Verfälschung der Wahrnehmung durch Gruppenzwang

Wenn eine Gruppe von Menschen  die Realität in gleicher Weise fehlerhaft wahrnimmt, dann neigen die einzelnen Mitglieder der Gruppe mit ca. 70 % Wahrscheinlichkeit dazu,  ihre eigene Wahrnehmung an die fehlerhafte Wahrnehmung der Gruppe anzupassen,  wie das in dem folgenden Video vorgeführte, auf einer Veröffentlichung des Psychologen Solomon Asch zurückgehenden Konformitätsexperiment von Asch zeigt.

Die Ergebnisse dieses Experimentes machen viele politische Phänomene verständlich.

Vor diesem Hintergrund habe ich mir noch einmal die letzten 3 Minuten von Manfred Kleine-Hartlages Vortrag,  Warum ich kein Linker mehr bin angehört.

Wie Kleine-Hartlage erklärt, ist beruht der  Glaube der Linken an die Richtigkeit ihrer Weltsicht in hohem Maße auf Gruppenzwang.

Vor diesem Hintergrund ist dann auch ein anderer Vortrag von Manfred kleine Hartlage alleine schon durch den Titel “Links ist da, wo der Regen von unten nach oben fällt” ein praktisches Beispiel für den Effekt der Wahrnehmungsverzerrung durch Gruppenzwang:

Immerhin kann man den  Linken vor dem Hintergrund von Aschs Konformitätsexperiment zu gute halten, dass ihre Wahrnehmung durch den Gruppendruck dem sie unterliegen wohl tatsächlich gestört ist.

Wie der Moralpsychologe Jonathan Haidt herausgefunden hat und in seinem Buch  The Righteous Mind: Why Good People are Divided by Politics and Religion erklärt gibt es allerdings auch noch einen ganz anderen Grund dafür, warum Menschen rechts  oder besser  konservativ  oder eben links sind.  Der  Mensch habe insgesamt 5 oder 6  verschiedene moralische Geschmackssensoren, die vor dem Hintergrund der Evolution für alle eine für die Funktion von Gesellschaften wichtige  Berechtigung und Ursache haben. Bei Linken sind einige dieser moralischen Geschmackssensoren unterentwickelt, während die für Gleichheit und Gerechtigkeit zuständigen Sensoren mehr oder weniger über entwickelt sind.  Bei Rechten bzw. Konservativen ist die Verteilung dagegen ausgewogener.   Die Gewichtung der Sensibilität dieser Moral-Sensoren ist möglicherweise  zumindest teilweise erblich.

Menschen sind also nicht einfach nur Linke (zu denen heute im Grunde auch SPD, Grüne und die CDU gehören), weil der Konformitätsdruck ihrer Gruppe ihre Wahrnehmung der Realität verfälscht. Wohl aber könnte eine durch den Gruppenzwang verursachte Verzerrung der Wahrnehmung der Realität eine Ursache dafür sein,  dass sinnvolle Anpassungen und Korrekturen unterbleiben oder unnötig  spät erfolgen.

Eine faktische  Gleichschaltung der Presse, der Parteigremien und der Parlamente kann vor diesem Hintergrund dafür sorgen, dass letzten Endes die gesamte Elite einer Gesellschaft auf Grund des Konformitätsdrucks die Realität nicht mehr richtig wahrnimmt und das Land in eine Katastrophe bzw. in den Untergang führt.

Echte Meinungsfreiheit, echte Pressefreiheit und echte Freiheit von Forschung und Lehre , sowie  ein  echtes  Mehrparteiensystem  sind vor diesem Hintergrund kein ärgerlicher Luxus ,  sondern letztlich  ein sehr wesentliches Instrument zur Vermeidung von durch Gruppenzwänge verursachten Fehlern in der Wahrnehmung der Realität.

Kelberg, den 7.10.2016
Christoph Becker

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Ein Gedanke zu „Verfälschung der Wahrnehmung durch Gruppenzwang“

  1. Ich bezweifle nicht, dass es zu Verfälschungen in der Wahrnehmung einer Sache kommen kann, wenn parallel die Wahrnehmung der Gruppe für den Wahrnehmenden wichtig ist.
    Ich bezweifle eher, ob die meisten Wahrnehmenden sich dessen bewusst sind, wie sehr sie, trotz aller “Individualität”, von einer Gruppe abhängig sind, Teil dieser Gruppen sind.

    Ganz sicher bin ich mir, in dem meisten Fällen zu den 30% zu gehören; ich ecke an, seit ich in den Kindergarten kam.
    Und hab schon als 10 jährige gewusst, das es nicht “gut” ist, nur gut zu sein, um in den Himmel zu kommen.

    Bleib mir weg mit “die Linken sorgen dafür, das wir eine muslimische Mehrheit bekommen”.
    Als mögliche Erklärung wäre in dem Zusammenhang hier mehr zu holen: https://de.wikipedia.org/wiki/Illuminatus!

    So wie es einerseits in der Natur die Neigung zur Selbstbestätigung gibt, scheint es andererseits auch eine Tendenz zur Unterwanderung jeglicher Ideologie durch ein inhärentes Gegenteil zu geben.
    Aber was soll auch anderes dabei herauskommen, wenn ich mir von meinem Ideal das Denken abnehmen lasse, anstatt es damit zu erweitern?
    Das liegt aber nicht am “links” oder “rechts”, sondern am “nicht selber denken”.
    Was auch den “Konformitätsdruck” so beliebt macht.

    Es fehlt, meiner unbescheidenen Meinung nach, daran, bei jeglichem Ding auch die Dosierung in den Fokus zu nehmen; anzuerkennen, dass die Qualität sich bei Änderung der Quantität ausgesprochen stark wandeln kann.
    Alle Menschen gleich zu behandeln, kann nicht gerecht sein, denn sie sind verschieden. Mir ist nicht bekannt, dass es schon eine Ideologie gibt, die dem wirklich Rechnung trägt, ausser vielleicht bei freundlichen Anarchisten und die sind dünn gesät.

    Und: ich erlebe dich gar nicht soo idealistisch, glaubst du wirklich, die “Elite” hätte es bislang jemals geschafft “die Realität richtig wahrzuhnehmen?” Als ob Nachhaltigkeit früher weiter oben auf der Agenda gestanden hätte. Wann soll das gewesen sein?

    Es geht nicht um Links oder Rechts, sondern ums selber denken. Eigentlich. Oder?
    Erst eine “artgerechte gehaltene Gruppe” (von Menschen) ermöglicht ihren Individuen tatsächlich so etwas wie eine Wahrnehmung der “Realität”.

    Du sprichst von “Gruppenzwang” und seinen Auswirkungen, als läge gerade ein goldenens Zeitalter kurz hinter uns. Ich bin knapp über 50, wann soll das gewesen sein?
    Entschuldigung, das war ein wenig polemisch, aber es ist so typisch für die Resignation heutzutage, diese Haltung.
    Wir sind die erste Generation, der die Nase so richtig lang gemacht wurde. Freiheit! Individualität!
    Dann kam Konsum.
    Und jetzt müssen wir über unsere Korrumpierbarkeit sprechen.
    Und nicht die Idealisten verpönen.

    “Wann ist eigentlich aus Sex & Drugs & Rock´n Roll
    Laktoseintoleranz, Veganismus und Helene Fischer geworden?”
    (von einer Postkarte)

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