Mögliche Erträge im Biolandbau

by Christoph Becker | 1. Juli 2018 16:49

In dem Artikel  Satan kommt nach Leverkusen[1], von Kolija Zydatiss und in dem Artikel Kann Ökolandbau die Weltbevölkerung ernähren?[2], auf  www.hier-sind-die-fakten.de (eine Werbeplattform der Firma BAYER),  wird der Eindruck erweckt, dass die Erträge und Wirtschaftlichkeit des  Ökolandbaus der konventionellen Landwirtschaft unterlegen sei.  In dieser Aussage ist ein Körnchen Wahrheit enthalten, ABER mit den nötigen Wissen übertreffen die Erträge des Biolandbaus die der konventionelle Landwirtschaft ….

Daten der Singing Frogs Farm

Das folgende Bild zeigt übliche Umsätze pro Acre (4046 qm) in Kalifornien (CA) und es zeigt den Umsatz der Singing Frogs Farm.

[3]
Quelle: https://youtu.be/zAn5YxL1PbM?t=34m31s

Ein Hektar hat ca. 2,5 acre. Die in der obigen Tabelle angegebenen Umsätze pro Hektar entsprechen also ca. dem 2,5-fachen der in der Tabelle angegebenen Werte. Die Singing Frogs Farm bewirtschaftet ca. 1,5 ha. Sie erzielt damit also einen Umsatz von ca. 390 Tsd. Dollar. Ich habe die Singing Frogs Farm im November 2015 besichtigt. Paul Kaiser sagte mir zum Abschluss, dass das was ich gesehen hätte, auch das Produkt des Studiums von etlichen tausend Büchern und Artikeln sei. Er selber hat zwei Masterabschlüsse. Die Singing Frogs Farm ist kein zertifizierter Biobetrieb, aber sie ist eine Referenz dafür, was kommerzielle Ökobauern aus kleinen Flächen herausholen können. Die von der Farm zugekauften Düngemittel waren Muschelkalk, gemahlene Hühnerfeder (wegen dem darin enthaltenen Stickstoff) und zertifizierter Kompost. Für die Aufzucht der Setzlinge aus dem Saatgut wurde zudem ein spezieller, in Säcken angelieferter Kompost verwendet der ausdrücklich Mykorrhiza enthielt.

Daten aus dem Buch von John Jeavons

Das Ziel von John Jeavons[4] bei der Entwicklung der  GrowBiointensive-Methode war die Beantwortung der Frage, wie man auf der kleinstmöglichen Fläche nachhaltig alle für eine Person oder Familie benötigten Nahrungsmittel anbauen kann.

Als ich Paul Kaiser nach der Führung auf der Singing Frogs Farm gefragt habe, ob er John Jeavons und sein Buch kenne, hat er das sehr bejaht und gemeint, er habe das Buch mindestens viermal gelesen. Aber ihm sei das mit dem tiefen Umgraben zu anstrengend. Allerdings hatte die Singing Frogs Farm in den Anfangsjahren dieses als U-Bar-Plow, Manual Plow oder Broadfork bekannte Werkzeug 1[5].

In John Jeavons Buch How to Grow Mor Vegetables (and fruits, nuts, berries, grains, and other crops)[6], 9. Ausgabe, werden in dem Tabellen im Kapitel 8, Master Charts and Planning, auch Zahlen über die Erträge genannt. Für die folgende Tabelle habe ich die Daten  einiger Pflanzen umgerechnet:

Pflanze Durchschnitts-ertrag in den USA in [kg/100m² oder dt/ha] Gowbiointensiv

Anfänger/Normal/Experte mit sehr gutem Boden in [kg/100m² oder dt/ha]

Mais, Süss, nass 110 83  / 166 / 332
Kopfsalat 406 366 / 732 / 1465
Kartoffeln, irisch 468 488 / 976 / 3808
Erbsen, frisch 55 122 / 259 / 518
Erbsen, trocken 26 20 / 49 / 117
Bohnen, Kidney 23 20 / 49 / 117
Hafer 20 15 / 34 / 63
Roggen 20 20 / 49 / 117
Rapssaat 19 24 / 59 / 98
Weizen, weiß 19 20 / 49 / 127
Weizen, durum 27 20 / 49 / 127

Um einen Vergleich zu deutschen Werten zu ermöglichen habe ich hier eine Tabelle des Statistischen Landesamtes Sachsen Anhalt[7] gefunden und verlinkt. Bei Kartoffeln und Hafer entsprechen die amerikanischen Durchschnittswerte ungefähr den deutschen Werten. Generell kann man sagen, dass ein nach der Growbiointensive-Methode nach John Jeavons, ohne Agarchemikalien, grundwasserfreundlich und nachhaltig wirtschaftender Kleinbauer oder Gärtner pro Flächeneinheit am Anfang ungefähr soviel erntet wie konventionelle Landwirtschaftsbetriebe. Mit etwas Erfahrung und Zeit für die Verbesserung der Böden kommt der Kleinbauer oder Gärtner mit der Growbiointensive-Methode  in der Regel auf wesentlich höhere Erträge,  als der die Mitarbeiter und Aktionäre der Agrarchemiefirmen durchfütternde und dabei die Umwelt und das Grundwasser verpestende und dabei auch noch ungesündere, weil Nährstoffärmere Lebensmittel produzierende konventionelle Landwirt.

Daten von Gabe Browns’ Ranch

Ein anderer nicht zertifizierter, aber sehr erfolgreicher und gut verdienender Biobetrieb ist die Ranch von Gabe Brown. Ich habe in verschiedenen Artikeln auf Gabe Brown und seinen Betrieb hingewiesen. Einige der Betriebsdaten findet man in meinem Artikel Optimierung im Getreideanbau und Hochwasserschutz durch Integration der Mutterkuhhaltung[8]. Ich zitiere hier aus meinen Artikel Intensive Landwirtschaft?[9]

Getreideerträge von Browns Ranch im Vergleich

Ertrag auf Bowns Ranch [Bushel] Durschnittsertrag  im Landkreis (County) [Bushel] Browns Ranch über dem  Durchschnitt
Mais 127 98 30 %
Sommer Weizen 62 39 59 %
Hafer 112 62 81 %
Gerste 72 48 50 %

Obwohl Brown keinen Kunstdünger, keine Fungizide, keine Pestizide und nur noch sehr wenig bis selten Herbizide einsetzt, ist sein Maisertrag 30 % höher als beim Durchschnitt seines Landkreises. Man beachte hier, dass Browns Betrieb kontinentales Klima mit relativ wenig Niederschlägen und extrem kalten Wintern hat.

Hier ein Dia mit einer Vergleichstabelle der pflanzenverfügbaren Nährstoffe im Boden. Es wurden 4 benachbarte Betriebe verglichen.  Die unterste Zeile zeigt die Daten des Betriebes von Gabe Brown. Die oberste Zeile zeigt die Daten eine normalen Biobauern.

[10]
Quelle: https://youtu.be/UEOVLpZrvvU?t=13m5s Die Zahlen geben die Pflanzenverfügbaren Nährstoffe an. WEOC steht für Wasserlösliches Organisches Material

In Optimierung im Getreideanbau und Hochwasserschutz durch Integration der Mutterkuhhaltung[8] hatte ich diese Zahlen schon einmal in einer ins Deutsche übersetzten Tabelle gebracht und erläutert.

Die Werte des normalen Biobauern bestätigen die in dem  Artikel  Satan kommt nach Leverkusen[1], von Kolija Zydatiss aufgestellte Behauptung. ABER, die Daten des Betriebes von Gabe Brown zeigen, dass ein richtig moderner, wissenschaftlich gut beratener Biobetrieb wesentlich bessere Böden aufbaut und damit auch höhere Erträge erzielt,  als die Bayer-Leverkusen und Monsanto bereichernden konventionellen Landwirte, deren Böden sich in der Regel sogar verschlechtern.

Gabe Browns’ Betrieb kommt dabei, genauso wie die Singing Frogs Farm, ohne staatliche Zuschüsse aus und verdient trotzdem gut. Bei den Browns kommt noch dazu, dass sie nicht nur mehr Getreide als der Durchschnitt der Konkurrenz ernten, sondern sich dazu auch noch die Ausgaben für Kunstdünger, Pestizide, Fungizide und meist auch für die Herbizide sparen.  Aber das ist nicht alles. Während bei konventionell wirtschaftenden Landwirten die Äcker oft viele Monate nutzlos brach liegen, weiden auf Gabe Browns Getreide- und Maisfeldern im Winter Rinder, womit er Heu und Silage spart und auch noch an der Fleischproduktion verdient. Außerdem hat er unter anderem Hühner, deren Eier wesentlich besser sind als die zertifizierter Biobauern. In dem folgenden Bild ist das blasse Ei auf der linken Seite von einem Biobauern mit normaler Freilandhaltung. Das rechte Ei, mit dem kräftiger gefärbten Dotter, ist von Gabe Browns Hühnern.

[11]
Quelle: https://youtu.be/_2IURGFk5Yw . Das linke Ei ist von einem Biobauern mit Freilandhaltung. Das rechte Ei ist von Gabe Browns Ranch.

Bei Gabe Brown folgen die Hühner den Rindern drei Tage verzögert auf der Weide. Sie kratzen dabei die Kuhfladen breit und vertilgen Parasiten. Im Frühjahr, Sommer und Herbst macht Gabe Browns Betrieb alleine mit dieser Art der Hühnerhaltung $ 1375 Gewinn pro Woche. Die Nachfrage nach Eiern ist trotz des stolzen Preises von $ 5 pro Dutzend größer als das Angebot.

[12]
Quelle: https://youtu.be/_2IURGFk5Yw . Gabe Brown macht im Frühjahr, Sommer und Herbst alleine mit seinen Legehennen $ 1375 Nettogewinn. Dabei folgen diesen den Kühen auf der Weide nach 3 Tagen und vernichten dabei Parasiten.

Eine Weihnachtsbaumplantage

In Lektion 5 des Life in the Soil-Grundkurses[13] berichtet Dr. Elaine Ingham von einer Weihnachtsbaumplantage, die das Problem hatte, dass eine bestimmte Pilzart die Nadeln der meisten Bäume abfallen ließ. Der Betrieb hatte daraufhin Fungizide verwendet, diese wurden aber schließlich unwirksam. Auch waren die zuletzt verwendeten Fungizide so giftig, dass sie  vom Markt genommen wurden. Die Firma bat daher schließlich eines der  Labore  von Elaine Inghams Firma darum, den Fall zu untersuchen und Komposttee auszubringen. Komposttee wurde am 30. April, 2. Mai und 3. Juni 2004 bei einem Teil junger, gesunder Bäumchen ausgebracht, ein anderer Teil wurde mit einem [neuen] sehr teuren und sehr giftigen Pestizid gespritzt. Die die Nadeln zum Abfallen bringende Pilzerkrankung trat in keiner Gruppe auf, so dass es diesbezüglich keinen Unterschied gab. Der Komposttee war aber drastisch kostengünstiger. Insbesondere war auch das Ausbringen des Komposttees einfacher und kostengünstiger, weil die Arbeiter anders als bei dem hochgiftigen Pestizid keine Schutzausrüstung brauchten. Was hier schließlich am Wichtigsten war,  war aber die Entwicklung der Wurzeln. Die mit Komposttee behandelten Bäumchen hatten wesentlich kräftigere Wurzeln. Der Effekt war, dass die mit Komposttee behandelten künftigen Weihnachtsbäume schneller wuchsen und daher mit 4 bis 5 Jahren geerntet werden konnten, während die nicht mit Komposttee behandelten Bäumchen 3 Jahre mehr Zeit benötigten. Das sind rund 40 % mehr Ertrag.

[14]
Quelle: 5. Lektion des Life in the Soil Kurses ( https://environmentcelebration.com/products/life-in-the-soil-class/ )
CT steht für Komposttee

Ein Versuch auf einem Milchviehbetrieb

Der folgende Versuche wird von Dr. Elaine Ingham in der 6. und 7. Lektion des Komposttee-Kurses[15] beschrieben und erläutert. Der Versuch wurde 2003 von Russell Snodgrass, damals “SFI-Advisor” für Apron in Neuseeland durchgeführt.   Apron ( http://abron.co.nz[16] ) ist eine Firma in Neuseeland, die sich auf bodenverbessernde Dünger und Beratung spezialisiert hat. Russell Snodgrass arbeitet noch immer bei dieser Firma.  “SFI-Advisor” bedeutet wohl Soil Food Inc  Advisor. Die Soil Food Inc. ist die Firma Soilfoodweb von Elaine Ingham.

Hier nun der weitere Hintergrund, die Daten und Ergebnisse des Versuchs:

Versuchseingriff
Komposttee-Parzelle
Kontroll-Parzelle
Ergebnisse
Kontroll-Fläche Komposttee
Gesamte Trockenmasse in kg/ha 7272 8133
Anteil Klee in % 6,25 42,5

Der den Versuch beaufsichtigende Berater habe zunächst befürchtet, dass die Tiere wegen des hohen Kleeanteils auf der Versuchsfläche Blähungen bekommen würden. Tatsächlich litten aber die die Tiere auf der konventionellen Fläche an Blähungen, was nach Meinung von Elaine Ingham an dem hohen Stickstoffanteil im Futter gelegen habe, während die Tiere auf der Kompostteeseite gesund waren bzw. wurden.

Alleine die Einsparungen an Tierarztkosten bei dem Teil der Herde, der auf der nur mit Komposttee behandelten Seite geweidet hat, hätte die Versuchskosten kompensiert.

Zur Zeit des Versuchs grassiert unter Kühen in Neuseeland Facial Ezcema (www.dairynz.co.nz/animal/cow-health/facial-eczema/ ). Die Ursache war damals noch nicht bekannt. Bei der Herde auf der konventionell gedüngten Weide blieb die Krankheit in dem damals  üblichen Ausmaß bestehen, bzw. entwickelte normal weiter. Bei der Herde auf der nur mit Komposttee behandelten Fläche verschwand die Krankheit, d.h., Tiere die bereits erkrankt waren wurden gesund und es traten keine Neuerkrankungen auf.

Den Grund ahnt man, wenn man die folgende Grafik betrachtet. Gezeigt wird um wie viel Prozent die Gehalte der einzelnen Mineralien in den Kräutern und Gräsern auf der nur mit Komposttee behandelten Fläche gegenüber der mit Kunstdünger gedüngten Seite zugenommen hatte.

[17]
Quelle: Folie aus Lektion 7 von Dr. Elaine Inghams Compost-Tea-Class https://environmentcelebration.com/products/compost-tea-class/

Man beachte, dass die ca. 18 % Stickstoff (Nitrogen) auf nur mit Komposttee behandelten, ökologischen Seite ausschließlich in der Form von Proteinen (Eiweiß) gebunden waren. Das Futter auf der Biobauernseite also deutlich eiweißhaltiger.

Vor diesem Hintergrund der unterschieden in den Mineralgehalten möchte ich hier auch auf meine Artikel Nährstoffgehalt der Lebensmittel sinkt seit dem 2. Weltkrieg[18] und Erster Eindruck von Elaine Inghams Kursen[19] hinweisen.

Wie und warum die Behandlung mit dem Komposttee gewirkt hat, bzw. was die Anwendung von Komposttee eigentlich ist  – nämlich eine gezielte Infektion des Bodens und der Pflanzen mit erwünschten Mikroorganismen – zeigen die folgenden Beiden Tabellen zu diesem Versuch in Neuseeland:

[20]
Quelle: Folie aus Lektion 7 von Dr. Elaine Inghams Compost-Tea-Class https://environmentcelebration.com/products/compost-tea-class/
[21]
Quelle: Folie aus Lektion 7 von Dr. Elaine Inghams Compost-Tea-Class https://environmentcelebration.com/products/compost-tea-class/

Wurzeln fressende Nematoden und Fungi sind auf der bio-Seite wesentlich weniger vorhanden als auf der konventionell gedüngten Seite. Dafür sind auf der Ökoseite mehr Bakterien und Fungi fressende Nematoden, die letztlich die in den Bakterien und Fungi gespeicherten Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar machen, wie ich in dem Artikel Erster Eindruck von Elaine Inghams Kursen[19] erklärt habe.

Solche biologischen Bodentests selber durchführen, verstehen  und auswerten zu können ist übrigens ein wesentliches Ziel des Kurspaketes von Frau Ingham.

Steigerung des jagdlichen Wertes und Naturschutz

Gabe Brown schätzt, dass sich der Wildbestand seit der Umstellung seines Betriebe mindestens um das 100-fache vergrößert hat.

[22]
Quelle: https://youtu.be/_2IURGFk5Yw. Wildbestand schätzungsweise locker um das 100-fache gestiegen.

Auch auf der Singing Frogs Farm konnte der effektive Naturschutz verbessert werden. Die Zahl der Singvogelbrutpaare ist dort z.B. mehr als 3 mal so hoch wie auf dem Gelände von Nachbarbetrieben.

[23]
Quelle: https://youtu.be/ukFpwvlkqUY . Der ältere Herr auf dem Bild ist ein Vogelschützer, der auf verschiedenen Farmen Nistkästen aufhängt. Auf der Singing Frogs Farm hat er 3 mal soviel Brutpaare wie auf anderen Farmen. Durch mehr Erdbienen konnte auch die Honigbienenleistung mehr als verdoppelt werden.

Dr. Allen William zeigte in seiner Präsentation Economic Benefits of Livestockintegration into Croplands[24], am 2. Tag der Southern Soil Helth Conference (SSHC), nach dem er ab [43:50] etwas über das Thema Brix-Wert-Messung referiert hat das folgende Bild eines kapitalen Weißwedelhirsches (Deer), der Klasse 175.

[25]
Quelle: https://youtu.be/M19zkebz_Zk

Solche Trophänen seien heute in Revieren, in denen die Landwirte einen hohen Brix-Wert erreichen  üblich, während die Jäger vorher in den selben Gebieten große Mühe gehabt hätten einen Hirsch der Klasse 125 zu erlegen. Der Brix-Wert wird mit einem Refraktometer gemessen. Er ist ein Maß für den im Pflanzensaft enthaltenen Nährstoffanteil.

Gabe Brown erwähnt an einer Stelle seiner Präsentationen außerdem, dass das Wild über weite Strecken zu seiner Ranch wandere. Nährstoffreiche Weiden sprechen sich beim Wild offenbar herum. Man könnte also durch intelligenten, wirklich modernen Biolandbau auch die Wildbestände in einem Jagdrevier verbessern und  zugleich Wild aus weniger fortschrittlichen, konventionell bewirtschafteten Jagdrevieren anlocken. Man betrachte dazu dann auch noch die Bilder von der Winterweide auf dem angehenden Maisfeld von Gabe Brown, die ich in Intensive Landwirtschaft?[26] eingebunden habe und stelle sich vor was die Hirsche und Rehe wohl von so einer Weide halten. Dabei stellt sich mir dann auch noch die Frage, ob und wie weit man auf diese Weise nicht die insbesondere von Rotwild und Rehwild verursachten Wildschäden in den Wäldern verringern könnte. Auch das sind letztlich die Erträge beeinflussende Faktoren.

Quantität und Qualität des Trinkwassers

Es kann als sicher gelten, dass die sich eine wissenschaftlich gut fundierte, moderne biologische Landwirtschaft auch auf die Qualität und Quantität des Trinkwassers sehr positiv auswirkt, während die konventionelle Landwirtschaft mit ihrem Nitrat und Pestizideintrag für hohe Belastungen und Kosten sorgt.

Einsparungen im Gesundheitswesen

Wie der oben erwähnte Versuch in Neuseeland gezeigt hat, kann man ziemlich schnell und preiswert die Nährstoffgehalte in den Pflanzen steigern und damit sicher nicht nur die Tierarztkosten sondern auch die Kosten im Gesundheitswesen senken.

Vermeidung von Hochwasserschäden

Eine wissenschaftlich fundierte,  moderne biologische Landwirtschaft, wie sie z.B. die Ranch von Gabe Brown und Singing Frogs Farm der Kaisers liefert nicht nur höhere Erträge bei geringen Kosten, sondern sie reduziert auch die die Gesellschaft insgesamt treffenden Hochwasserschäden. Siehe dazu u.a. meine Artikel Mal wieder Hochwasser[27], Optimierung im Getreideanbau und Hochwasserschutz durch Integration der Mutterkuhhaltung[8] , Starkregen und Sturzfluten [28]und Bodenerosion durch Starkregen in Weinbergen[29].

Der furchtbarste Preis

Der furchtbarste Preis der konventionellen Landwirtschaft ist, dass sie im Falle eines Krieges oder großer Naturkatastrophen zu Massensterben führen wird, verglichen mit denen die Massenmorde und Verbrechen des 2. Weltkrieges vergleichsweise harmlos waren.  Das Problem einer von großen Konzernen und damit auch von einer funktionierenden, globalen Infrastruktur abhängigen Landwirtschaft ist, dass sie sehr fragil ist. Wenige gezielte Angriffe  können zu einem weitgehenden Ausfall der Nahrungsmittelversorgung führen, der heute in Staaten wie der BRD mehr als 90 % der Bevölkerung binnen weniger Monate dahinraffen  würde. Mein Artikel Weitere Literatur zum Thema EMP[30] und die in Eine Sekunde danach[31] vorgestellten Romane liefern einige Ideen zu diesem Thema. Wer immer meint, dass sich Massenvernichtungen wie im 2. Weltkrieg nicht wiederholen sollten, der sollte sich zuerst und vor allem für eine Umstellung der Landwirtschaft einsetzen.

Dabei ist zu bedenken, dass die für die konventionelle Landwirtschaft und die sie versorgende Industrie in Deutschland sowieso mit  hoher Wahrscheinlichkeit bereits vor 2030 die notwendige Versorgung mit Erdölprodukten wegbrechen wird.   Siehe dazu z.B. meine Artikel Der aufziehende Sturm am Ölhimmel[32],  Erschöpfung – Das Schicksal des Ölzeitalters[33] und Karl Marx und die Energiesklaven[34].  Die Frage ist eigentlich nur, ob man einen richtigen Absturz oder einen kontrollierte Notlandung wünscht.

Fazit

Alles in allem kann man als sicher ansehen, dass biologische Landwirtschaft mindestens gleiche oder höhere Erträge als die konventionelle, von Agrarchemikalien abhängige Landwirtschaft erzielen kann, wenn das Management der Betriebe gut ist. Die betriebswirtschaftlichen Vorteile wirklich moderner, wirklich ökologischer Landwirtschaft sind zumindest aus der Sicht der Landwirte überwältigend. Aus der Sicht der Hersteller und Lieferanten von Agrarchemikalien und Medikamenten und auch aus Sicht mancher Landmaschinenhersteller sieht das alles natürlich völlig anders aus.

Kelberg, den 1.07.2018

Christoph Becker

Print Friendly, PDF & Email[35]

  1. Die im Internet z.B.  auf www.easydigging.com/broadfork.html[36] oder auch bei http://www.gaertnernohnegift.de/ angebotenen breiten Grabegabeln sehen zwar von weitem mehr oder weniger so aus wie die von John Jeavons Buch empfohlene, gehen nicht annähernd so tief. In dem Buch von John Jeavons findet sich eine Bauanleitung mit Detailzeichnungen, einer Version die ein Maschinenbaustudent der Stanford-Universität für John Jeavon entwickelt hat, für die eine Zinkenlänge von 18″, das sind ca. 46 cm angegeben wird.  ↩[37]

Endnotes:
  1. Satan kommt nach Leverkusen: https://www.novo-argumente.com/artikel/satan_kommt_nach_leverkusen
  2. Kann Ökolandbau die Weltbevölkerung ernähren?: https://www.hier-sind-die-fakten.de/de/kann-oekolandbau-die-welt-ernaehren.aspx
  3. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/06/SingingFrogsRevenue1.jpg
  4. John Jeavons: http://www.johnjeavons.info
  5. 1: #fn1-7083
  6. How to Grow Mor Vegetables (and fruits, nuts, berries, grains, and other crops): https://amzn.to/2tVjT0f
  7. Tabelle des Statistischen Landesamtes Sachsen Anhalt: http://www.stala.sachsen-anhalt.de/Internet/Home/Daten_und_Fakten/4/41/412/41241/Hektarertraege_ausgewaehlter_Fruchtarten1.html
  8. Optimierung im Getreideanbau und Hochwasserschutz durch Integration der Mutterkuhhaltung: https://www.freizahn.de/2016/09/optimierung-im-getreideanbau-und-hochwasserschutz-durch-integration-der-mutterkuhhaltung/
  9. Intensive Landwirtschaft?: https://www.freizahn.de/2018/06/quorum-sensing-und-komposttees/
  10. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/06/gabeBrownSoilCompare.jpg
  11. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/06/GabeBrownDaveBrandFielday2.jpg
  12. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/06/GabeBrownDaveBrandFielday3.jpg
  13. Life in the Soil-Grundkurses: https://environmentcelebration.com/products/life-in-the-soil-class/
  14. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/06/EIngham-KompostteeWeihnbaeume.jpg
  15. Komposttee-Kurses: https://environmentcelebration.com/products/compost-tea-class/
  16. http://abron.co.nz: http://abron.co.nz
  17. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/07/EIngham-NZDiary1.jpg
  18. Nährstoffgehalt der Lebensmittel sinkt seit dem 2. Weltkrieg: https://www.freizahn.de/2017/06/naehrstoffgehalt-der-lebensmittel-sinkt-seit-dem-2-weltkrieg/
  19. Erster Eindruck von Elaine Inghams Kursen: https://www.freizahn.de/2018/06/erster-eindruck-von-elaine-inghams-kursen/
  20. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/07/EIngham-NZDiary2.jpg
  21. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/07/EIngham-NZDiary3.jpg
  22. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/06/GabeBrownDaveBrandFielday1.jpg
  23. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/06/SingingFrogsBirdsBees.jpg
  24. Economic Benefits of Livestockintegration into Croplands: https://youtu.be/M19zkebz_Zk
  25. [Image]: https://www.freizahn.de/wp-content/uploads/2018/07/AllenWilliams2ndSSHC2ndDayHirsch.jpg
  26. Intensive Landwirtschaft?: https://www.freizahn.de/2018/05/intensive-landwirtschaft/
  27. Mal wieder Hochwasser: https://www.freizahn.de/2018/05/mal-wieder-hochwasser/
  28. Starkregen und Sturzfluten : https://www.freizahn.de/2017/05/starkregen-und-sturzfluten/
  29. Bodenerosion durch Starkregen in Weinbergen: https://www.freizahn.de/2017/05/bodenerosion-durch-starkregen-in-weinbergen/
  30. Weitere Literatur zum Thema EMP: https://www.freizahn.de/2014/08/weitere-literatur-zum-thema-emp/
  31. Eine Sekunde danach: https://www.freizahn.de/2014/08/eine-sekunde-danach/
  32. Der aufziehende Sturm am Ölhimmel: https://www.freizahn.de/2018/02/der-aufziehende-sturm-am-oelhimmel/
  33. Erschöpfung – Das Schicksal des Ölzeitalters: https://www.freizahn.de/2016/10/erschoepfung-das-schicksal-des-oelzeitalters/
  34. Karl Marx und die Energiesklaven: https://www.freizahn.de/2018/05/karl-marx-und-die-energiesklaven/
  35. [Image]: #
  36. www.easydigging.com/broadfork.html: https://www.easydigging.com/broadfork.html
  37. ↩: #rf1-7083

Source URL: https://www.freizahn.de/2018/07/moegliche-ertraege-im-biolandbau/