Schwarmtiermodus und die Lust am Bösen

Gab es auch vor Beginn der Zivilisation, vor 10.000 Jahren totale Kriege und Massaker? Kann es sein, dass Grausamkeit und das Böse im Menschen evolutionäre Vorteile bieten?

Daniel Quinn vertritt in seinen Romanen Ismael, The Story of B und My Ismael (deutsche Version Ismaels Geheimnis, die Meinung, dass Kriege vor Beginn der durch “totalitäre Landwirtschaft” geprägten Zivilisation vor ca. 10.000 Jahren eher harmlos waren. Aufgabe des Krieges  und der Krieger sei in der Zeit der Jäger und Sammler in erster Linie das Aufzeigen und Erhalten der kulturellen und ethnischen Grenzen und nicht die Vernichtung oder die  Unterwerfung und Versklavung der Nachbarvölker gewesen. Der evolutionäre Sinn kriegerischer Aktionen sei damit faktisch die Aufrechterhaltung der ethnischen und kulturellen Vielfalt gewesen, was die Überlebensfähigkeit der Menschheit als Ganzes verbessert habe, weil damit z.B. bei Klimaveränderungen und großen Kulturkatastrophen die Wahrscheinlichkeit höher gewesen sei, dass irgendwelche Menschengruppen überleben.

Waren die prähistorischen Zeiten also eher idyllisch friedlich, bzw. waren die Kriege in diesen Zeiten wirklich eher harmlos?

Die Lust am Bösen

Eugen Sorg hat, angeregt durch die Ereignisse im jugoslawischen Bürgerkrieg, das Phänomen untersucht, dass ganz normale Menschen zu extrem grausamen Tätern werden können. In seinem Buch Die Lust am Bösen: Warum Gewalt nicht heilbar ist, hat er seine Beobachtungen und Schlußfolgerungen beschrieben.  Offenbar ist es so, dass etwa 30 % der Männer dazu bereit und in der Lage sind, sich aktiv an extremen Gewaltexzessen, wie Massenmorden, Massenvergewaltigungen usw. zu beteiligen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Extreme Gewalt auszuüben ist für diese dann offenbar sehr lustvoll.

Gibt es soetwas auch im Tiereich?

Mir fallen dazu zunächst Geschichten vom Fuchs im Hühnerstall und von in geschlossene Gehege eingebrochenen Wölfen ein, die wie im Rausch maßlos töten. Einige Links zum Thema Fuchs im Hühnerstall: www.rhein-zeitung.de/region/lokales/altenkirchen-betzdorf_artikel,-fuchs-wuetet-in-huehnerstall-25-tiere-tot-_arid,425153.htmlwww.tageszeitung.it/2017/08/10/fuchs-im-huehnerstall/ , www.mz-web.de/landkreis-mansfeld-suedharz/huehnermord-nicht-versicherbar-fuchs-richtet-massaker-in-rottleberoeder-stall-an-28245706. Mir hat vor einiger Zeit jemand von einem Fall in der Eifel erzählt, bei dem der Fuchs weit über 100 Hühner getötet hat.

Ähnliches kann man bei Wölfen beobachten, wie die folgenden Links zeigen: www.morgenpost.de/brandenburg/article210630677/Wolf-toetet-in-einer-Nacht-30-Schafe.htmlwww.agrarheute.com/tier/wolf-reisst-40-schafe-trotz-elektrozaun-521067.

Die Füchse und Wölfe töten in diesen Fällen offensichtlich wie im Rausch, weil sie die Gelegenheit zum Töten haben und nicht mehr zur Nahrungsbeschaffung.

Beispiele für von Menschen verübte Massaker und Massenmorde:

Mit Suchbegriffen wie “Gewaltexzesse”, “Massaker”, vielleicht noch mit “Kongo” oder anderen Ländernamen kombiniert, findet man auf Youtube und und Google jede Menge weitere Beispiele.

Beim Thema Lust an Gewalt und Krieg gehören die Wikinger und die Berserker einfach dazu. Eine schöne Doku dazu: Krieger der Vergangenheit – Die Wikinger von Byzanz HD Dokumentation. Die Doku behandelt vor allem die Geschichte der Warägergarde und deren erstaunliche Kombination aus extremer Brutalität, Lust an der Gewalt und Genialität, die unter Harald dem Harten, dem späteren norwegischen König Harald III. mit der Eroberung Siziliens ihren Gipfel erreichte.

Hinweise auf vorhistorische Gewaltexzesse

Peter Turchin beschreibt in seinem Buch Ultrasociety: How 10,000 Years of War Made Humans the Greatest Cooperators on Earth (dt: Ultragesellschaft: Wie 10.000 Jahre Krieg die Menschen zu den größten Kooperateuren der Welt gemacht haben). In Kapitel 2, Destructive Creation, zitiert und erwähnt Turchin  eine ganze Reihe Beispiele, die zeigen, dass prähistorische Gesellschaften so gar nicht dem Bild vom friedlichen, harmlosen Wilden entsprachen. Ein Beispiel, das er erwähnt, ist das Crow Creek Massaker in Süd Dakota (en.wikipedia.org/wiki/Crow_Creek_massacre ), bei dem um 1350 n.Chr, also lange vor Ankunft der Weißen, alle, mindestens aber 486 Dorfbewohner umgebracht wurden.  Generell kann man auf Grund der Analyse von Skelettfunden aus prähistorischen Zeiten sagen, dass die Wahrscheinlichkeit durch Mord oder Krieg zu sterben in prähistorischen Zeiten sehr hoch war.

Turchins These ist, dass menschliche Gesellschaften nach innen friedlicher, gewaltfreier und zivilisierter geworden sind, weil sie auf diese Weise gegenüber von aussen kommenden Feinden wehrhafter wurden. Kultur, Zivilisation, der Zusammenschluss von Stämmen zu Nationen  und selbst die großen Religionen sind demnach Antworten auf militärische Bedrohungen und Innovationen.  Zugleich wurde mit ihnen auch die Fähigkeit zur Gewaltanwendung und auch zur Durchführung von Massakern maximiert.  Die Menschen wurden also innerhalb ihrer Gruppen friedlicher und zivilisierter, um effizienter gegen äussere Feinde Krieg führen zu können.

Entwicklungen, die diesen Prozess beschleunigt haben, waren der Getreideanbau und das Sesshaftwerden, weil damit Vorräte gebildet wurden, die es gegen Plünderung zu schützen galt. Auch wurde durch die Entwicklung der Landwirtschaft die Mobilität der Menschen geringer. Wenn man im Frühjahr ein Feld bestellt, dann möchte man es im Herbst abernten. Man ist also an den Ort gebunden.

Anderseits entwickelten und perfektionierten die Hirtenvölker in Zentralasien die Fähigkeit, auf Pferden zu reiten und diese schließlich auch nur mit den Beinen zu steuern, so daß die Hände für den Waffeneinsatz und vor allem auch zum Bogenschießen genutzt werden konnten.

Die hohe Beweglichkeit und die zunehmende Kampfkraft der berittenen zentralasiatischen Hirtenvölker führten zur Notwendigkeit größerer und besserer Koordination und Zusammenarbeit der sesshaften Völker. Die großen Religionen sieht Turchin dabei als ein Werkzeug, mit dem schließlich über  ethnische Grenzen hinweg Zusammenarbeit zum Zwecke der besseren Verteidigung möglich wurde.

Gewalt, Gewaltexzesse und Massaker gab es jedenfalls schon in vorhistorischen Zeiten. Zivilisation, Kultur und Religion waren lediglich Mittel, um sich besser gegen die Gewalt feindlicher Gruppen verteidigen zu können.

Bei insgesamt knappen Ressourcen waren Gewaltexzesse und Massaker nützlich, um auf Kosten anderer, feindlicher Gruppen expandieren und deren Lebensraum und Ressourcen erobern zu können.  Exteme Gewalt und Massaker waren sicherlich auch nützlich, wenn es darum ging, zahlenmäßig überlegene, aber aktuell unterlegene Gegner zu dezimieren und damit besser unterwerfen und beherschen zu können. Tamerlan bzw. Timur Lenk  könnte man hier als Beispiel  sehen.

Der Mensch als Schwarmtier

Der Moralpsychologe Jonathan Haidt vertritt in seinem Buch The Righteous Mind: Why Good People are Divided by Politics and Religion unter anderem die These, dass der Mensch zu 90 % Schimpanse (hier als Synonym für Individualist verstanden) und zu 10 % ein Schwarmtier (wie die Bienen) sei. Er erläutert das unter anderem am Beispiel von Mannschaftssportarten, bei denen die Fans mit “ihrer” Mannschaft fiebern, diese anfeuern und ggf.  deren Sieg feiern. Diesen Schwarmtiereffekt konnte und kann man aber nicht nur bei Sportveranstaltungen beobachten. Militär, Kriegsführung, Parteiveranstaltungen, Paraden, Betroffenheitskundgebungen, Demostrationen und Protestmärsche, wozu auch immer können ebenfalls Beispiele dafür sein. Gottesdienste können auch diesen Effekt haben. Vielleicht sind Gottesdienste, vorall auch bei der katholischen Kirche, mit ihren gemeinsamen Riten, Formen und Gesängen eine besonders gut entwickelte, zivilisierte und friedliche Form zum Ausleben und Erleben des Schwarmtiermodus.

Menschen können, wenn sie in diesem Schwarmtiermodus sind, anders handeln als im in ihrem üblichen, egoistischen Schimpansenmodus. Sie tun im Schwarmtiermodus Dinge, die sie zu anderen Zeiten vielleicht albern, verrückt oder auch verbrecherisch finden. Ohne die Nutzung von diesen Schwarmtiermodus kann man wohl kein Land gegen äussere Feinde verteidigen und auch keinen Sozialstaat erhalten. Dieser Schwarmtiermodus hat sich im Laufe der Evolution offenbar bewährt. Er kann aber auch Massaker und Gewaltexzesse ermöglichen und verschlimmern.

Was Menschen zivilisiert und friedlich macht

Wie Peter Turchin zeigt, macht die Furcht vor Krieg und Gewalt die Menschen zivilisiert und friedlich. Das heißt, was zu innergesellschaftlichem Zusammenhalt und Frieden führt ist die Furcht andernfalls das Opfer äußerer Feinde zu werden.  Der innergesellschaftliche Zusammenhalt und Frieden ermöglicht es die Mittel und Fähigkeiten der eigenen Gesellschaft zu schonen und zu konzentrieren um so besser verhindern zu können, dass die eigene Gesellschaft (und man selber) das Opfer von Massakern, Plünderungen usw. wird.

Ein interessantes Problem das Turchin dazu an einem Beispiel erläutert ist das Trittbrettfahrerproblem:

Angenommen man ist Mitglied eines friedlichen Stammen von tausend Kriegern. Von der anderen Seite des Flusses kommt nun ein anderer Stamm der einfach Lust am Kriegführen, Plündern, Vergewaltigen und Morden hat. Der eigene Stamm hat nur die Wahl, zu kämpfen oder unterzugehen. Die Abwehrschlacht wird voraussichtlich 20 % der Krieger des eigenen Stammes das Leben  kosten. Wenn man sich als einzelner vor der Teilnahme an der Abwehrschlacht drückt und dafür keine Strafe befürchten muss, etwa weil man eine besonders gute Ausrede hat, dann senkt man damit das eigene Risiko zu sterben von 20 % auf 0 %, während man die Wahrscheinlichkeit vom Sieg der eigenen Leute zu profitieren maximiert, während die Kampfkraft der eigenen Truppe bei 1000 Kriegern, von denen nur einer ein Drückeberger ist, nur um vernachlässigbare 0,1 % sinkt.  Drückeberger- und Schmarotzertum kann so gesehen also sehr attraktiv sein. Aber was ist, wenn alle so denken und einfach im Bett bleiben? Dann kommt der Feind am nächsten Morgen und holt alle zur Massenhinrichtung ab. Die Lust am Bösen kann sich dann austoben.

Dass erst Furcht vor extremer Gewalt, Gewaltexzessen und Massakern, bzw. die Erfahrung eines Krieges mit einem sich erfolgreich und extremer Gewalt wehrendem Gegner die Menschen wirklich friedlich macht, zeigt das Phänomen der Generationsdynamik bzw. das Phänomen der von Neil Howe und William Strauss beschriebenen vier Wendungen. Siehe dazu z.B. Neil Howe über Steve Bannons Weltsicht. Mit zunehmdem zeitlichen Abstand zum letzten großen Krieg oder zur letzten Katastrophe verlieren die Menschen das Gefühl für das Tragische und entwickeln wieder den Leichtsinn und den Übermut, der sie in den nächsten großen Krieg bzw. in die nächste große Katastrophe verwickelt.

Was hilft gegen die Lust am Bösen, Gewaltexzesse und Krieg?

Am besten hilft die glaubwürdige Drohung mit Gewalt. Man muss alles tun, um glaubwürdig zu versichern, dass man zu exzessiver Gegengewalt fähig und bereit ist und dass es daher keine Lust am Bösen geben wird. Man muss allen potentiellen Massenmördern, Folterknechten, Massenvergewaltigern und Angreifern klar machen, dass sie keine Chance haben und dass der Versuch sie tötet oder zu mindestens ihre Gesundheit ruiniert. Dazu braucht man gut bewaffnete, glaubwürdige Krieger.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass zur Vorbereitung des Holocausts die Entwaffnung der Juden gehörte:  de.wikipedia.org/wiki/Entwaffnung_der_deutschen_Juden .  Wenn man Massaker und Gewaltexzesse beabsichtigt entwaffnet man die Opfer vernünftiger Weise vorher.

Können die Lust am Bösen und Massaker im Sinne der Evolution nützlich sein?

Wenn die Opfer sich nicht wehren können oder wollen und wenn deren Unterwerfung und Versklavung keinen Vorteil bietet, dann kann deren Vernichtung für das Volk der Täter (und dessen Gene!) die verfügbare Ressourcenbasis verbessern. Mitleid und Schonung der Opfer im Sinne des Egoismus der Gene (Dawkins Das egoistische Gen) macht Sinn, wenn man die potentiellen Opfer als Verstärkung im Krieg gegen mächtige, weitere Gegner gebrauchen kann oder aber wenn die potentiellen Opfer eben keine Opfer sondern gefährliche Gegner sind, die man besser in Frieden lässt.

Wie passt das zum  Homer-Dixonschen Würfel?

In Dehumanisierung und Empathie hatte ich bereits die folgende Grafik aus einem Vortrag über Humansierung und Empathie von Prof. Homer-Dixon gezeigt und deutsch beschriftet:

Wie passt dieser Würfel z.B. zu dem oben anführten Beispielen von Massakern und können wir für unsere Zeit davon ableiten?

Eigentlich ging z.B. bei dem Massaker in der Schlucht von Babi Jar und auch bei den Ereignissen in Nanking von außen betrachtet ziemlich gut organisiert und ordentlich zu.  Die strukturelle Einschränkung der Täter durch die deutschen bzw. die japanische Streitkräfte und Behörden kann man als hoch ansehen. Die einzelnen hätten sicher bewusst daneben schießen, sich zurückhalten oder im Falle der Mitglieder der deutschen Erschießungskommandos auch den Befehl verweigern bzw. sich versetzen lassen können. Insgesamt war die strukturelle Einschränkung jedenfalls hoch – aber war sie es wirklich? Nach dem Würfel von Homer-Dixon musste sie nämlich maximal niedrig gewesen sein.  Meine Interpretation: Die Opfer haben wegen ihrer fehlenden Fähigkeit sich zu wehren den Tätern keine Grenzen setzen können. “Strukturelle Einschränkung” im Sinne des Würfels von Homer-Dixon bedeutet daher, dass die Opfer oder eine diese schützende Organisation den Tätern klare Grenzen setzen können und wollen. Man könnte hier sagen, dass es Homer-Dixon “nur” um Dehumanisierung und Empathie ging. ABER, mich lässt das an die Zeremonien zum  Tod und zur Beisetzung von Manfred von Richthofen durch die Briten im 1. Weltkrieg denken. Zitat:

Manfred von Richthofen starb am 21st April 1918, nachdem er von alliierten Streitkräften abgeschossen wurde – unklar bleibt, ob durch einen Jagdflieger oder durch eine Soldaten im Schützengraben. Sein Flugzeug stürzte im australischen Sektor der Westfront ab. Ein britischer Pilot flog ins deutsche Frontgebiet und warf über dem Feldflugplatz von Cappy eine Nachricht von Richthofens Tod ab. Er wurde von britischer Seite mit militärischen Ehren beigesetzt.

Richthofen wurde auch von seinen Gegnern als Mensch und Held geachtet, obwohl er ihnen erheblich geschadet hat.  Er war ein großer und tapferer Krieger, den auch seine Gegner achteten. Man könnte von hier ausgehend auch argumentieren, dass die europäische Friedensordnung nach dem 2. Weltkrieg wesentlich darauf beruhte, dass die europäischen Völker durch die beiden Weltkriege gegenseitig gelernt und verinnerlicht hatten, die Helden der anderen zu respektieren und zu fürchten und dass dies die Struktur geliefert hat, die Europa auf die “Friedensebene” gehievt hat.  Dieser Respekt ist aber heute durch die Feminisierung und das postmodernistische Gutmenschentum des Westens und seiner Instituionen bei den potentiellen Gegnern Deutschlands und Westeuropas eher nicht mehr vorhanden. Verachtung des Westens, seiner Kultur und seiner Vertreter ist heute wohl eher üblich, wie der Artikel mit Videobeitrag zeigt, den ich bei Epoche Times vom 17. August 2017 gefunden habe: „Könnten Europa in drei Tagen erobern“ – Türkische Zeitung propagiert Invasion im Westen, Danach schwelgen manche Türken schon ernsthaft in der Vorstellung, Deutschland mal eben in einem Blitzkrieg militärisch zu erobern. Dazu passend auch 24-Oct-17 World View — Xi Jinping’s ‘Socialism with Chinese characteristics’ is identical to Hitler’s National Socialism.

Die andere, ggf. zu Dehumanisierung und Krieg führende Variable in Homer-Dixons Würfel ist Gerechtigkeit <> Ungerechtigkeit. Hierzu sind insbesondere die folgenden Artikel von Gail Tverberg interessant:  Nine Reasons Why Globalization Can’t Be Permanent (dt.: Neu Gründe warum die Globalisierung nicht von Dauer sei kann ) und  Why we have a wage inequality problem.  Weil Öl und andere Rohstoffe immer schwieriger zu produzieren und damit teurer werden, werden die Einkommen immer ungleichmäßiger verteilt. Auch führt die Globalisierung zu immer größerer Einkommensungleichheit in den Ländern. Dazu kommt in einem Land wie Deutschland die Migration in die Sozialsysteme. Diese würden wegen der Entwicklung am Energiemarkt so oder so zerbrechen, aber durch die Zuwanderung und die Folgen der Globalisierung werden sie schneller zerbrechen. Das erzeugt Gefühle der Ungerechtigkeit und des Hasses.  Das führt zur Dehumanisierung. Vielleicht kann man aber durch die Zuwanderung ethnisch und kulturell leicht erkennbare und definierbare Gruppen von Syndenböcken schaffen, und damit Klassenhass und den zu erwartenden Zorn der kleinen Leute auf die “Eliten” ablenken.

Schließlich ist da die grausige Wahrheit, dass Massaker, ebenso wie Vertreibung  und ethnische Säuberungen bei Verknappung von wichtigen Ressourcen diese Verknappung pro Kopf gerechnet mildern oder aufhalten können.

 Fazit

Der Mensch handelt offenbar nicht so zuverlässig blutrünstig wie ein Fuchs im Hühnerstall oder wie Wolf in einer Schafsherde, aber er kann so handeln. Das heißt, auch der Fuchs oder Wolf wird die Hühner bzw. Schafe in Ruhe lassen, wenn er eine Konfrontation mit einem Krieger oder Jäger befürchtet.

Tatsächlich kann es im Sinne der Evolution bei knappen  Ressourcen sehr vorteilhaft sein, andere  Menschengruppen physisch zu vernichten – vorausgesetzt die potentiellen Opfer können oder wollen sich nicht erfolgreich wehren. 

Eine wichtige Voraussetzung ist die Wehrlosigkeit der Opfer.  Die Lust am Bösen, die Neigung zu Gewaltexzessen und zu Massakern war schon in vorhistorischen Zeiten vorteilhaft. Wenn es anders wäre, würden nicht so viele Menschen sich an so etwas beteiligen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt.

Das Mittel der Wahl gegen Massaker, Massenvergewaltigungen, Völkermorde usw. ist die Bereitschaft und Fähigkeit der potentiellen Opfer sich entschlossen und effizient zu verteidigen.  Noch besser, aber nicht immer möglich ist es sicher, den potentiellen Tätern zu zeigen, dass und wie sie ein friedliches und erfülltes Leben führen können, ohne gewaltätig und mörderisch zu werden. Aber auch dann kann man sich nie sicher sein und vernünftiger Weise immer wachsam und gut gerüstet sein und sich als Gesellschaft nicht so zur Lachnummer machen, wie Deutschland das derzeit mit seiner faktisch nicht mehr einsatzbereiten  Bundeswehr tut.

Das Risiko, dass es in Deutschland und anderen Teilen Westeuropas in Zukunft zu Massakern und zu Orgien des Bösen kommt, ist hoch. Die Gründe: Verknappung der Ressourcen, Wehrlosigkeit der Bevölkerungen, ethnische und kulturelle Vielfalt, erhebliche Überbevölkerung, wenn man die zu erwartende Verknappung der wichtigsten Ressource, nämlich des Erdöls von voraussichtlich 5 % pro Jahr ab 2020 bedenkt, für das nüchtern betrachtet kein Ersatz in Sicht ist, und das auch für Nahrungsmittelproduktion und Verteilung von entscheidender Bedeutung ist.

 Kelberg, den 20. Februar 2018

Christoph Becker

 

 

 

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2 Gedanken zu „Schwarmtiermodus und die Lust am Bösen“

  1. Die Frage ist, wie sich der einzelne Mensch verhält.

    Für uns dürfte die Antwort anders aussehen als für unsere dauergrinsende Ministerin, die unsere Grenzen auf der ganzen Welt sichern lässt, weil fremde Grenzen sich scheinbar leichter schützen lassen als die eigenen.

    Tiervergleiche bilden unsere Verhaltensmöglichkeiten nur unzureichend ab.

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