztlich die Brauchbarkeit einer Religion und Bibel in der realen Welt mit all ihren Ressourcenproblemen, all ihren menschlichen Schwächen und Eigenheiten, ihren sehr real drohenden Kriegen und Katastrophen – und der Notwendigkeit und Gewissheit, dass die heute vorherrschende herrschende Zivilreligion, nämlich der Glaube an den technischen und gesellschaftlichen Fortschritt – in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zerbrechen wird und ersetzt werden wird. Die Leute werden eine neue Religion bekommen, weil Gesellschaften zum Überleben eine Relgion brauchen (siehe auch meinen Artikel Warum Relgion? )
      Die offene Frage ist nur was für eine Religion in einigen Jahrzehnten in Europa vorherrschend sein wird. Das Christentum der heutigen evangelischen und katholischen Kirche wird es sicher nicht sein. Das wird untergehen, vielleicht wie in Jean Raspails Roman Das Heerlager der Heiligen. Vielleicht wird Europa, wie von machen befürchtet und von vielen gewünscht, Teil eines sunnitisch-fundamentalistisch-islamischen Reiches. Vielleicht wir Europa die Kriege und Katastrophen des 21. Jahrhunderts aber auch mit Hilfe eines neuen, dem rationalen Verstand und den Forderungen der Realität, zumindest nicht widersprechenden Christentums überleben und sich behaupten.

  2. Mit Sicherheit wurde einiges in der Bibel verändert.
    Beispiel:
    Die Wort für Wort Übersetzung im ersten Brief an die Korinther
    http://www.bibel-online.net/buch/interlinear/1_korinther/6/#1

    sagt bei Kapitel 6 Vers 9:
    ,,Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lüstlinge noch mit Männern verkehrende Männer (Galater 5.19-21) (1. Timotheus 1.9-11) 10 noch Diebe noch Habsüchtige, nicht Trunkenbolde, nicht Lästerer, nicht Räuber Reich Gottes werden ererben”

    Hier steht also das Wort Lüstlinge.

    In einer anderen Übersetzung nach Luther
    http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/1_korinther/6/#1
    heißt es:
    ,,Weder die Hurer noch die Abgöttischen noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder (Galater 5.19-21) (1. Timotheus 1.9-11) 10 noch die Diebe noch die Geizigen noch die Trunkenbolde noch die Lästerer noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben.”

    Von Lüstlingen nichts zu sehen, sonder das Wort Weichlinge.

    Ich finde das gut, unterstreicht es doch einmal mehr, dass das Christentum auch mal einen kämpferischen Charakter hatte.
    In dem auch das Starke seinen Platz hatte. Also nicht nur eine Kirche für Schwache.
    Desweiteren liefert es auch einen Hinweis, wie unterschiedlich die Übersetzungen ausfallen können und auch einen anderen Sinn geben.
    Luther selbst war ein sehr gebildeter Mann, sprachlich wie musikalisch. Aber eines war er auch: ein Realpolitiker!

    ,,Wenn ich das Amt ansehe, das Krieg führt, wie es die Bösen bestraft, die, die Unrecht haben, tötet und solchen Jammer ausrichtet, da scheint es ein durchaus unchristliches Werk zu sein und in jeder Hinsicht gegen die christliche Liebe. Sehe ich aber darauf, wie es die Gerechten beschützt, Frau und Kind, Haus und Hof, Gut, Ehre und Frieden damit erhält und bewahrt, so ergibt es sich, wie wichtig und göttlich das Werk ist.”

    Die christliche Lehre ist natürlich durch viel heidnisches aufgepeppt worden. Finde ich gut.
    Und wenn es wirklich nur einen Gott gibt und er barmherzig ist, dann wird er uns das verzeihen.

  3. Man darf auch nicht vergessen, dass die Originalsprache von Jesus das Aramäische war. Sie wurden vom aus dem Aramäischen zuerst ins Griechische übersetzt, von dort ins Lateinische und dann durch Luther das erste Mal ins Deutsche. Da gibt es jede Menge Raum für Veränderungen. Außerdem waren die meisten Überlieferungen mündlich und sind erst viele Jahre später aufgeschrieben worden.
    Rocco A. Errico, von seiner Herkunft einer der wenigen Aramäer, die es noch gibt, hat Teile der aramäischen Bibel neu übersetzt. Die Texte machen viel mehr Sinn, als die historischen Übersetzungen die wir hier kennen, finde ich.

    Bei der katholischen Kirche darf man auch ihren Ursprung nicht vergessen: Sie wurde von den römischen Kaisern installiert mit dem Ziel, die Staatsordnung zu erhalten. Das ist ein nahezu widersprüchliches Ziel als das von Jesus, die Menschen zu befreien.
    Nicht daß es ohne Ordnung gehen würde, aber Jesus hatte sicherlich nicht das Ziel, irgendwelche Institutionen zu gründen.

  4. “Ich aber sage euch, dass ihr -nicht- ? widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Matthäus 5,39 Luther 1984
    Ein schönes Beisspiel für Missverständlichkeit der alten Texte, denn war es damals nicht Regel Kinder, Frauen und Sklaven, also unwürdige oder nicht satifaktionsfähige nur mit der Außenhand zu schlagen, also als Rechtshänder auf deren rechte Wange ?
    Was heisst es aber dann, wenn aufgefordert wird demjenigen der mich mit dem Handrücken auf meine rechte Wange schlägt meine linke Wange anzubieten ? Das heisst doch, daß ich mich wehrhaft zeigen soll, denn wer mich als Rechtshänder auf meine linke Wange schlägt der erkennt mich als gleichwertigen Gegner an und muß mit entsprechender Gegenwehr rechnen.
    Ähnlich missverständlich das “Wunder” der Auferweckung des Lazarus vom Tode.
    Nachzulesen in den Evangelien Vorträgen von Rudolf Steiner.

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