Über Antifa, Rassismus und Waldbrände

James Howard Kunstler hat am 14. August 2017 in Blogbeitrag „Smoke and fire“ ( kunstler.com/clusterfuck-nation/smoke-and-fire/) unter anderem eine kurze und gute Beschreibung der  Antifa geliefert, die ich hier übersetzt habe:

Die „Antifa“-Bewegung wäre lustig, wenn sie nicht selbst zur Gewalt neigen würde, da sie genau dieselbe Art Despotie gegen freie Gedanken befürwortet, die sie zu bekämpfen vorgibt. Sie will die Debatte im öffentlichen Raum beenden und austreten und über Prinzipien trampeln, die diese unbequem machen. Zum Beispiel den ersten Verfassungszusatz (in Deutschland Artikel 5 des GG) der das Recht der freien Rede schützt. Sie machen  den Schlachtruf für die „Vielfalt“ zu Hohn und Spott („Vielfalt nur für von der Antifa gut geheißene Ideen). Dass so viele Studenten diese Bewegung unterstützen, sollte die Leute im Bezug auf die Politik der kommenden Generation sehr besorgt machen. In ihrer schwarzen Kleidung und ihren Masken gleichen sie dem faschistischen Mob der 1930er Jahre, den der Name „Antifa“ angeblich als  Feind heraufbeschwört.

Gerade auch die Aktionen „Gegen Rechts“ und gegen Parteien wie die AfD und die NPD sind meines Erachtens Zeichen zutiefst antidemokratischer, faschistischer Tendenzen bei allen sich daran beteiligenden Parteien, Organisationen und Personen.

Dazu kommt eine erstaunliche Geschichtsblindheit:

Was Hitler an die Macht gebracht und dort gehalten hat, war zunächst die Zustimmung der Industrie und des Militärs. Bundeswehr und Polizei wäre heute durch ihren Amtseid und durch das Grundgesetz verpflicht, einen neuen Hitler einfach festzusetzen. In den USA verhält es sich ähnlich. Vor diesem Hintergrund sind die Antifa und der „Kampf gegen Rechts“ eine unerträgliche Anmaßung gegenüber der Polizei und dem Streitkräften, weil man diesen faktisch unterstellt, dass sie nur noch aus  rückgradlosen, feigen Karrieretypen bestehen, die im Ernstfall ihren Amtseid auf die Verfassung nicht beachten werden. Wenn das aber so sein sollte, dann werden die auch im Ernstfall das Land und die Sicherheit der Bevölkerung nicht mehr verteidigen.

Was mich mit Blick auf die Nazis und die heutige Situation noch viel mehr beunruhigt als die verblüffende Ähnlichkeit zwischen Antifa und den Faschisten ist das Folgende:

Im Deutschland der 20er und 30er Jahre war durch die Auflagen des Friedensvertrages von Versailles und später auch noch durch die Wirtschaftskrise künstlich die verfügbare Nettoenergie der Gesellschaft reduziert worden. Die Reparationszahlungen an die Siegermächte hatten faktisch für die deutsche Volkswirtschaft denselben Effekt, wie eine Verschlechterung der Kohlegruben und der   Öl- und Erdgasquellen. Heute haben wir diesen Effekt durch die Erschöpfung der Energiequellen und die damit erforderlichen höheren Aufwendungen. Siehe Erschöpfung – Das Schicksal des Ölzeitalters und Dem Energiedilemma auf den Grund gegangen.

Auch kann man den Vertrag von Versailles als mutwillige Steigerung der Komplexitätskosten der Gesellschaft sehen. Heute haben wir diesen Effekt unter anderem auch durch die EU, die Flüchtlingskrise und die Globalisierung.  Zu den Gefahren steigender Komplexitätskosten siehe auch Kollaps komplexer Gesellschaften – Interview mit Prof. Dr. Joseph Tainter.

Mein jüdischer UrUrUr-Großvater und die Integration

Was mich auch sehr beunruhigt, ist ein Kapitel aus der eigenen Familiengeschichte: Einer meiner UrUrUr-Großväter,  war ein  Apotheker in Berlin, und er war ein Jude, der am 9. Juli 1814 preussischer Staatsbürger wurde und sich im September 1814 eine Apotheke in Berlin kaufte, nachdem er schon 1806  christlich getauft worden war. 1816 hat er eine Pastorentocher geheiratet. Sie hatten  vier Kinder. Die älteste Tochter war offenbar psychisch krank und starb früh. Die anderen drei Kinder wurden:

  1. eine Frau Hauptmann, deren einziger Sohn Direktor des französischen Gymnasiums in Berlin wurde und eine Schwester des späteren Großadmirals v. Tirpitz heiratete.
  2. ein Apotheker, der die väterliche Apotheke übernahm und der 5 Kinder hatte, von denen eine Tochter einen späteren Hauptmann und Generdamerieobersten und eine andere Tochter, die einen späteren Major und Gutsbesitzer heiratete. Von den beiden Söhnen wurde einer Generalleutnant und der andere Landwirt und Kunstgärtner
  3. Meine UrUr-Großmutter, die einen französisch-stämmigen preußischen Gutsbesitzer heiratet. Die hatten zwei Kinder. Ein Junge er mit 3 Tage starb und eine Tochter, die meinen Urgroßvater heiratete.

Mein Urgroßvater war ein offenbar sehr wohlhabender Kaufmann, von dem mein Großvater angeblich eine halbe Million Goldmark  geerbt hat (das wären heute mehr als 600 Millionen Euro) . Mein Urgroßvater hat auch dafür gesorgt, dass mein Großvater rechtzeitig vor dem 1. Welt  nach Lateinamerika  verreiste, wo er den Krieg unbeschadet überstand, statt in Flandern oder Russland das Elend der Schützengräben zu erleben und womöglich die Gesundheit oder gar das Leben zu verlieren. Mein Großvater hat  die Zeit unter anderem genutzt, um einige Sprachen zu lernen. Er soll 6 Sprachen beherrscht haben. Bei den Nazis war er Parteimitglied und Funktionär für Kurzreisen bei deren Reisedienstleister „Kraft durch Freude“ – bis jemand irgendwie seine damals politisch nicht korrekte Abstammung herauskam und er deshalb lange Zeit arbeitslos war.  Wie ich seinen Briefen an meine Oma und anderen Unterlagen entnehme hat er in Berlin umfassend wegen seiner jüdischen Vorfahren recherchiert und mit dem Führerstellvertreter Rudolf Hess hat er dort offenbar nur deshalb nicht persönlich gesprochen, weil dieser verreist war. Der Fall war aber wohl auch für Hess zu hoch und musste dem Führer Adolf Hitler persönlich zur Entscheidung vorgelegt werden.  Der hat dann wohl per Erlass festgelegt, dass mein Großvater rehabilitiert wurde. Im Krieg war mein Großvater soweit ich weiß Major bei der Organisation Todt. Was an der ganzen Geschichte wirklich wesentlich ist, ist dass wir es mit einem Fall extrem guter Integration von dazu tatsächlich für Deutschland sehr bereichernden Menschen zu tun hatten und dass dann, 123 Jahre nachdem mein UrUrUr-Großvater, dessen Familie dazu auch noch vorher schon zur jüdischen Oberschicht in Berlin gehörte, preußischer Bürger geworden war, die Abstammung zum Problem wurde und mein Großvater offenbar zunächst wirklich Angst um seine und die Zukunft seiner Kindern hatte.

Ich habe diese Geschichte hier erzählt, weil sie Teil meines historischen Hintergrundes ist, wenn ich Gutmenschen und Politiker heute von  „Integration“ oder gar von „gelungener Integration“ reden höre. Ob eine Integration gelungen ist, kann man so gesehen nämlich vielleicht erst in einigen Jahrhunderten sicher sagen.

Aber jeder, der sich etwas mit Geschichte befasst hat weiß, dass die Gesetze und Werte von heute in 20 und erst recht in 40, 60, 80 oder 100 Jahren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr gelten werden. Gesetze, Werte und mit etwas Verzögerung oft sogar die Religion, passen sich den Erfordernissen, der Versorgungslage und der Verfügbarkeit von Ressourcen an, wie der erste amerikanische Soziologieprofessor William Graham Sumner in seinen Essays The Mores of the Present and the Future, Religion and the Mores und  Earthhunger – The Philosophy of Landgrabbing (teilweise von mir übersetzt in Landhunger) erklärt und beschrieben hat. Deutschland und Europa werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sehr drastische Wohlstandsverluste und wenn man so wie bisher weiter macht, auch sehr ernste Hungersnöte erleben.  Spätestens das wird, wie man unter anderem Sumners Essays entnehmen kann, auch die Werte, Sitten und Gesetze in Deutschland und Europa sehr drastisch verändern.

Ist es vor diesem Hintergrund wirklich gescheit und vor allem christlich, ethisch und gut, per Masseneinwanderung von auf über 100 Meter als eindeutig nicht deutsch und sogar als nicht europäisch erkennbaren Menschen den Sozialstaat zur ruinieren, wie es u.a. Rolf-Peter Sieferle in  Das Migrationsproblem: Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung und Thilo Sarazin in Deutschland schaft sich ab beschrieben haben?

Die Leute werden Sündenböcke suchen, wie es William Graham Sumner in seinem Essay Witchcraft beschrieben und vorausgesagt hat. Damit bin ich beim Thema Rassismus:

 

Zum Thema moderner Rassismus der Linken, der Gutmenschen und der Antifa fand ich folgenden Diskussionbeitrag sehr gut:

Dr. Jordan Peterson helps everyone understand „White Privilege“

Den Text habe ich im Folgenden bis Position [1:40] übersetzt:

Wissen Sie, ich finde die Idee von den Privilegien der Weißen absolut verwerflich. Nicht, weil weiße Leute nicht privilegiert sind. Wissen Sie, wir haben alle Arten von Privilegien und die meisten Leute haben alle möglichen Privilegien und Sie sollten dankbar sein und arbeiten, um sie zu verdienen. Aber es ist absolut abscheulich und es gibt nichts rassistischeres als die Vorstellung, dass man eine ethnische Gruppe wegen eines  kollektiven Verbrechens, unabhängig von der spezifischen Unschuld oder Schuld der einzelnen Gruppenmitglieder beschuldigen kann.

Wenn Sie wirklich mehr über diese Art Dinge wissen wollen, sollten Sie über die Kulaken in der der  Sowjetunion in den 1920er Jahren lesen. Das waren Bauern und sie waren sehr produktiv. Sie waren das produktivste Element im landwirtschaftlichen Bereich in Russland und sie wurden praktisch alle getötet oder vergewaltigt und geplündert, von den Kollektivisten,  die darauf bestanden, dass sie Kriminelle und Räuber wären, weil sie wohlhabend waren.

Eine der Konsequenzen der Verfolgung der Kulaken war der Tod von 6 Millionen Ukrainern in der Hungersnot in den 1930ern. Die Idee kollektiver Schuld,  die auf der Ebene des Individuums als juristisches oder philosophisches Prinzip angewendet wird, ist gefährlich.  Sie ist genau das, was Leute forcieren, die wirklich Ärger suchen. Schon ein  flüchtiger Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts sollte jedem der es wissen will zeigen, wie inakzeptabel das ist.

Dieser Professor Jordan Peterson gibt ganz allgemein Anlass zur Hoffnung. Man könnte z.B. etwas von dem Geld, das unsere öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten für die Produktion von dumpfer Unterhaltung und Propaganda ausgeben, in eine deutsche Synchronisation von Petersons revolutionärer Vorlesungsreihe über die Bibel und  deren Psychologische und Entwicklungsgeschichtlichen Hintergründe investieren ( www.youtube.com/user/JordanPetersonVideos).

Waldbrände als psychologische Metapher

In Biblical Series V: Cain and Abel: The Hostile Brothers etwa ab Position [31:14] erklärt Peterson, dass und warum Waldbrände einen wichtigen psychologischen Effekt erklären können.

In den USA und Kanada werden Wälder offenbar anders als die Wirtschaftswälder in Deutschland nicht regelmäßig gepflegt und von Totholz befreit.  Peterson erklärt jedenfalls, dass sich in den Wäldern mit der Zeit Totholz ansammelt und das gelegentliche Waldbrände für die Wälder heilsam seien, weil das Feuer die Wälder  von Totholz befreit und wieder neue Wachstumsmöglichkeiten für die Pflanzen schafft. Wenn man nun aber wie in den USA, durch zu gutes Management der Waldbrände diese zu sehr eindämme oder verhindere, dann würde sich immer mehr Totholz ansammeln. Wenn es dann irgendwann durch einen Blitzschlag zu einem Waldbrand komme, dann sei das Feuer so heftig, dass nicht nur das Totholz, sondern auch der Mutterboden verbrenne und damit die Grundlage für neues Wachstum vernichtet würde.  Mit der Psyche sei es ähnlich. Es sei besser, sich täglich etwas von seinem psychologischen „Totholz“ zu befreien, als vielleicht alle zwanzig Jahre bis auf den Fels abzubrennen.  Mit anderen Worten, man sollte regelmäßig seine Sichtweisen, Meinungen und Werte überprüfen und sich von geistigem Schrott befreien, als diesen Schrott zu erhalten und immer weiteren geistigen Schrott anzusammeln, bis dann bei einem psychischen Großbrand nicht nur das geistig/psychische Totholz, sondern auch die Grundlagen neuen psychischen Wachstums und Lebens vernichtet werden. Das kann man so wohl auch für ganze Gesellschaften sehen, deren geistiges Totholz  man in deren kollektiven Lebenslügen und Ideologien sehen kann.

Kelberg, den 16. August 2017

Christoph Becker

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